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Die Diskussionskultur passt ihm nicht: Kevin Kühnert hat sein Profil bei Twitter gelöscht. Er ist nicht der erste Politiker, der den sozialen Netzwerken Lebewohl sagt.
Berlin – 370.000 Follower, null Nutzen: Mit einer deutlichen Kritik hat sich Kevin Kühnert (SPD) von Twitter verabschiedet. Der Generalsekretär deaktivierte seinen Account und begründete den Schritt damit, die Nase von Hatespeech und hämischen Kommentaren voll zu haben. Die Diskussionskultur auf dem sozialen Netzwerk repräsentiere nicht die Gesellschaft und führe zu „Irrtümern und Fehlschüssen“, sagte Kühnert dem RedaktionsNetzwerk Deutschlands (RND). Für seine politische Arbeit sei das soziale Netzwerk nicht das richtige Medium. Vor Kühnert ereilte bereits andere Spitzenpolitiker diese Erkenntnis.
Kevin Kühnert: SPD-Generalsekretär löscht nach Streit um Ukraine-Politik sein Profil bei Twitter
Bereits am Montag, dem 12. September, war das Profil von Kevin Kühnert bei Twitter gelöscht worden. Der 33-Jährige, der seit Dezember 2021 Generalsekretär der SPD ist und der vielen in der Partei als junger, aufstrebender, internetaffiner Politiker gilt, reagierte mit der Deaktivierung des Accounts auf eine jüngste Debatte auf seinem Profil. Nachdem er ein Interview zur Frage nach Waffenlieferungen an die Ukraine gegeben hatte, wurde er bei Twitter für seine Position angefeindet. Dabei seien Aussagen verzerrt, entfremdet und verkürzt worden. „Das war mir einfach zu blöde“, sagte Kühnert nun, der auch schon mal von der FDP als „nicht die hellste Kerze“ beleidigt worden ist.
Profil gelöscht: Kevin Kühnert verzichtet auf Twitter – die Bild-Zeitung reagiert mit Häme
Die Bild-Zeitung reagierte umgehend auf Kühnerts Vorgehen und stichelte gegen den Generalsekretär. So veröffentlichte das Blatt verschiedene Tweets des Bundestagsabgeordneten zur Lage im Ukraine-Krieg, bei denen der Sozialdemokrat offensichtlich eine Fehleinschätzung abgegeben hatte. Ein leises Nachtreten, denn das Verhältnis zwischen dem Politiker und den Boulevardjournalisten ist nicht das beste. So hatte Kühnert vor einem Jahr in dem Buch „Ohne Rücksicht auf Verluste: Wie Bild mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet“ über die Praktiken der Zeitung im Umgang mit den Politikern ausgepackt.
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Doch trotz aller Scharmützel: Einen vollständigen Rückzug aus den sozialen Medien plant Kühnert, der für die Erhöhung von Hartz-IV-Regelsätzen kämpft, aber nicht. Seinen Account bei Instagram, wo er im Moment 93.000 Follower hat, will er behalten. Außerdem hielt er sich eine Hintertür für eine Rückkehr offen. Die Entscheidung, das Profil zu löschen, müsse nicht unbedingt dauerhaft sein, gestand er seinem Parteichef Lars Klingbeil bei einer Podiumsdiskussion am Montagabend, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.
Kühnert ohne Twitter: Auch Robert Habeck kommt ohne Facebook aus
Vor Kühnert zogen auch schon andere Spitzenvertreter aus der Politik bei Twitter den Stecker. Prominentes Beispiel: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Nach einer heftigen Kontroverse über ein Video, das Aussagen von ihm zum bayerischen Landtagswahlkampf verbreitet hatte, zog sich der Grüne entnervt von Twitter und Facebook zurück.
„Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium, so aggressiv und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze“, teilte Habeck damals in einer Erklärung mit. „Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen.“ Dagegen könne man sich kaum wehren, bilanzierte der Minister – und löschte seine Accounts.
Rubriklistenbild: © Sven Braun/dpa

