Prekäre Lage

Lehrkräfte sorgen mit Methode bei ihrer Kündigung auf TikTok für Aufsehen

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Lehrer:innen sprechen auf TikTok über Lösungen für den Lehrermangel.
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Auf TikTok tauschen sich Lehrer:innen über ihre aktuelle Situation aus. Teilweise ziehen sie jetzt drastische Konsequenzen.

Unter dem Hashtag #teachersofitiktok tauschen sich Lehrer:innen über ihre aktuelle Situation auf TikTok aus. Der TikToker @herrschmelzer drückt zum Beispiel sein Unverständnis über die Pläne aus, wie man mit dem Lehrermangel umgehen will: „Teilzeit verbieten, Arbeitszeit erhöhen, alle abschrecken“.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission, ein Beratergremium der Kultusministerkonferenz, schlug im Januar vor, die Möglichkeiten für Teilzeit zu begrenzen. Verbände raten jedoch davon ab. „Eine Politik, die diesen Weg zu gehen versucht, verschlimmert die Lage“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.

@herrschmelzer schlägt vor, den Lehrerberuf besser zu bezahlen, beim Studium und Referendariat nachzubessern, sowie Klassen- und Arbeitszeit zu reduzieren.

@herrschmelzer No Joke, ab jetzt rede ich Schülern den Berufswunsch Lehrer vielleicht besser aus. #herrschmelzer #teachersoftiktok #tiktokteacher #lehrer #lehramt #unterrichten #schule #referendariat #lehrermangel ♬ Pass or Smash - 💜The Simple Touches💜

@herrschmelzer gehört zu den Lehrer:innen, die über die Sommerferien arbeitslos sind, weil sie keinen festen Vertrag bekommen. Wie kann das sein, wenn so viele Lehrkräfte fehlen? Laut @herrschmelzer liegt das daran, dass für spezifische Fächer gar keine Lehrer:innen fehlen würden.

Die Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger schlug Prämien für Lehrkräfte vor, um gegen den Lehrermangel vorzugehen. Die TikTokerin und Lehrerin @mrs.kaay mahnt das Bildungsministerium, dass sie die Ursache für den Lehrermangel lieber bei sich selbst suchen sollte:

@mrs.kaaay Mehr als 12.000 Lehrkräfte fehlen momentan in Deutschland - Zahl steigend - ohne Aussicht auf Besserung. #lehrkräftemangel #bildungsministerium #kultusministerium #kultusministerkonferenz #schulsystemdeutschland ♬ am i the problem - MOSHPIT JONES

Der Lehrermangel betrifft auch die Schüler:innen. An einer Schule in Niedersachsen ist bereits eine Vier-Tage-Woche im Gespräch.

#teacherquittok: Lehrer:innen erzählen von ihrer Kündigung

In den USA hat die Unzufriedenheit der Lehrer:innen andere Konsequenzen. Unter #teacherquittok erzählen viele Lehrer:innen, dass sie gekündigt haben. „Ich bin halb gestorben bei dem Job“, sagt etwa @annamsutter. Der Grund für die Kündigungen sind vielseitig: schlechte Arbeitsbedingungen, zu viel Druck oder Überforderung, sowie Ärger mit Schüler:innen oder Eltern.

@annamsutter Let me know if you wanna know more! #quittok #greatresignation #teacherquittok ♬ original sound - Anna Sutter

Die TikTokerin und ehemalige Lehrerin @millennialmsfrizz zeigt in einem Video, dass sie nicht bereut, ihren Job gekündigt zu haben. Sie arbeite jetzt bei der amerikanischen Großhandelskette Costco. „Ich vermisse es nicht, eine Winterpause zu haben“, schreibt sie. In Deutschland zeigt sich trotz Lehrermangel und folglich hoher Belastung von Lehrer:innen keine solche Kündigungswelle.

@millennialmsfrizz I used to be a teacher and now I work at Costco. This is my first year not having a winter break. I do not miss it at all. My pace of my work life now is so much better, I am not sick or exhausted like I used to be when I was a teacher. When I was a teacher I used my winter break basically to recover and go into the next semester of just surviving. #f#formerteachert#teacherquittokc#costcotiktokr#retailworkere#exteachertiktokc#careertransitiont#teachersonbreak ♬ original sound - Millennial Ms. Frizzle

Nicht nur Lehrer:innen sprechen über ihre Kündigung auf #quittok

Das Phänomen #quittok gibt es aber nicht nur bei Lehrer:innen. Auch Menschen aus anderen Berufen berichten auf TikTok von ihren Erfahrungen mit ihrer Kündigung. Das schließt sich an den Trend „Quiet Quitting“ aus dem vergangenen Jahr an, bei dem Beschäftigte nur noch das Nötigste arbeiten. (mit Material der dpa)

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