VonSandra Katheschließen
Seit einigen Wochen äußert der US-Präsident den Wunsch, Grönland den USA anzugliedern. Dänemark steckt Geld in die Verteidigung der autonomen Insel.
Nuuk/Kopenhagen – Kanada, Grönland, Panama-Kanal: In seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident hat sich der vergangene Woche ins Amt eingeführte Donald Trump offenbar vorgenommen, den Einfluss der USA weiter auszuweiten. Das beunruhigt viele, doch es gibt auch Stimmen, die den Expansionsplänen des 78-Jährigen etwas Positives abgewinnen können.
So äußerten sich etwa zwei führende dänische Politiker zu Trumps Plänen, Grönland zu kaufen. Dänemarks Außenminister Lars Lokke Rasmussen sprach davon, dass Trump einen wichtigen Punkt getroffen habe, Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen nannte den Konflikt einen befreienden „Weckruf“. Das zitierte die Deutsche Presse-Agentur aus der Berichterstattung der dänischen Zeitungen Politiken und Berlingske.
Streit um Grönland: EU-Experte will Region durch Militäreinsatz stabilisieren
Tatsächlich scheinen sich die USA und Dänemark gerade zu Konfliktparteien im Streit um Grönland zu entwickeln. Bereits vor seiner Amtseinführung vergangenen Montag (20. Januar) hatte Trump erklärt, Grönland kaufen und den Vereinigten Staaten anschließen zu wollen. Dänemark, wozu die autonom verwaltete Arktisinsel seit 1814 gehört, besteht dagegen darauf, nicht an einem Verkauf interessiert zu sein. Dänemarks Parlament hat auf dieser Basis in dieser Woche beschlossen, die Militärverteidigung der Insel mit einer Milliardeninvenstition zu stärken, wie etwa die Tagesschau berichtete.
Und auch andere EU-Staaten haben sich bereits zu Trumps Plänen geäußert und erklärt, Dänemark zur Seite stehen zu wollen. Dazu zitierte der Spiegel etwa den EU-Militärausschuss-Vorsitzenden Robert Brieger, der öffentlich betonte, dass es ein „starkes Signal“ wäre, EU-Militär auf die Arkisinsel zu entsenden, um zur Stabilität in der Region beizutragen. Kritiker befürchten, dass solche Reaktionen von Trump als Provokation gelesen werden könnten. Dieser hatte zuvor erklärt, wenn nötig auch militärischen Druck ausüben zu wollen, um einen Anschluss Grönlands an die USA zu erreichen.
Reaktion auf Trumps Grönland-Pläne: Lund Poulsen sieht Chance für Europa
Trotz allem legt man auf dänischer Seite ob der Diskussionen um Grönland auch einen gewissen Pragmatismus an den Tag. So betonte Dänemarks Verteidigungsminister Lund Poulsen gegenüber Politiken, dass Trumps Politik ein wichtiger „Weckruf“, und „in vieler Hinsicht befreiend“ sei. Denn: „Jetzt bekommen wir eine Diskussion über Europas Verteidigungswillen, nicht bloß darüber, inwieweit wir glauben, dass die Amerikaner weiterhin für unsere Sicherheit sorgen werden.“
Auch Außenminister Lars Lokke Rasmussen glaubt, dass die turbulente Situation im Zuge von Trumps Begehrlichkeiten am Ende etwas Gutes mit sich bringen könnte. So habe Trump bereits in der Vergangenheit häufiger etwas Wichtiges auf den Punkt gebracht, und es komme selten vor, dass seine Aussagen nichts mit der Realität zu tun hätten, sagte Lokke der Zeitung Berlingske.
Für Regierungschefin Frederiksen sei die notwendige Botschaft, wie die Nachrichtenagentur AFP zitiert, „sehr klar“: „Man muss die Territorien und die Souveränität der Staaten respektieren“, sagte sie vor Journalisten. Dies sei ein „grundlegendes Element der internationalen Gemeinschaft, die wir zusammen seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut haben“.
Trump will Einfluss Grönland: Internationale Sicherheit und die Rolle von Rohstoffen
Doch warum ausgerechnet Grönland? Während Trump im Gespräch mit Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen laut Spiegel-Bericht angeführt haben soll, es ginge bei seiner Forderung um Fragen der internationalen Sicherheit, liegt die Vermutung nahe, dass vor allem die Rohstoffe der Arktisinsel das Interesse des US-Präsidenten wecken.
Trump ist bekannt für seinen kritischen Blick auf die Fragen des Klimawandels und hat auch für die USA selbst einige Maßnahmen angekündigt, umstrittene Rohstoffgewinnung (wieder) voranzutreiben und Klimaschutz-Vorhaben zu blockieren. Über die Rohstoffvorräte der USA hinaus, verfügt auch Grönland über sogenannte Seltene Erden, deren Abbau bei Klimaschutz-Fachleuten wie Einheimischen äußerst skeptisch gesehen wird.
Denn während Trump sich am Wochenende gegenüber Reportern auf seiner Regierungsmaschine Air Force One überzeugt zeigte, dass sich Grönland den USA anschließen werde und die dortige Bevölkerung seine Pläne befürworte, zitiert die dpa aus einer Umfrage, nach der sich rund 85 Prozent der Inselbevölkerung gegen eine Zugehörigkeit zu den USA ausgesprochen haben. Der repräsentativen Daten zufolge seien dagegen lediglich rund sechs Prozent der 57.000 Menschen auf der Insel dafür, Teil der USA zu werden. (saka mit dpa/AFP)
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