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Drohnenangriffe und Sabotageakte auf russischem Staatsgebiet häufen sich. Ein russischer Militärblogger sieht darin eine Teilstrategie der ukrainischen Gegenoffensive.
Krasnodar – „Die Gegenoffensive läuft bereits seit Tagen“, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak am Mittwochabend in einem Fernsehinterview. Im Ukraine-Krieg häuften sich zuletzt Angriffe auf das von Russland besetzte Hinterland und russische Grenzregionen. Der radikale Ex-Geheimdienstoffizier Igor Girkin, einer der bekanntesten prorussischen Militärblogger, hält grenzüberschreitende Angriffe auf russisches Gebiet für eine Teilstrategie der ukrainischen Gegenoffensive. Man wolle Russland dazu bringen, mehr Ressourcen zum Schutz des eigenen Staatsgebiets aufzuwenden, so der Ultranationalist.
Moskau meldet ukrainische Drohnenangriffe auf russische Stadt Krasnodar
Die Millionenstadt Krasnodar liegt östlich der Halbinsel Krim und etwa 200 Kilometer von der Krimbrücke entfernt, welche die von Russland völkerrechtswidrig annektierte Halbinsel mit dem russischen Festland verbindet. Anfang Mai waren im Gebiet Krasnodar nach Drohnenattacken innerhalb von 24 Stunden zunächst ein Kraftstoffdepot und dann ein Tanklager einer Ölraffinerie in Brand geraten. In der Nacht auf Freitag (26. Mai) habe es einen erneuten Drohnenangriff in Krasnodar gegeben, berichteten russische Medien.
Es war von zwei Explosionen die Rede, die den Behörden zufolge ein Bürogebäude und ein Wohnhaus trafen. In der Morskaya-Straße sollen die Überreste einer Drohne gefunden worden sein. Während andere grenznahe Regionen Russlands regelmäßig attackiert werden, war die Stadt Krasnodar bislang wenig betroffen. In den sozialen Medien kursierten zahlreiche Videos und Fotos von dem Vorfall.
Photo reportedly of the wreckage of one of the UAVs. 2/https://t.co/bqvEq3kgz2 pic.twitter.com/AzUVrFjvhM
— Rob Lee (@RALee85) May 26, 2023
Offenbar weitere Angriffe auf russisches Staatsgebiet: Rostow, Belgorod
In der benachbarten Region Rostow habe die russische Raketenabwehr eine „ukrainische Rakete“ in der Nähe von Morosowsk abgeschossen, teilte der Gouverneur der Region, Wassili Golubew, mit. „Das Militär macht seinen Job. Bleiben Sie ruhig“, schrieb Golubew laut US-Magazin Newsweek auf Telegram. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig bestätigten. Die Ukraine hat offiziell keine Verantwortung für die Vorfälle übernommen und bestreitet in der Regel eine Beteiligung bei Angriffen auf russisches Staatsgebiet.
Auf der annektierten Halbinsel Krim wurden in der Nacht zum Donnerstag russischen Angaben zufolge sechs Drohnen abgeschossen. Moskau meldete außerdem erneut heftigen Artilleriebeschuss in der russischen Grenzregion Belgorod. Mindestens fünf Kommunen seien von ukrainischen Streitkräften beschossen worden, so der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow am Freitag. Partisanenangriffe russischer Freiheitskämpfer in Belgorod hatten bereits am Montag für Aufsehen gesorgt. Der Kreml in Moskau hatte sich „tief besorgt“ gezeigt. Die örtlichen Behörden hatten zudem von „zahlreichen“ Drohnenangriffen berichtet. Kiew wies jede Verantwortung von sich.
In Belgorod habe eine Drohne das Gebäude des russischen Innenministeriums im Dorf Maiski angegriffen, hieß es am Samstag vonseiten des russischen Onlinemediums Baza. Einen Tag vorher hatte der Gouverneur der Region bereits von einer Drohne berichtet, die einen Sprengsatz auf ein Verwaltungsgebäude des Energiekonzerns Gazprom abgeworfen haben soll, wie Kyiv Independent und Prawda mitteilten.
Teil der Strategie der Gegenoffensive? „Unsere Aktionen haben bereits begonnen“
Kiew betont immer wieder, die Ukraine wolle russisches Gebiet nicht attackieren. „Wir benutzen die Waffen, die ihr uns gegeben habt, um russische Stellungen in den von Moskau besetzten Gebieten zu zerstören, Donbass und Krim eingeschlossen“, hatte der ukrainische Präsidentenberater Podoljak am Mittwoch gesagt. „Dies ist ein intensiver Krieg entlang einer Grenze von 1.500 Kilometern. Unsere Aktionen haben bereits begonnen“, ergänzte Podoljak. Im Sinne des Völkerrechts sind Angriffe auf militärische Ziele auf russischem Staatsgebiet legitim. Im russischen Angriffskrieg dient dies der Ukraine zur Selbstverteidigung.
Indes steht die Ukraine unter massivem russischen Raketenbeschuss. Bei einem Raketenangriff auf das Krankenhaus in Dnipro wurden ein Mensch getötet und 15 weitere verletzt, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag im Onlinedienst Telegram erklärte. Auch auf die ukrainische Hauptstadt Kiew hatte es am Freitag erneut Luftangriffe gegeben. „Wieder ein Luftangriff auf Kiew, der 13. in Folge seit Anfang Mai! Und wie immer in der Nacht“, teilte die Verwaltung der Hauptstadt auf Telegram mit. Alle Raketen seien von der Luftabwehr entdeckt und zerstört worden, hieß es. Allein in der Nacht auf Freitag soll Russland laut ukrainischem Generalstab zehn Marschflugkörper sowie 31 Shahed-Drohnen des Typs 131 und 136 auf die Ukraine abgefeuert haben. Insgesamt registrierte das Militär eigenen Angaben zufolge 60 Luftangriffe. (Bettina Menzel)
