Um 5,5 Prozent gestiegen

Kriminalstatistik „alarmierend“ – Union fordert Maßnahmen bei der Migration

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Straftaten in Deutschland sind laut Kriminalstatistik deutlich gestiegen. Unionspolitiker warnen vor zunehmender Gewaltbereitschaft – gerade bei Geflüchteten.

Berlin – Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Alexander Throm, hat sich besorgt über die gestiegene Kriminalität in Deutschland geäußert. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk nannte er die Zahlen der aktuellen Kriminalstatistik „alarmierend“ und weist in diesem Zusammenhang auf das „deutlich gestiegene Migrationsgeschehen“ hin.

Die Kriminalität in Deutschland hatte im Jahr 2023 um 5.5 Prozent im Vergleich zu 2022 zugenommen. Damit habe die Polizei 5,94 Millionen Delikte verzeichnet, berichtete die Welt am Sonntag unter Berufung auf die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2023. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) will die Statistik am Dienstag (9. April) offiziell vorstellen.

Kriminalstatistik 2023 – Unionssprecher fordert „Kehrtwende in der Migrationspolitik“

Bei der Zuwanderung in Deutschland handele es sich teilweise auch um eine „Armutszuwanderung“, so Throm im Deutschlandfunk. Das führe dazu, dass Diebstahlsdelikte gerade unter Geflüchteten stetig zunehmen würden. Auch Gewalterfahrungen im Herkunftsland seien dafür verantwortlich, dass die „Hemmschwelle für Gewalt“ geringer sei. Aus diesem Grund fordert Throm eine „Kehrtwende in der Migrationspolitik“. Damit meine er „Zuzug begrenzen, Kontrolle erhöhen, Sozialleistungen reduzieren und Aufenthaltsrechte einschränken“, sagte Throm gegenüber dem Tagesspiegel.

In Deutschland werden laut Kriminalstatistik der Polizei wieder mehr Verbrechen begangen. Die Union fordert Konsequenzen von der Regierung. (Symbolbild)

Auch Faeser hatte im November 2023 bei der Herbsttagung des Bundeskriminalamts festgestellt, dass die deutsche Gesellschaft „tatsächlich gewalttätiger geworden“ sei. In der Kriminalstatistik werden das „aktuelle Migrationsgeschehen“, sowie die „umfangreiche Zuwanderung Geflüchteter“ als Gründe genannt, berichtete die Welt am Sonntag. Von 190.605 in der Statistik aufgeführten Tatverdächtigen, seien 79.088 „Nichtdeutsche“ und 25.732 Zuwanderer.

Da gerade unter Jugendlichen Gewalt schneller angewendet werde, fordert Throm mehr Prävention an Schulen und Ausbildungsstätten. Zudem bedürfe es einer „gewissen Konsequenz“, wenn Gewalt angewendet wurde. Um Täter unmittelbar betrafen zu können, sei eine Beschleunigung der Verfahren notwendig, so Throm. Dass dies bislang nicht umgesetzt werde, sei die Schuld der Ampel-Koalition.

„Unkontrollierte Zuwanderung“ – Union und Koalitionspartner fordern Konsequenzen

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann befürchtet ein Sicherheitsrisiko durch die „weiter hohe illegale Migration“. Die Ampel-Regierung fordert er auf, diese „unbequemen Wahrheit“ in den Blick zu nehmen, berichtete die Rheinische Post. Auch Bayerns CSU-Innenminister Joachim Herrmann sagte der Augsburger Allgemeinen, man dürfe sich „nicht damit abfinden, dass sich insbesondere die unkontrollierte Zuwanderung negativ auf die Sicherheitslage auswirkt“.

Bittere Erkenntnis - ein innenpolitischer Rückblick auf das Jahr 2023

Seit Januar: Christine Lambrecht gibt das Verteidigungsministerium auf, ihr folgt Boris Pistorius nach, der die Balance zwischen seinem zögerlichen Kanzler und den von Moskau diktierten Notwendigkeiten des Krieges in der Ukraine besser hält. Im Mai holt sich Pistorius mit Carsten Breuer einen neuen Generalinspekteur. Breuer hatte sich als Manager bei der Ahrflut in der Öffentlichkeit bewährt. Bild: T. SCHWARZ/AFP
Seit Januar: Christine Lambrecht gibt das Verteidigungsministerium auf, ihr folgt Boris Pistorius nach, der die Balance zwischen seinem zögerlichen Kanzler und den von Moskau diktierten Notwendigkeiten des Krieges in der Ukraine besser hält. Im Mai holt sich Pistorius mit Carsten Breuer einen neuen Generalinspekteur. Breuer hatte sich als Manager bei der Ahrflut in der Öffentlichkeit bewährt. Bild: T. SCHWARZ/AFP © AFP
April: Die Maskenpflicht wegen Coronaviren-Gefahr wird auch in Arztpraxen beendet. Damit gilt Deutschland de jure als von der Pandemie befreit. Die Viren schwirren natürlich weiter umher, aber nun gelten sie als ähnlich gesundheitsgefährdend wie Grippeviren. Die Corona-Impfung wird zur weiteren Vorsorgeimpfung. Kennt man ja. Und was geschieht nun im Winter? Corona und Grippe melden sich zurück. rut/Bild: imago images
April: Die Maskenpflicht wegen Coronaviren-Gefahr wird auch in Arztpraxen beendet. Damit gilt Deutschland de jure als von der Pandemie befreit. Die Viren schwirren natürlich weiter umher, aber nun gelten sie als ähnlich gesundheitsgefährdend wie Grippeviren. Die Corona-Impfung wird zur weiteren Vorsorgeimpfung. Kennt man ja. Und was geschieht nun im Winter? Corona und Grippe melden sich zurück. rut/Bild: imago images © IMAGO/Revierfoto
Mai: Auch wenn Jahrhundertkabarettist Matthias Beltz weiterhin Recht behält mit Bremen („Da gewinnt die SPD immer, egal welcher Pfft kandidiert“), ist es für die Partei im Jahr 2023 doch ein Grund zur Freude, dass sie die Bürgerschaftswahl wieder gewinnt. Finden auch der rockige Co-Parteichef und Klampfer Lars Klingbeil und der singende Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Shaker. Rock on! bild: Carmen Jaspersen/AFP
Mai: Auch wenn Jahrhundertkabarettist Matthias Beltz weiterhin Recht behält mit Bremen („Da gewinnt die SPD immer, egal welcher Pfft kandidiert“), ist es für die Partei im Jahr 2023 doch ein Grund zur Freude, dass sie die Bürgerschaftswahl wieder gewinnt. Finden auch der rockige Co-Parteichef und Klampfer Lars Klingbeil und der singende Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Shaker. Rock on! bild: Carmen Jaspersen/AFP © AFP
August: Mit dem Bericht über ein antisemitisches Flugblatt sichert die „Süddeutsche Zeitung“ unbeabsichtigt Hubert Aiwangers Freien Wählern in Bayern den Landtagswahlsieg. Bedröppelt steht nun Markus Söders CSU da, die immer glaubte, sie habe die bayrische Volksseele fest im Griff. Söder bleibt zwar Ministerpräsident, aber Juniorpartner Aiwanger rückt immer näher an die Seniorität. Bild: Tobias SCHWARZ/AFP
August: Mit dem Bericht über ein antisemitisches Flugblatt sichert die „Süddeutsche Zeitung“ unbeabsichtigt Hubert Aiwangers Freien Wählern in Bayern den Landtagswahlsieg. Bedröppelt steht nun Markus Söders CSU da, die immer glaubte, sie habe die bayrische Volksseele fest im Griff. Söder bleibt zwar Ministerpräsident, aber Juniorpartner Aiwanger rückt immer näher an die Seniorität. Bild: Tobias SCHWARZ/AFP © AFP
August: Björn Höcke, der faschistische AfD-Chef in Thüringen – und eigentliche Tonangeber bei den Rechtsaußen – hat es in Aussicht gestellt: Nach 2023 befindet sich Deutschland im „Vorbürgerkrieg“. Das lässt sich als nichts anderes denn als Kampfansage an alles Menschliche und Anständige verstehen. Höcke und seine AfD sind nicht die ersten Rechten der Nachkriegszeit, die mit allen Mitteln die Macht ergreifen wollen. Doch die Chancen von Höckes Gefolgschaft sind erschreckend hoch. Im August veröffentlichte Infratest dimap eine Umfrage, wonach 70 Prozent der Befragten in Deutschland gegen Kooperationen mit der AfD auf lokaler und regionaler Ebene nichts einzuwenden hätten. Und Insa legte nach: 33 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern wären bereit, die AfD zur stärksten Macht im Deutschen Bundestag zu erheben. Bild: Sascha Fromm/Imago Images
August: Björn Höcke, der faschistische AfD-Chef in Thüringen – und eigentliche Tonangeber bei den Rechtsaußen – hat es in Aussicht gestellt: Nach 2023 befindet sich Deutschland im „Vorbürgerkrieg“. Das lässt sich als nichts anderes denn als Kampfansage an alles Menschliche und Anständige verstehen. Höcke und seine AfD sind nicht die ersten Rechten der Nachkriegszeit, die mit allen Mitteln die Macht ergreifen wollen. Doch die Chancen von Höckes Gefolgschaft sind erschreckend hoch. Im August veröffentlichte Infratest dimap eine Umfrage, wonach 70 Prozent der Befragten in Deutschland gegen Kooperationen mit der AfD auf lokaler und regionaler Ebene nichts einzuwenden hätten. Und Insa legte nach: 33 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern wären bereit, die AfD zur stärksten Macht im Deutschen Bundestag zu erheben. Bild: Sascha Fromm/Imago Images © IMAGO/Funke Foto Services
Oktober: Sahra Wagenknecht beweist mit der langwierigen Trennung von ihrer alten Partei, dass nicht nur Männer die Stimmung im Land herunterziehen können. Ob die BSW-Neugründung einer linken oder linkspopulistischen oder radikal linken Partei eine Zukunft hat, muss sich noch weisen. Immerhin hat sie der Linkspartei nun ein historisch vernehmbares Aufatmen ermöglicht. Bild: imago images
Oktober: Sahra Wagenknecht beweist mit der langwierigen Trennung von ihrer alten Partei, dass nicht nur Männer die Stimmung im Land herunterziehen können. Ob die BSW-Neugründung einer linken oder linkspopulistischen oder radikal linken Partei eine Zukunft hat, muss sich noch weisen. Immerhin hat sie der Linkspartei nun ein historisch vernehmbares Aufatmen ermöglicht. Bild: imago images © IMAGO/Emmanuele Contini
Seit Oktober: Die Massaker der Hamas im Süden Israels rufen in Deutschland Schock, Trauer und eine Welle der Solidarität hervor. Sie treiben aber auch Antisemitinnen und Antisemiten aus allen politischen Lagern aus ihren Löchern. Der harte Gegenschlag der Israelis im Gazastreifen befeuert die deutsche Debatte und lässt die Fronten nur noch mehr verhärten. Bild: Carsten Koall/dpa
Seit Oktober: Die Massaker der Hamas im Süden Israels rufen in Deutschland Schock, Trauer und eine Welle der Solidarität hervor. Sie treiben aber auch Antisemitinnen und Antisemiten aus allen politischen Lagern aus ihren Löchern. Der harte Gegenschlag der Israelis im Gazastreifen befeuert die deutsche Debatte und lässt die Fronten nur noch mehr verhärten. Bild: Carsten Koall/dpa © dpa
Christian Lindner, Robert Habeck und Olaf Scholz im Bundestag.
Seit November: Das Bundesverfassungsgericht kippt alle Reformpläne der Ampel-Koalition , weil deren Finanzierung nicht verfassungskonform ist. Nun ist auf der Regierungsbank guter Rat plötzlich sehr teuer – © AFP

Kritik an dem Umgang mit der aktuellen Migration kommt aber nicht nur aus der Opposition. Auch FDP-Vize Wolfgang Kubicki hält den hohen Anteil von Nichtdeutschen bei der Gewaltkriminalität für „extrem alarmierend“. Der Anstieg müsse ein Anreiz dafür sein, dass die Regierung „wieder Kontrolle über die Zuwanderung“ erhält, zitiert die Zeit den FDP-Vize.

Migrationsforscher sieht keinen „direkten Zusammenhang“ zwischen Kriminalität und Migration

Migrationsforscher Philip Schäfer sagte dem Tagesspiegel, dass die gestiegene Kriminalität unter Geflüchteten eine Vielzahl an Gründen habe. Die Unterbringung in Deutschland, vorherige Gewalterfahrungen, Perspektivlosigkeit und Armut seien die größten „Risikofaktoren für straffälliges Verhalten“. Deswegen lasse sich ein „direkter Zusammenhang“ zwischen Migration und Kriminalität nicht bestätigen.

Faeser sprach sich bereits im März gegenüber der Rheinischen Post für ein härteres Vorgehen gegen Gewalttäter aus und nahm dabei vor allem nichtdeutsche Täter ins Visier. „Mir ist wichtig, dass der Rechtsstaat hart gegen Gewalt durchgreift. Täter müssen die Konsequenzen spüren“, so Faeser. Neben härteren strafrechtlichen Konsequenzen und schnelleren Abschiebungen wolle sie aber auch die Ursachen bekämpfen. „Wir müssen bei den sozialen Ursachen ansetzen, die sich hinter Kriminalität und Gewalt verbergen“, so Faeser. Dabei solle vor allem eine gute Sozial- und Bildungspolitik helfen. (nhi)

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/picture alliance/dpa

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