CSU-Politiker äußert sich

Kritik an Bas‘ Renten-Vorstoß: „Strohfeuer“ statt „langfristige Entlastungswirkung“

  • schließen

Bärbel Bas‘ Vorschlag, auch Beamte in die Rentenkasse einzahlen zu lassen, wird kontrovers diskutiert. Vor allem die Union sieht das Vorhaben kritisch.

Berlin – Die deutsche Rente trägt sich schon lange nicht mehr selbst. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass die Anzahl der Beitragszahler kontinuierlich sinkt. Parallel dazu steigt die Zahl der Leistungsempfänger stetig an. Die SPD-Politikerin und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas plädiert für eine Einbeziehung der Beamtenschaft in das gesetzliche Rentensystem. Diese Initiative entfacht eine kontroverse Diskussion innerhalb des Regierungsbündnisses.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Sprecher für Soziales, Peter Aumer, kritisierte Bas für ihren Vorschlag, Beamte in die Rentenkasse einzahlen zu lassen, scharf. Gegenüber dem Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA sagte Aumer: „Wir haben im Koalitionsvertrag das weitere Vorgehen in Sachen Rente klar festgelegt. Ich erwarte von Bundesarbeitsministerin Bas, dass sie die Umsetzung dieser Absprachen jetzt zügig in Angriff nimmt und nicht wieder neue Baustellen aufmacht.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

CSU-Politiker kritisiert Bas‘ Vorstoß scharf: Arbeitsministerin soll sich an Koalitionsvertrag halten

Der bayerische Parlamentarier betonte weiter: „Frau Bas suggeriert mit ihrem Vorschlag, dass durch den Einbezug von Beamten und Selbstständigen die gesetzliche Rente im Eilverfahren gesichert werden kann und Geld im Überfluss zur Verfügung steht. Dies ist nicht der Fall. Bestenfalls handelt es um ein kurzfristiges Strohfeuer, ohne langfristige Entlastungswirkung.“ Aumer plädierte stattdessen zunächst für die Einsetzung der im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Expertenkommission zur Rentenpolitik. An diese Vereinbarung müsse sich auch die Ministerin halten. Alternativ befürwortete er die Umsetzung der von der Union konzipierten Vorschläge einer Aktivrente sowie einer Frühstart-Rente.

Zuvor hatte insbesondere der CDU-Politiker und Kanzleramtsminister Thorsten Frei deutliche Kritik an Bas‘ Renteninitiative geäußert. Zwar sei Dialogbereitschaft grundsätzlich vorhanden, doch handle es sich um „kein tragbares Finanzierungsmodell“, erklärte der Christdemokrat während seines Auftritts in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ am Sonntag. Er begründete seine ablehnende Haltung mit dem Äquivalenzprinzip, wonach jeder Beitragszahler proportional zu seinen Einzahlungen auch Leistungsansprüche erwerbe. Frei wies zudem darauf hin, dass die Koalitionsvereinbarung keine Basis für den Vorstoß der Ministerin biete. „Das ist nicht Common Sense in der Koalition.“

SPD-Politiker unterstützt Bas‘ Vorschlag zur Rentenreform: „Verstehe die Aufregung nicht“

Der ehemalige Leiter des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales äußerte hingegen sein Unverständnis über die heftige Reaktion auf diesen Vorstoß. Im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen betonte Bernd Rützel (SPD): „Ich verstehe die Aufregung um den Vorschlag von Bärbel Bas gar nicht.“ Die Initiative der Ministerin entspreche vollständig den offiziellen Positionen und programmatischen Grundsätzen der Sozialdemokraten. „Wir haben uns angesehen, wie es die Österreicher gemacht haben“, erläuterte der sozialdemokratische Fachmann unter Verweis auf das alpine Nachbarland.

Schon das vorherige Regierungsbündnis aus SPD, Grünen und FDP hatte eine Integration der Selbstständigen ins gesetzliche Rentensystem angestrebt. „Das Gerechte daran ist, dass alle ihren solidarischen Beitrag leisten“, führte Rützel weiter aus. Die Erweiterung des Versichertenkreises um Selbstständige und Staatsdiener würde die finanzielle Grundlage verbreitern und vorerst für stabile Beitragssätze sorgen. Allerdings seien mit der Implementierung eines solchen Systemwechsels auch erhebliche Schwierigkeiten verbunden. „Die Integration ist kein Pappenstiel, es braucht eine lange Übergangsphase.“

Wirtschaftsweisen unterstützen Bas‘ Vorschlag zur Rente

Ebenso bewertet die Ökonomin und Mitglied des Sachverständigenrats Monika Schnitzer den Einbezug des Beamtentums in die Rentenversicherung als „sinnvoll“. Gegenüber den Publikationen der Funke Mediengruppe räumte Schnitzer ein, dass die Beteiligung von Beamten an der Rentenkasse nicht die fundamentale Herausforderung beseitige, wonach zukünftige Altersbezüge durch die Beiträge und Steuern kommender Generationen finanziert werden müssten. Entscheidend sei letztlich das numerische Verhältnis zwischen der arbeitenden und der im Ruhestand befindlichen Bevölkerung. „Und dieses Verhältnis entwickelt sich zunehmend ungünstig.“

Trotzdem befürwortet sie eine Umgestaltung des Beamtenpensionssystems und dessen Integration in ein universelles Altersvorsorgemodell – insbesondere um zu gewährleisten, dass sämtliche Restriktionen, die den gesetzlich Versicherten auferlegt werden oder auferlegt werden sollten, gleichermaßen für Beamte gelten würden. Als konkrete Beispiele führte die Wirtschaftsexpertin die Deckelung der Rentensteigerungen sowie die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters an.

CSU-Politiker Peter Aumer (l.) kritisiert den Vorstoß der Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD).

Bas‘ Vorschlag um die Rente zu reformieren nur „politische Nebelkerze“?

Das Handelsblatt charakterisierte die Initiative als „politische Nebelkerze“: „Die zusätzlichen Beitragszahler bringen dem System keine nachhaltige Stabilität. Schließlich werden auch Staatsdiener, Parlamentarier und Selbstständige künftig Rentenleistungen beziehen – häufig sogar überdurchschnittlich hohe. Die anfängliche Einnahmesteigerung verliert rasch ihre Wirkung, während die langfristigen finanziellen Verpflichtungen zunehmen.“

Ist das österreichische Rentensystem dem deutschen überlegen? Faktisch erhalten Pensionäre in der Alpenrepublik erheblich großzügigere Altersbezüge als deutsche Rentner. Wie die IG Metall schreibt: „Im Durchschnitt betrug die Altersrente 2022 in Österreich 1751 Euro (brutto) monatlich, während deutsche Senioren lediglich 1177 Euro (brutto) erhielten. Diese Zahlen repräsentieren die Durchschnittswerte aller damaligen Leistungsempfänger.“

IG Metall unterstützt Renten-Vorschlag von Arbeitsministerin: „gerechte Zukunft der Rente“

Die Arbeitnehmervertretung spricht sich bereits seit geraumer Zeit für eine Adaption des österreichischen Rentenmodells aus. In einer zusammenfassenden Stellungnahme auf ihrer Website fordert die Gewerkschaft ein „solidarisches“ Alterssicherungssystem: „Eine Rente, die alle Erwerbstätigen solidarisch mitfinanzieren. Und etwas höhere Beiträge, die von Beschäftigten und Arbeitgebern gemeinsam getragen werden. Das wäre eine Formel für bessere Renten. Österreich macht es vor.“

Zum gegenwärtigen Vorstoß der Arbeitsministerin äußert sich Walther Schneeweiß von der IG Metall in einem offiziellen Statement: „Wir unterstützen den Vorschlag der Bundesarbeitsministerin und erwarten möglichst bald ein Konzept zur schrittweisen Realisierung dieser Vorschläge. Auf jeden Fall sollte es in der angekündigten Kommission zur Weiterentwicklung der Alterssicherung diskutiert werden. Wir setzen uns für eine gerechte und finanziell nachhaltige Zukunft der gesetzlichen Rente entschlossen ein.“ (sischr/afp)

Rubriklistenbild: © IMAGO / dts Nachrichtenagentur; IMAGO / dts Nachrichtenagentur Montage: IPPEN.MEDIA

Kommentare