VonLinus Prienschließen
Nach Gesprächen mehrerer Bürgermeister mit Komikern, die sich mittels der Deep-Fake-Methode als Vitali Klitschko präsentierten, ist nun der Hintergrund aufgedeckt worden. Sie arbeiten für eine Gazprom-Plattform.
Berlin — Inmitten des eskalierten Ukraine-Konflikts brach Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey in der letzten Juni-Woche eine Videoschalte ab, nachdem Zweifel aufgekommen waren, dass sie tatsächlich mit Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko verbunden war. „Die erste Viertelstunde war völlig unauffällig“, sagte Senatssprecherin Lisa Frerichs nach dem ursprünglichen Gespräch. Das Rätsel um den Fake-Anruf wurde nun endlich gelöst: Offenbar waren die Täter für eine Plattform tätig, die dem russischen Staatskonzern Gazprom gehört.
Klitschko-Deep-Fake: Komiker gaben sich als Bürgermeister Kiews aus
„Der vermeintliche Herr Klitschko hat gefragt, wie es uns mit den vielen ukrainischen Flüchtlingen geht, wie wir damit umgehen, wie die Zahlen sind, ein ganz normales Gespräch, wie wir es erwartet hatten“, schilderte Frerichs das Telefonat. Das Gespräch per Videokonferenz zum Thema Zusammenarbeit der beiden Städte sei bereits lange vorher verabredet worden.
Dann seien jedoch einige Themen angesprochen worden, die Giffey misstrauisch gemacht hätten. „Es ging einmal darum, dass er sich auf ein angebliches Gespräch mit Botschafter (Andrij) Melnyk bezogen und gefragt hat, wie wir das sehen, dass so viele Ukrainerinnen und Ukrainer sich Sozialleistungen in Berlin erschleichen wollten“, so die Senatssprecherin.
Auf Twitter teilte die Senatskanzlei schließlich mit, ein Gespräch mit Melnyk, dem ukrainischen Botschafter in Deutschland, habe bestätigt, dass Giffey nicht mit Klitschko verbunden gewesen sei. „Es gehört leider zur Realität, dass der Krieg mit allen Mitteln geführt wird“, wurde Giffey in dem Tweet zitiert. „Auch im Netz, um mit digitalen Methoden das Vertrauen zu untergraben und Partner und Verbündete der Ukraine zu diskreditieren“, hieß es weiter.
Klitschko-Deep-Fake: Anrufer arbeiteten für eine Plattform vom russischen Staatskonzern
Nachdem ersten Schock der Fake-Videokonferenz stellte sich schließlich selbstverständlich die Frage, wer hinter der Aktion steckt. Die Antwort auf diese Frage lieferten nun die Täter persönlich, die sich nicht nur mit Giffey, sondern auch weiteren europäischen Bürgermeistern einen Witz erlaubten. Die beiden russischen Komiker, die sich zu den Fake-Videoschalten bekannt haben, arbeiten nach eigener Aussage für eine Internetplattform, die dem russischen Staatskonzern Gazprom gehört.
Nach ARD-Angaben räumten sie in einem Interview ein, sich durch Gelder der Plattform Rutube zu finanzieren. Dabei handelt es sich um eine russische Kopie von Youtube. „Wir arbeiten für Rutube und sind Rutube-Botschafter. Also bekommen wir unser Geld von dort“, sagte Alexej Stoljarow alias Lexus dem ARD-Magazin „Kontraste“. Rutube gehört seit 2008 zu Gazprom-Media - einem von Russlands Staatskonzern Gazprom gegründeten Medienkonzern. (lp/dpa)
