VonPatrick Huljinaschließen
Den einen geht es zu weit, den anderen nicht weit genug. Das Bürgergeld soll ab dem 1. Januar 2023 Hartz IV ablösen.
Bürgergeld statt Hartz IV. Ab dem 1. Januar 2023 sollen dadurch Millionen Menschen mehr Geld und eine bessere Betreuung bekommen. Am Mittwoch (14. September) hat das Bundeskabinett den Weg für die Reform der Ampel-Koalition frei gemacht, Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. „Mit dem Bürgergeld stärken wir den Sozialstaat und bringen Menschen dauerhaft aus der Arbeitslosigkeit“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) anschließend, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schrieb via Twitter: „Das neue Bürgergeld bietet Sicherheit und eröffnet Chancen.“
Bürgergeld statt Hartz IV: Das ändert sich ab Januar 2023
Mit dem Bürgergeld soll der Regelsatz der Grundsicherung für alleinstehende Erwachsene von 449 auf 502 Euro im Monat steigen. Zudem sollen Arbeitssuchende in den Jobcentern künftig weniger Druck ausgesetzt sein. In der „Vertrauenszeit“ – den ersten sechs Monaten – sollen keine Sanktionen verhängt werden können, wenn etwa ein Jobangebot abgelehnt wird. Später können bei wiederholten Pflichtverletzungen und Meldeversäumnissen höchstens 30 Prozent des Regelbedarfs gemindert werden. Zudem sollen die Kosten für die Wohnung in den ersten beiden Jahren künftig auf jeden Fall voll übernommen werden. Ein Vermögen bis zu 60.000 Euro soll man in dieser Zeit ebenfalls behalten dürfen.
Kritik an den Plänen kommt aus verschiedenen Richtungen. Die Union kritisierte laut dpa, dass durch das Bürgergeld „Nichtarbeit deutlich attraktiver“ werde. Der Handwerksverband und Arbeitgeberverbände fürchteten, das Konzept könne für „Demotivation“ bei Angestellten mit geringem Gehalt sorgen. Von Sozialverbänden gab es hingegen die Kritik, die Erhöhung des Bürgergelds sei angesichts der Inflation – trotz der Menschen auf einige Dinge nicht verzichten wollen – und der hohen Energiepreise nicht hoch genug.
Auch in den sozialen Medien entbrannte eine Diskussion. Auf Twitter trendete am Donnerstag und Freitag (15. und 16. September) der Begriff Bürgergeld. Wir haben 9 Tweets und Reaktionen gesammelt, die zeigen, wie wichtig die Änderungen beim Bürgergeld sind.
1. CSU-Generalsekretär Martin Huber nennt das Bürgergeld „ein bedingungsloses Grundeinkommen durch die Hintertür“.
Das #Bürgergeld der 🚦 ist ein bedingungsloses Grundeinkommen durch die Hintertür: Geld für alle, die nicht arbeiten wollen.
— Martin Huber (@MartinHuberCSU) September 15, 2022
Es stellt viele besser als so manche Menschen, die hart für ihr Geld arbeiten. Klar ist: Arbeit muss sich lohnen. Wer arbeitet, muss auch mehr haben!
2. Dieser Twitter-Nutzer widerspricht ihm deutlich und fordert eine Erhöhung der Löhne.
Martin Huber (CSU) meint, dass Bürgergeld würde dazu führen, dass Empfänger*innen mehr Geld hätten als viele Arbeitende. Damit wäre die Motivation zum Job kaputt.
— Sebastian 23 (@mondschaf23) September 15, 2022
1. Kollege, es geht um 502 Euro. Wer weniger Lohn kriegt, braucht ne Lohnerhöhung. Nicht andersrum.
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3. Diese Twitter-Nutzerin widerspricht der Kritik der Union, das Bürgergeld würde Arbeit unattraktiver machen. Sie sieht das Problem ebenfalls in der Bezahlung der Arbeitnehmer:innen.
Wenn sich bei 500 Euro Bürgergeld "Arbeiten eventuell nicht mehr lohne", wie das jetzt die Union propagiert, dann ist nicht das Bürgergeld zu hoch, sondern Arbeit zu schlecht bezahlt.
— Mrs. R (@Rrehtla1) September 14, 2022
4. Dieser Nutzer sieht es ähnlich und kritisiert die Arbeitgeber ebenfalls für ihre Bürgergeld-Sorgen.
Wenn du als Arbeitgeber Angst davor hast, dass deine Mitarbeiter sich eher für das Bürgergeld entscheiden als für die Arbeit bei dir, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Problem bei dir liegt.
— Marc Osigus (@Marc_Osigus) September 15, 2022
5. Jules El-Khatib, Landessprecher der NRW-Linken, sieht in Deutschland größere Probleme als die Erhöhung des Bürgergeldes.
In Deutschland läuft etwas grundsätzlich schief, wenn die Erhöhung von Hartz4 (nun #Buergergeld) für mehr Aufregung sorgt, als die Tatsache das während Corona der Besitzer von Lidl sein Vermögen von 17 auf 47 Milliarden steigern konnte.
— Jules El-Khatib (@ju_khatib) September 15, 2022
6. Diese Twitter-Nutzerin kritisiert in der Bürgergeld-Diskussion ein „Treten nach unten“.
An der jetzigen Diskussion um das neue „Bürgergeld“ kann ich leider wunderbar beobachten, wie leicht das Treten nach unten ist. Als Nicht-Bezieherin des Bürgergeldes rege ich mich viel mehr darüber auf, mit wie viel Geld ich unnötig monatlich die Energiekonzerne subventioniere.
— Inge Hannemann (@IngeHannemann) September 15, 2022
7. Eine Userin findet die Erhöhung des Bürgergelds nicht hoch genug. Das verdeutlicht sie anhand eines Beispiels.
Eva wurde gerade der Strom abgestellt.Sie bekommt #HartzIV und konnte sich den Strom nicht mehr leisten, da sie auch ein Darlehen mit 40 € mtl.beim Sozialamt abstottert. Wir haben heute rund 250 € überwiesen, im Mai auch schon. Mit #Bürgergeld ändert sich für sie genau NICHTS.
— Helena Steinhaus (@SteinhausHelena) September 14, 2022
8. Dieser Twitter-Nutzer hat das Bürgergeld ausgerechnet, das eine vierköpfige Familie bekommen könnte.
Eine 4-köpfige Familie kommt beim #Buergergeld auf ca. 1800,-, mietfrei, Krankenversicherung und Heizkosten werden übernommen, also ca. 2800,-
— Hawkeye 🇩🇪🇮🇱 (@HHawkeye24) September 14, 2022
Da muss man schon ordentlich arbeiten, um netto mehr als 2800,- zu verdienen.@spdde
9. Ein anderer User findet diese Vergleichsrechnungen „dilettantisch“ – und hat einen Rat an die Kritiker.
Die diletantischen Versuche, das Bürgergeld hoch- und Arbeitseinkünfte runterzurechnen, um sich empören zu können, zeigen, wie tief unsere Gesellschaft gesunken ist... Wenn ihr neidisch auf Sozialleistungsempfänger seid, hört auf zu arbeiten und lebt euren neuen Traum, bitte!
— Stephan Klawitter (@Sklawi) September 15, 2022
Die Diskussionen um die Hartz-IV-Reform und das neue Bürgergeld dürften die deutsche Politik in den kommenden Wochen weiterhin beschäftigen. Auch die ZDF-„heute-show“ wird sicherlich etwas dazu zu sagen haben. Wir haben für dich 15 Tweets zu Politiker:innen gesammelt, die von der Heute-Show so richtig verarscht wurden.
Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa, Screenshot/Twitter/@Rrehtla1
