VonSandra Katheschließen
Lauterbach ist besorgt über einen Mangel an Medizinern und Pflegepersonal im Osten Deutschlands. Der Aufstieg der AfD stelle ein weiteres Hindernis dar.
Berlin – Vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland warnen Politikerinnen und Politiker der etablierten Parteien vor der Politik der Rechtspopulisten. Die AfD kann bei den Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg auf Rekordergebnisse hoffen, was wohl unter anderem an ihren Positionen zu Immigration und Asylpolitik liegt.
Dass das Folgen haben könnte, zeigt sich in vielen Bereichen – besonders deutlich überall da, wo Personal gebraucht wird, das zunehmend aus dem Ausland kommen muss. So berichtete das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in dieser Woche über die Bedenken von Wirtschaftsbossen, die durch das Erstarken der AfD etwa ein Fernbleiben ausländischer Fachkräfte befürchten. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt jetzt, dass das über die Wirtschaft hinaus auch im Gesundheitssektor gelten könnte.
Lauterbach warnt auf X vor Ärztemangel – und weist auf AfD-Problem in Ostdeutschland hin
Der 61-Jährige meldete sich dazu auf dem Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter). Lauterbach teilte dort einen Artikel des Spiegel über die IW-Befragung und kommentierte, dass sich im Osten „auch noch eine ganz andere Not beim Mangel an Ärzten und Pflegekräften“ ergeben werde. Hintergrund sei der Mangel an Medizinstudienplätzen in Deutschland, der es vermehrt notwendig mache, Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland anzuwerben. Doch die, so Lauterbach, „bedanken sich“, wenn es um AfD-Hochburgen geht.
Einen Überblick über die aktuelle Versorgungssituation sowie eine drohende Knappheit gab im Frühjahr etwa das Nachrichtenportal T-Online. Das veröffentlichte eine Analyse auf der Basis von Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, und integrierte dazu interaktives Kartenmaterial. Das zeigte zwar, dass Stand 2022 die meisten Landkreise mit besonders wenigen Ärzten pro 10.000 Einwohner im Westen lagen – besonders in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Die Zukunftsaussichten seien jedoch auch im Osten düster.
Medizin-Ausbildung: Bundesländer in Ostdeutschland wollen Regeln ändern
Das liegt auch am demografischen Wandel, der für die nächsten Jahre zu erwarten ist: Eine deutlich höhere Anzahl an älteren Patienten, Ärztinnen und Ärzte werden in den Ruhestand gehen. Zu einem Ärztemangel führt aber auch die Tatsache, dass nach den Angaben von Gesundheitsminister Lauterbach 50.000 Ärztinnen und Ärzte in den letzten zehn Jahren „nicht ausgebildet“ worden seien.
Wo nun Fachkräfte in der Medizin fehlen, müssten Menschen aus dem Ausland helfen, und die könnten aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen wohl wirklich eher Richtung Westdeutschland blicken, wo die AfD-Zustimmung deutlich niedriger ist.
Lauterbach zeigte sich auch besorgt über den wachsenden Eigenanteil bei der Pflege. Bis zu 4000 Euro Eigenanteil seien in Zukunft zu erwarten, und dies sei eindeutig zu viel.
Ministerpräsidenten in Ostdeutschland fordern Quote gegen Ärztemngel
Eine mögliche Lösung für das Problem forderten laut Mdr kürzlich auch die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer, die eine „Landeskinder“-Quote für Medizinstudiengänge an ihren Universitäten forderten. Diese solle dafür zu sorgen, dass junge Menschen, die dort ausgebildet werden, auch nach der Ausbildung in der Region verbleiben. Ob ein solcher Vorstoß mit der Verfassung vereinbar sei, sei jedoch fraglich.
Denn Medizinstudienplätze hängen nicht nur an strengen Vorgaben, was Notenschnitt und Eignung angeht, sondern liegen seit langem bei der zentralen Studienplatzvergabe, die über die Zuteilung an die verschiedenen Universitäten entscheidet. Dafür die Regeln zu ändern, sei ein schwieriges Unterfangen. (saka)
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