„Russische Kräfte werden aufgerieben“

Briten-Admiral fällt vernichtendes Urteil über Putins Krieg - und befürchtet „sinnlose und verrückte Angriffe“

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Der russische Angriff auf die Ukraine dauert an. Die Verteidiger stemmen sich weiter gegen die Invasoren. Für den britischen Admiral Sir Tony Radakin ist dies ein vielversprechender Mutmacher.

London/München - Der Vormarsch stockt, die Ukraine bleibt weiter standhaft - aus Sicht von Russlands Präsident Wladimir Putin dürfte der Krieg schon jetzt einem Fiasko gleichen. Statt einer schnellen Übernahme der wichtigsten ukrainischen Städte muss die hochgerüstete und eigentlich überlegene russische Armee um jeden Quadratmeter kämpfen. Mit Bravour stellen sich die Ukrainer bisher gegen die Invasoren, ein erfolgreicher Abschluss der russischen Kriegsbemühungen wird weiter verzögert.

Krieg in der Ukraine: Experte überzeugt - „Russische Kräfte aufgerieben“

Für Experten wie den britischen Admiral Sir Tony Radakin sind diese Entwicklungen Mutmacher, dass der Krieg der russischen Führung auf die Füße fallen könnte. In einem Interview mit der BBC am Sonntag (6. März) äußerte sich der Chef der britischen Verteidigungsverbände durchaus zuversichtlich, eine Übernahme der Ukraine durch die russischen Streitkräfte sei für ihn keine beschlossene Sache: „Wir sehen eine russische Invasion, die nicht nach Plan verläuft.“

„Zudem beobachten wir diesen beeindruckenden Widerstand der Ukraine, sowohl durch ihre bewaffneten Kräfte als auch durch die Zivilbevölkerung“, lobt Radakin, der auch den weltweiten Zusammenhalt und die breitangelegten Sanktionen begrüßt. „Russland leidet, Russland ist eine isolierte Kraft, sie sind schwächer als noch vor zehn Jahren. Einige führende Köpfe der russischen Kräfte wurden vor der ukrainischen Gegenwehr aufgerieben.“

Sir Tony Padakin: Grundlegende Fehler in russischer Kriegsplanung

Der Angriff, den Putin am Morgen des 24. Februar erteilte, sollte durch schnelle und gezielte Vorstöße die Ukraine und seine politische Führung um Präsident Wolodymyr Selenskyj in die Knie zwingen. Stattdessen prallen die Angriffswellen weiterhin ab, Großstädte wie Kiew und Charkiw leiden unter heftigen Beschuss aus der Luft, verbleiben aber weiterhin in ukrainischer Hand. Ein weiterer Grund für das bisherige Scheitern des Überfalls ist laut Sir Padakin auch die Planung des russischen Militärs.

„Wir können grundlegende Fehler beobachten, vor allem in Sachen Instandhaltung und Funktionalität des Equipments. Russland hat seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in so einem Maße operiert - diese Umsetzung ist ungemein komplex und schwierig.“

Krieg in der Ukraine: Nächste Eskalationsstufe befürchtet

Trotz aller Zuversicht für den ukrainischen Widerstand befürchtet der britische Admiral dennoch, dass dem Volk die schlimmsten Kriegstage noch bevorstehen werden. Aufgrund des langsamen Vormarsches und der allgemeinen Verzögerung rechnet er mit einer Eskalation der Kriegshandlungen, vor allem von russischer Seite. „Es wird blutig werden“, befindet Sir Padakin nachdenklich. „Es wird vermutlich darauf hinauslaufen, dass Russland die Gewalt hochschrauben wird.“

Zerstörte Fahrzeuge und hohe Verluste: Russlands Angriff in der Ukraine stockt.

„Wir werden mehr rücksichtslose Bombardements sehen. Wir werden mehr sinnlose und verrückte Angriffe sehen, so wie sie auf die ukrainische Bevölkerung oder Atomkraftwerke ausgeführt wurden“, warnt der Admiral bestimmt, der im selben Atem zum Handeln aufruft: „Die Welt muss an ihrer Entschlossenheit für weiteren Druck gegen Russland festhalten. Es ist Putin, der all dem ein Ende bereiten kann.“ (to)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Efrem Lukatsky

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