VonErkan Pehlivanschließen
Immer mehr Menschen fliehen vor einer Offensive Israels aus dem Norden des Gazastreifens. Ganz raus aus dem Krisengebiet dürfen sie immer noch nicht.
Gaza – Nach dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel und dem israelischen Gegenschlag ist für viele Menschen die Lage im Gazastreifen hoffnungslos. Immer mehr Menschen evakuieren den Norden des Gebiets in Richtung Süden. Israel hatte die Bewohner im Norden des Küstenstreifens aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, weil eine Bodenoffensive demnächst beginnen soll.
Den Menschen fehlt es im Gazastreifen laut UN an Essen, Wasser und Medizin. Viele sitzen jetzt im Süden des Gazastreifens fest. Der einzige Weg raus aus dem Krisengebiet ist der Grenzübergang Rafah, der nach Ägypten führt.
Ausländer dürfen Gazastreifen verlassen
Bislang blieb der Grenzübergang aber geschlossen. Unterdessen soll der einzige Grenzübergang aus dem Gazastreifen zum Nachbarland Ägypten einer ägyptischen Sicherheitsquelle zufolge am Montag dennoch für die Ausreise von ausländischen Staatsangehörigen geöffnet werden. Den Angaben zufolge laufen dafür die Vorbereitungen. Auch die Einfuhr von humanitären Hilfslieferungen über den Grenzübergang Rafah könnte demnach ermöglicht werden.
Der Grenzübergang Rafah an der südlichen Grenze des Gazastreifens nach Ägypten soll laut örtlichen Medienberichten am
heutigen Montagmorgen eventuell schon um 9 Uhr Ortszeit geöffnet werden, also um 8 Uhr deutscher Zeit. „Wir gehen davon aus, dass die Situation am Grenzübergang Rafah unbeständig und unvorhersehbar bleiben wird, und es ist unklar, ob oder wie lange Reisende den Grenzübergang passieren dürfen“, reagierte die US-Botschaft in Israel auf entsprechende Medienberichte über die bevorstehende Öffnung.
Palästinenser sollen laut al-Sisi standhaft bleiben und auf ihrem Land bleiben
Palästinenser dürfen den Grenzübergang offenbar nicht benutzen. Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al-Sisi hat die Menschen im Gazastreifen aufgefordert, trotz der massiven israelischen Angriffe in dem Palästinensergebiet auszuharren. Die Bewohner müssten „standhaft bleiben und auf ihrem Land bleiben“, sagte al-Sisi am vergangenen Donnerstag.
Ägypten fühle sich aber verpflichtet, „in dieser schwierigen Zeit“ die Bereitstellung „medizinischer und humanitärer Hilfe“ sicherzustellen und die „legitimen Rechte“ der Palästinenser zu gewährleisten. Auch andere benachbarte arabische Staaten wie Libanon und Jordanien zeigen kein Interesse an der Aufnahme von Palästinensern aus dem Gazastreifen.
Hilfsgüter nach Gaza warten in ägyptischer Grenzregion
Am Grenzübergang zwischen Rafah im Süden des Gazastreifens und Ägypten treffen derzeit Hilfsgüter aus mehreren Ländern ein. Sie werden bislang allerdings noch nicht durchgelassen: Nach Angaben mehrerer ägyptischer Augenzeugen hatten die Hilfskonvois am Montag noch nicht die Stadt al-Arisch verlassen, die sich etwa 40 Kilometer östlich von Rafah befindet.
Der Großangriff der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas am 7. Oktober hat mehr als 1.300 Israelis das Leben gekostet. Weitere Tausende wurden dabei verletzt. Rund 155 Israelis, darunter auch Frauen und Kinder, wurden von ihren Peinigern in den Gazastreifen entführt.
Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg unterdessen auf 2670. Dies teilte das Gesundheitsministerium in Gaza, das auch der Hamas untersteht, am Sonntagabend mit. Rund 9600 weitere Menschen seien verletzt worden. Das waren binnen einer Woche schon mehr Todesopfer als bei dem bislang letzten großen Gaza-Krieg von 2014, der 50 Tage dauerte. (erpe/dpa/AFP/KNA)
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