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Heute wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Die Spitzenkandidaten der großen Parteien bei der NRW-Wahl im Überblick.
Düsseldorf - Am Sonntag, dem 15. Mai 2022, geht die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen über die Bühne. Nach fünf Jahren endet die Legislaturperiode der CDU-geführten Regierung unter Ministerpräsident Hendrik Wüst, der im vergangenen Oktober den eigentlich gewählten Ministerpräsidenten Armin Laschet ablöste. Wahlberechtigt bei Landtagswahlen sind grundsätzlich alle deutsche Staatsbürger, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben, mindestens seit dem 16. Tag vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen wohnen oder sich sonst gewöhnlich aufhalten und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind.
Auch die 18. NRW-Wahl ist eine sogenannte Verhältniswahl. Das bedeutet: Bürger können mit ihrer Stimme die Abgeordneten des Landtages wählen, und die Summe der abgegebenen Stimmen entscheidet über die Zahl der Sitze der teilnehmenden Parteien. Wählerinnen und Wähler haben dabei genau eine Stimme. Damit wählen sie die Wahllisten einer Partei: die Landesliste und die Wahlkreisliste. Auf diesen Wahlkreislisten stehen die Kandidaten der Parteien in den insgesamt 128 Wahlkreisen.
Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2022 – die Ausgangslage
Seit der letzten Landtagswahl regiert Nordrhein-Westfalen eine Koalition aus CDU und FDP. Bis zum Oktober 2021 war Armin Laschet (CDU) Ministerpräsident in NRW, er wurde nach der Bundestagswahl von Hendrik Wüst abgelöst. Aktuellen Umfragen zufolge sitzt ihm die SPD mit Spitzenkandidat Thomas Kutschaty im Nacken. Glaubt man den Umfrageergebnissen, dann könnte die SPD gemeinsam mit den Ampelparteien (Grüne und FDP) eine Koalition nach dem Bundesvorbild bilden.
Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen – die wichtigsten Spitzenkandidaten im Überblick
Hendrik Wüst (CDU)
Hendrik Wüst ist seit Oktober 2021 Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. Er folgte nach der verkorksten Bundestagswahl auf den eigentlichen Ministerpräsidenten Armin Laschet, der sich vorerst aus dem Scheinwerferlicht der Politik zurückzog. Zuvor fungierte er von 2017 bis 2021 als Landesverkehrsminister. Dem Landtag in Nordrhein-Westfalen gehört der 46 Jahre alte Wüst seit dem Jahr 2005 an. Hinter Wüst folgen auf der Landesliste Ina Scharrenbach (amtierende Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung) und Fraktionschef Bodo Löttgen. Auf Listenplatz Vier folgt direkt das nächste Schwergewicht der NRW-CDU: Herbert Reul, aktueller Innenminister des bevölkerungsreichsten Bundeslands, hofft ebenfalls auf eine erfolgreiche Wahl. Die gestiegenen Spritpreise sieht auch der 46-Jährige kritisch: „MwSt & Energiesteuer runter bei Benzin & Diesel“, twitterte Wüst: „Die Bundesregierung muss ihre Verweigerungshaltung aufgeben. Der Staat darf sich nicht an der Preisexplosion bereichern.“ Weitere Themen im Wahlkampf sind der Umweltschutz, der Schutz der Familie, die weitere Stärkung der Wirtschaft im Land und die Digitalisierung.
Thomas Kutschaty (SPD)
Auf einem digitalen Landesparteitag stellten sich 96,8 Prozent der Delegierten hinter der gebürtigen Essener und früheren Justizminister unter Hannelore Kraft. Thomas Kutschaty soll das SPD-Stammland zurückerobern und zeigte sich schon im Februar kämpferisch: „Die Bilanz der Landesregierung kann in wenigen Worten zusammengefasst werden: Was sinken sollte, steigt, und was wachsen müsste, schrumpft.“ Das Zeil ist klar und denkbar einfach: „Ich bin bereit Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, auch schwere. Ich will deshalb Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden.“ Vor allem die Schul- und Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen liegt Kutschaty am Herzen: Auf dem digitalen Parteitag erklärt er sie zur „Chefsache“.
Joachim Stamp (FDP)
Der Koalitionspartner der CDU schickt mit dem 51-Jährigen ein Mitglied der aktuellen Landesregierung ins Rennen. Stamp fungiert im Kabinett von Hendrik Wüst als Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration und vertritt seine Partei gleichzeitig als stellvertretender Ministerpräsident. Die Liberalen streben eine Fortsetzung der schwarz-gelben Regierungskoalition an und setzen im Wahlkampf vor allem auf die Ausdehnung beitragsfreier Kitajahre für Familien und Kinder. Weitere Themenpunkte sind mehr Bildungsgerechtigkeit und Talentförderung an den Schulen im Land, mit innovativem Bauen soll zudem bezahlbarer Wohntraum geschaffen werden. Auch die Digitalisierung, eines der zentralen Themen im Programm der FDP, soll in Nordrhein-Westfalen weiter beschleunigt werden, gerade im Bereich der Verwaltung. Stamp selbst strebt „ein gutes zweistelliges Ergebnis“ an.
Markus Wagner (AfD)
Im vergangenen Oktober bestimmte die nordrhein-westfälische AfD ihren Fraktionschef im Landtag zum Spitzenkandidaten für den anstehenden Wahlkampf. Der 57-Jährige möchte seine Fraktion weiterentwickeln und gab vor seiner Aufstellung sogar zu verstehen, sich eine Regierungsbeteiligung an der Seite der CDU vorstellen zu können. Die AfD verstehe sich als Partei der Freiheit, so Wagner weiter. Auf Platz zwei der Liste wurde Wagners Stellvertreter in der Landtagsfraktion, Martin Vincentz, gewählt. Die Aussichten der AfD sehen durchwachsen aus: Bei der Bundestagswahl im vergangenen September kam die Partei in Nordrhein-Westfalen nur knapp auf 7 Prozent, bei der letzten Landtagswahl hatte man noch 7,4 Prozent verbuchen können.
Mona Neubaur (Bündnis 90/Grüne)
Ähnlich wie die AfD entschieden sich auch die Grünen frühzeitig für ihre Spitzenkandidatin: Mona Neubaur will den Regierungsparteien im Mai kräftig einheizen. „Es ist mir eine große Ehre, diese Verantwortung übernehmen zu dürfen“, erklärte sie im vergangenen Oktober. Sie gehe die Aufgabe, das historisch beste Wahlergebnis für die Grünen zu erreichen „mit Demut, aber auch der absoluten Entschiedenheit und dem unbedingten Kampfeswillen“ an. Seit sieben Jahren steht die gebürtige Bayerin an der Spitze der Partei, die auch im „Land der Kohle“ mit ihren Kernthemen überzeugen will: „Das wird es auch weiter bleiben - aber angetrieben von Erneuerbaren Energien und sauberen Technologien.“ Diese Transformation will sie aktiv mitgestalten, zum Wohl der Bürger und der Umwelt. „Die Aufgabe von Politik ist es, die Herausforderungen mutig anzupacken.“
Carolin Butterwegge/Jules El-Khatib (Die Linke)
Als einzige Partei gehen die Linken mit einer Doppelspitze in den nordrhein-westfälischen Wahlkampf. Bei einer online durchgeführten Versammlung stimmten 67,4 Prozent der Delegierten für die Soziologin Butterwegge, Co-Parteichef El-Khatib kam auf 80,2 Prozent. Der Name Butterwege ist kein unbekannter in der Partei: 2017 kandidierte Carolins Ehemann, Armutsforscher Christoph Butterwegge, für das Amt des Bundespräsidenten. Im Düsseldorfer Landtag sind die Linken aktuell nicht vertreten, mit 4,9 Prozent wurde der Einzug 2017 knapp verpasst. Auch in diesem Jahr dürfte es mit dem Einzug schwierig werden, laut aktuellsten Umfragen steht die Partei derzeit nur bei vier Prozentpunkten.
NRW-Wahl 2022 bei Merkur.de
Alle wichtigen Infos rund um die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gibt es bei Merkur.de im News-Ticker. Dort erhalten Sie am Wahltag auch einen Überblick aller Ergebnisse sowie der aktuellen Umfragen. Weiter gibt es dort alles Wissenswerte über die Briefwahl, Wahlbenachrichtigung und den Stimmzettel. Falls Sie bei Ihrer Wahl-Entscheidung noch etwas Hilfe benötigen, können Sie auch den Wahl-O-Mat nutzen.
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