„Höre auf, mir zu schreiben“

Zahlreiche Männer flüchten aus Russland - zündet Putin die nächste Eskalationsstufe im Ukraine-Krieg?

  • schließen

Zwölf Tage dauert der blutige Krieg zwischen Russland und der Ukraine nun schon an. Die Angst vor einer weiteren Eskalation des Konflikts treibt nun viele russische Männer ins Ausland.

Moskau/München - Es ist Krieg in Europa. Seit dem Einmarsch russischer Truppen am 24. Februar in die Ukraine ist die Welt eine andere. Dennoch stockt der Vormarsch der hochgerüsteten Armee Russlands, der Widerstand der ukrainischen Soldaten aber auch der einfachen Bevölkerung sorgt weltweit für Bewunderung. Grund dafür ist unter anderem das Kriegsrecht, welches der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wenige Stunden nach dem Angriff verhing: Während Millionen Frauen und Kinder die Flucht vor dem Krieg antraten, müssen wehrfähige Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren ihr Land verteidigen.

Krieg in der Ukraine: Generalmobilmachung als nächste Eskalation?

Es ist eine Entscheidung, die nicht überall für Begeisterung sorgt, letztlich könnte sie aber ein entscheidender Vorteil für die Ukraine sein. Russlands Präsident Wladimir Putin hat auf diese radikale Reaktion bislang verzichtet, doch auch dort wachsen die Bedenken der einfachen Bevölkerung vor einer möglichen Generalmobilmachung. Wie US-Journalistin Julia Ioffe in der vergangenen Woche berichtete, versuchen immer mehr russische Männer ins Ausland zu fliehen, um einem Einzug zu entgehen. Anders als in Deutschland gilt in Russland eine Wehrpflicht für Männer im Alter von 18 bis 28 Jahren (zweijährige Dienstpflicht).

„Wir versuchen das Baltikum zu erreichen, bevor er seine Rede zur Lage der Nation halten wird“, zitierte Ioffe einen Freund am Donnerstag (3. März) auf Twitter. „‘Höre auf, mir zu schreiben. Ich versuche, mein Telefon sauber zu halten. Sie durchsuchen unsere Telefone an der Grenze. Ich werde dir schreiben, sobald ich auf der anderen Seite bin.“

Wladimir Putin: Vormarsch stockt - folgen härtere Maßnahmen?

In seinen jüngsten Reden hatte der 69 Jahre alte russische Präsident auf die Anordnung des Kriegsrechts verzichtet, allerdings scheint ein solcher Schritt weiter denkbar. Das ursprüngliche militärische Vorhaben, mit Hilfe eines schnellen Vormarsches weite Teile der Ukraine zu unterwerfen, ist eindeutig gescheitert, große Städte wie Charkiw und Kiew widersetzen sich auch 12 Tage nach dem Einmarsch den russischen Invasoren.

Das Schlimmste könnte der Ukraine noch bevorstehen, davon zeugen unter anderem die Satellitenbilder des kilometerlangen Militärkonvois vor den Toren der Hauptstadt Kiew. Neben befürchteten Großflächen-Bombardements könnte zu diesen härteren Maßnahmen auch ein Einzug aller wehrfähigen Männer gehören.

Krieg in der Ukraine: Russen stemmen sich gegen Angriff

Gleichzeitig unterstreichen die Fluchtversuche zahlreicher Russen eine bekannte Perspektive: Der Krieg in der Ukraine wird trotz aller staatlichen Propaganda in Russland nicht von allen Menschen mitgetragen. (to)

Rubriklistenbild: © Andrei Gorshkov/dpa

Kommentare