- VonKilian Beckschließen
Beim Spiel in Gelsenkirchen wollte sich Autokraten-Sohn Danilo Vučić offenbar prügeln. Seine Kontakte zu den Hooligans von Partizan Belgrad sind lange bekannt.
Gelsenkirchen – Der Tag sollte mit einer serbischen Niederlage auf dem Rasen in der Gelsenkirchener Arena enden. Im Vorfeld des EM-Spiels Serbien gegen England kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Hooligans beider Lager in der Gelsenkirchener Altstadt. Die Bilanz der Polizei waren sieben Ingewahrsamnahmen und eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung. Offenbar mittendrin im Getümmel: Danilo Vučić, der Sohn des serbischen Autokraten Aleksandar Vučić, reiste offenbar erneut mit serbisch-nationalistischen Hooligans zu einem internationalen Turnier. Die Hintergründe sind ein düsterer Mix aus Nationalismus, organisiertem Verbrechen und den autokratischen Verhältnissen in Belgrad.
Aleksandar Vučićs Sohn Danilo pflegt seit Jahren Kontakte zur Partizan-Hooligans
In sozialen Medien kursierte noch am Spieltag ein Video der Auseinandersetzung. Dieses soll, so berichtete es etwa das kroatische Boulevardportal Index, zeigen, wie Danilo Vučić am Rande der Kämpfe von seinen Leibwächtern zurückgehalten wird. Dem 26-Jährigen werden bereits seit Jahren Kontakte in die kriminelle und extremistische Hooligan-Szene des Vereins Partizan Belgrad nachgesagt. Vater und Sohn sind beide bekennende Partizan-Fans. Bereits 2018 reiste Danilo Vučić mit ihnen zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland. Die Vučićs, Vater wie Sohn, stritten eine ideologische oder charakterliche Nähe zu diesem Teil von Danilos Umfeld in der Vergangenheit stets ab.
Rechtsextreme Hooligans mobilisieren zur EM – Faeser will „Gewalttäter früh erkennen und stoppen“
Grundsätzlich gibt es in jedem Teilnehmerland unterschiedlich starke rechtsextreme Hooligan-Gruppen. Eine Recherche des Tagesspiegels zeigte Anfang Juni, wie diese Gruppe ihren Gewaltkult in sozialen Medien pflegen und wie sich bereits für die EM anstachelten. In allen Sicherheitsfragen von Terror bis Hooliganismus laufen die Fäden der Polizeibehörden im „International Police Cooperation Centre“ in Neuss zusammen. Laut Bundesinnenministerium wird dort auch die extremistische Bedrohungslage während der EM beurteilt.
Seit Anfang Juni sind wegen der EM Schengen Binnen-Grenzkontrollen angeordnet. An den deutschen Grenzen seien bisher etwa 900 Personen an der Einreise gehindert worden und gut 170 Haftbefehle vollstreckt worden, berichtete die Bild am Sonntag. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte dem Blatt, man wolle „Gewalttäter früh erkennen und stoppen“.
„Kosovo ist Serbien“-Rufe bei Fanmarsch – Polizei sieht „weitgehend friedlichen“ Verlauf
Die Gelsenkirchener Polizei betonte, die etwa 4000 serbischen Fans seien „weitgehend friedlich“ Richtung Arena gezogen. Videos auf einschlägigen Social-Media-Kanälen zeigen, größere Fangruppen, die „Kosovo ist Serbien“ riefen, ein anderes soll eine brennende albanische Flagge zeigen. Der serbische Nationalismus ist in der Fanszene, wie in der gesamten serbischen Gesellschaft durchaus verbreitet. Vučićs Regierung erhebt Anspruch auf das Territorium der seit 2008 unabhängigen Republik Kosovo.
„Janjicari“-Hooligans von Partizan Belgrad: Vučićs Männer fürs sehr Grobe
Bei der Problemgruppe, in deren Umfeld sich Danilo Vučić bewegte, dürfte es sich um die „Janjicari“ (dt. Janitscharen) von Partisan Belgrad handeln. Von der New York Times abwärts berichteten seit der Festnahme des „Janjicari“-Anführers Veljko Belivuk im März 2021 diverse internationale Medien über die Kontakte der Vučićs zu der Gruppe. Kurz zusammengefasst scheint es, als wären die Partizan-Hooligans Aleksandar Vučićs Männer fürs sehr Grobe, in einem Land, dessen Polizei regelmäßig Oppositionelle ins Krankenhaus prügelt. Die Gruppe soll etwa politische Gegner bedroht und angegriffen, sowie einen kosovarischen Grenzposten niedergebrannt haben.
Angeklagter „Janjicari“-Boss seit 2011 Mitglied der Vučić-Partei SNS – Serbien gegen Slowenien am Donnerstag in München
Belivuk soll im nicht-öffentlichen Teil seiner Gerichtsverhandlung zugegeben haben, dass seine Gang „nach den Bedürfnissen und auf Befehl“ Vučićs gehandelt habe. Belegbar ist, dass die Janjicari 2017 bei Vučićs Präsidial-Amtseinführung den Ordnungsdienst stellten. In den darauf folgenden Jahren ließ Danilo Vučić sich immer wieder mit Führüngskadern der Gruppe ablichten. Belivuk soll seit 2011 Mitglied der de facto Staatspartei SNS sein. Der Präsident distanzierte sich verbal immer wieder von der Gruppe.
Abseits der Politik sollen die „Janjicari“ und Belivuk in das organisierte Verbrechen in Serbien verstrickt sein und ihre Brutalität ist schwer zu begreifen. Belivuk und andere wurden 2022 wegen Mordes, Entführung, Waffenbesitzes und Drogenhandels angeklagt. Der Staatsanwalt beschrieb laut der New York Times im Gerichtssaal eine Szene, in der Belivuk und ein weiterer Mann einen Mann mit einer Axt köpften. Das Verfahren dauert an, Belivuk bestritt zu Prozessbeginn alle Anklagepunkte.
Am Donnerstag (20. Juni) trifft Serbien auf Slowenien. Die Nationalmannschaften der zwei post-jugoslawischen Staaten spielen München gegeneinander. (kb)
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