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Kurt Krömer teilt Insides über das Leben als Schauspieler – „wie eine Sekte“

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Die Schauspielerei als Beruf geht an die Substanz, da sind sich der Komiker und Charly Hübner einig. Trotzdem schwärmen sie von ihren Erfahrungen auf den Bühnen Berlins.

Während Kurt Krömer Anfang der 2000er-Jahre als Comedian und Moderator im deutschen Fernsehen zu sehen war, trat er auch als Schauspieler an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz und an der Volksbühne Berlin auf. In der aktuellen Folge des Podcast „Feelings“, für den Host Kurt Krömer Anfang Juli den Podcastpreis gewann, geht es um unter anderem um diesen Abschnitt seines Lebens, Berlin und die Hass-Liebe zum Theater.

Zusammen mit seinem Gast, Schauspieler, Sprecher und Regisseur Charly Hübner, versetzt sich Krömer gedanklich zurück in diese Zeit, als sein Geburtsort Neukölln noch arm war, die Wohnungen bezahlbar und Theater-Kolleg:innen vermutlich 20 Weizenbiere als Tagesration bunkerten.

„Kurt Krömer - Feelings“ gewinnt in der Kategorie „Bester Newcomer“ 2023 beim Deutschen Podcast Preis. Krömer war bei der Verleihung im Prince Charles nicht persönlich anwesend.

Krömer über seine Anfänge als Schauspieler

Bei Hübners Blick in die Vergangenheit fällt im Podcast das Stichwort „Schaubühne bei Ostermeier“ und Krömer steigt sofort ein: „Ah, da hab ich auch schon gespielt.“ „Ja, das war geil. Und früher war Berlin sehr schön, es war noch nicht alles zugebaut“, sagt Hübner. „Es war viel los. Jeden Tag besoffen, jeden Tag Party“, schwärmt Krömer von seinen Erfahrungen zwischen Anfang zwanzig und dreißig. Die ersten Schritte als Schauspieler seien eine tolle Zeit gewesen, haben aber seine Sicht auf dieses Metier sehr verändert, erzählt er.

„Vor der Schaubühne dachte ich: Schauspieler, geht mal arbeiten, macht mal was Anständiges. Firlefanz hier, habt ihr Rosinen im Kopf, ihr Idioten. Ich hatte ja nur eine Premiere, die wir drei Monate lang geprobt haben und Kollegen von mir hatten ja vier, fünf Premieren pro Jahr. Da dachte ich mir, Alter, wie machst du das? Alle 20 Jahre mal ein Stück, okay. Aber da so fest angestellt, also ich habe richtig Respekt vor Schauspielern, Hut ab.“

KünstlernameKurt Krömer
Bürgerlicher NameAlexander Bojcan
Geburtsdatum20. November 1974
BerufKomiker, Schauspieler und Autor
Aktuelle ShowsPodcast Feelings, Last One Laughing (LOL)
WohnortBerlin Kreuzberg
Größe1,94 Meter
GeburtsortBerlin Neukölln

„Ihr Arschgeigen-Kritiker, was soll das“, fragt Krömer

„Ja, das ist Hochleistungssport eigentlich“, findet auch Hübner. Krömer geht aber noch einen Schritt weiter: „Und eigentlich auch wie eine Sekte. Du bist ja nur noch in diesem Theater-Ding. Ich wusste auch gar nicht mehr, was politisch abgeht. Alle Beziehungen sind in den Arsch gegangen irgendwie, jede Woche kam da einer an: ‚Ja, Beziehung ist im Arsch‘, weil Probe war halt immer Sonntag elf Uhr. Das war krass.“ Der Ansicht ist auch Hübner: „Ja, es ist absolut nicht familienfreundlich. In der Zeit, wo ich nur Theater gespielt habe, habe ich auch nichts auf die Reihe gekriegt.“

Dass es Schauspieler:innen nicht leicht haben, sowohl auf den Bühnen, als auch vor den Kameras, bestätigen ebenso andere Branchen-Insider. So werden übergewichtige Schauspieler:innen entweder zum Abnehmen gedrängt oder nur für „lustige“ Rollen gecastet. Auch die Darsteller:innen der TV-Serie „Skins“ berichteten von „beschissenen“ Erfahrungen am Set.

Doch vor allem die Theater-Premieren empfand Krömer als Belastung, die Stimmung sei „eigentlich immer scheiße“, denn nicht nur hinter den Kulissen sei der Ton rau, die ersten vier Reihen vor der Bühne seien von Kritiker:innen besetzt. „Da ist so ein Druck dahinter. Und ich denke mir immer: Ihr Arschgeigen-Kritiker, was soll das? Das hat ja keine Leichtigkeit.“

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Mit diesem Kompliment von Kai Pflaume kann Kurt Krömer in der „Feelings“-Folge nicht viel anfangen.

Trotzdem will Krömer irgendwann nochmal Theater spielen: „Hauptmann von Köpenick, das würde ich gerne machen. Und dann bin ich, glaube ich, so größenwahnsinnig, dass ich denke, ich will dann auch selber inszenieren“. Hübner gefällt diese Idee: „Ja, dann mach das doch!“

Kurt Krömer: Die „ganze Scheiße“ komme bei diesem Gespräch hoch

Schauspieler:innen konsumieren angeblich viel Alkohol, auch darin stimmen der Podcast-Host und Gast Hübner überein. Krömer erzählt eine Anekdote aus der Mensa der Volksbühne Berlin, um das zu verdeutlichen: „Da war so ein Kühlschrank. Da wollte ich mir ein Weizenbier herausholen und der Wirt schreit: ‚Weg da, fass‘ das nicht an, das ist das Spengler-Fach‘. Da waren immer so 20 Weizenbiere drin und das war alles für Spengler. Ich nehme mal an, das war die Tagesration“, witzelt Krömer über den angeblichen Alkoholkonsum des Schauspielers Volker Spengler.

Ob die Ration für vor oder nach der Vorstellung gedacht war, grübelt Hübner noch im Scherz, als Krömer fragt, was es wohl mit dem „Alkoholexzess“ beim Theater auf sich habe. Hübner hat darauf keine Antwort und sagt: „Also ich habe das einfach übernommen. Ich bin als Abiturient in Neustrelitz ans Theater und dann haben sich die Schauspieler ein Bier geholt und die Regieassistenten und Assistentinnen auch ich dann auch.“

Auch in der Schauspielschule habe es um die Mittagszeit, nach dem Akrobatikunterricht, schon Bier gegeben. Krömer bestätigt das: Morgens aufstehen und erstmal ein Dosenbier, „in das man abends noch reingeascht hat“ oder mittags einen Gin Tonic trinken, die Logik dahinter „das ist so ein Künstlerding“, habe ihm große Probleme bereitet, gesteht Krömer. Die „ganze Scheiße“ komme bei diesem Gespräch hoch. Über die vergangene Alkoholsucht spricht Krömer auch in seinem kürzlich veröffentlichten Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“, das zum Bestseller wurde.

Unter den Sachbuch-Bestseller-Titeln mit Hardcover belegt sein Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ von Kurt Krömer den ersten Platz.

Dennoch: Beide beenden ihren gedanklichen Abstecher auf die Berliner Bühnenbretter mit einer Hommage: „Ich liebe Theater“, sagt Krömer. Hübner stimmt zu: „Ja, ich auch. Es ist ganz toll.“

In seinem Podcast „Feelings“, der jeden Donnerstag erscheint, spricht der Komiker Kurt Krömer mit seinen prominenten Gästen über Gefühle – klar – die Medienbranche und alles, was dazugehört. Der Clue: Er weiß vorher nie, wer ihn im Studio erwartet. Das kann Enissa Amani, Jan Delay oder Barbara Schöneberger sein.

Rubriklistenbild: © POP-EYE / Hanno Bode/ IMAGO / Bearbeitung: BuzzFeed Germany

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