Kreml äußert sich zur Lage in Grenzregion: Putin sieht „Provokation“ in Kursk
VonMax Nebel
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Kämpfe in Kursk verunsichern Russland. Putin verspricht eine gründliche Prüfung der Lage, Berichte über ukrainische Fortschritte bleiben unbestätigt.
Moskau – Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich am Mittwoch (7. August) zu den ukrainischen Offensiven in der Region Kursk geäußert und diese als „neue große Provokation“ bezeichnet. Laut Ukrajinska Prawda besprach Putin in einem Treffen mit wichtigen Vertretern seines Verteidigungs- und Sicherheitsapparats die aktuelle Situation. Dabei beklagte er den Einsatz verschiedener Waffenarten bei den Attacken, bei denen auch auf zivile Objekte ins Visier genommen seien.
Ukraine attackiert wohl Kursk-Gebiet: Kreml äußert sich zur Lage in Grenzregion
Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtete, dass Putin beabsichtigt, sich auch weiterhin mit Verantwortlichen des Geheimdienstes FSB und seiner Armee zu treffen, um die Lageberichte zu aktualisieren. Währenddessen melden russische Telegram-Kanäle, dass es Kämpfe in den Distrikten Sudscha und Korenevo gebe, wo ukrainische Einheiten – insgesamt soll es sich mittlerweile um rund 1.000 Soldaten handeln – angeblich Fortschritte machten. Momentan seien elf Ortschaften in der Grenzregion unter Kontrolle der ukrainischen Kräfte.
Die russische Seite widersprach hingegen und erklärte, dass Reserven in die Grenzregion verlegt wurden und dass der Vormarsch der Ukraine zunächst gestoppt sei.
Russlands Präsident Wladimir Putin im Krisengespräch nach den grenzübergreifenden Angriffen der Ukraine. Links neben ihm sitzen Alexander Bortnikow (Leiter Inlandsgeheimdienst FSB) und Sergei Schoigu (Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation), rechts befindet sich Verteidigungsminister Andrey Belousov.
Wegen ukrainischem Vorstoß an Grenze: Russisches Außenministerium kritisiert den Westen
Laut der russischen Nachrichtenagentur TASS forderte Putin die regionalen Behörden auf, den Bewohnern der Kursk-Region Hilfe zu leisten. Die russische Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, kritisierte derweil den Westen, der die „Verbrechen“ der ukrainischen Führung ignoriere, und forderte die internationale Gemeinschaft auf, die Angriffe zu verurteilen. Sie beschuldigte die Ukraine, durch ihre „barbarischen Angriffe“ Panik in der Region Kursk säen zu wollen.
US-Thinktank hegt Zweifel an russischem Videomaterial
Unabhängige Bestätigungen für die Berichte, insbesondere über die angeblichen Fortschritte ukrainischer Truppen auf russisches Territorium, stehen noch aus, so das Institute for the Study of War (ISW). Der US-Thinktank macht auch darauf aufmerksam, dass es hinsichtlich von russischer Seite verbreiteter Materialien und Videos, die ukrainische Angriffe auf zivile Ziele bestätigen sollen, noch Bedenken und Zweifel gebe.
Auch in den sozialen Medien weisen oppositionelle Stimmen aus Russland darauf hin, dass die russische Regierung möglicherweise die Lage dramatisiere, um innenpolitisch den Rückhalt für die anhaltenden militärischen Maßnahmen im Ukraine-Krieg zu sichern. Die Situation bleibt angespannt, Putin erklärte, dass er in Kürze weitere Lagebesprechungen durchführen werde. (chnnn)