Russland

„Man muss ihn ausschalten“: Doch so schützt Putin sich vor Attentaten

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Lebt seit dem Ukraine-Krieg gefährlich: Russlands Präsident Wladimir Putin.
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Vorkoster und private Armee: Aus Angst vor Attentaten lebt Russlands Präsident Wladimir Putin isoliert – schon vor dem Ukraine-Krieg. Kaum einer kommt an ihn heran.

Berlin – Essensvorkoster, enorm bewaffnete Leibwächter und ständige Ortswechsel: Wladimir Putin führt offenbar ein Leben in vollständiger Isolation – aus Sorge vor Attentaten. Bereits weit vor Beginn des Ukraine-Krieges argwöhnten westliche Staatschefs über die Parallelwelt von Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Sie sei nicht sicher, ob „Putin überhaupt noch Kontakt zur Realität hat“, soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) laut Medienberichten bereits im Jahr 2014 in einem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama gesagt haben. Nachdem nun im Zuge des Überfalls auf die Ukraine die Aufrufe zu Mordanschlägen auf den Kremlherrscher wieder zugenommen haben, mehren sich auch wieder die Berichte über Putin Paranoia. Doch was ist dran?

Wladimir Putin: Russlands Präsident hält Privatleben mit Frau und Kindern geheim und versteckt im Ukraine-Krieg vor Attentaten

Fakt ist: Russlands Präsident Wladimir Putin ist äußerst misstrauisch. Putin, der frühere Spion des KGB, hält sein Privatleben mit Ehefrau und Kindern ebenso unter Verschluss wie sein Vermögen. Außerdem hält er die meisten Personen auf Abstand, selbst internationale Staatsgäste. Das war in den vergangenen Wochen gleich mehrfach zu bewundern. Sowohl Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die beide Putin den Ukraine-Krieg ausreden wollten, mussten ihm gegenüber an einem sechs Meter langen Tisch Platz nehmen. Auch seine Untergebenen empfängt der Kremlherrscher so.

Das Misstrauen kommt nicht von ungefähr. Mit der Invasion Russlands in der Ukraine und seinen Drohungen mit einem Atomkrieg mutierte Putin innerhalb von wenigen Stunden zu einer der wohl am meisten gehassten Figuren auf der Welt. So forderte der US-Senator Lindsey Graham unverhohlen zu einem Attentatsversuch auf den Präsidenten auf. „Jemand in Russland muss jetzt aktiv werden und diesen Kerl ausschalten“, wetterte der einflussreiche Republikaner in einem Interview des TV-Senders „Fox News“.

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Doch das dürfte gar nicht so leicht sein. Seit dem Tag des Angriffs auf die Ukraine ist Putin offenbar nicht mehr im Kreml gewesen. Der Staatschef wechsele ständig den Ort, berichtete die Bild-Zeitung vor wenigen Tagen. Demnach sollen ihm bis zu sieben Verstecke und Bunker überall innerhalb des riesigen russischen Staatsgebietes zur Verfügung stehen, hieß es. Per Auto oder per Privatflugzeug, das ausgestattet mit Störsendern unterhalb des Radars fliegen kann, kommt er mühelos hin und her.

Leibwächter, Verstecke, Vorkoster: So schützt sich Wladimir Putin vor Attentätern

Bewacht wird er seit über 20 Jahren von einer Leibwächter-Garde, die offiziell dem Inlandsgeheimdienst angegliedert ist und die aber vollständig Putins Befehl untersteht. Wie die inzwischen eingestellte Website „Beyond Russia“ bereits in früheren Jahren berichtete, werden die Mitglieder des Sicherheitsdienstes handverlesen von Putin ausgewählt. Sie dürfen nicht älter als 35 Jahre sein und sind neben körperlicher Robustheit und Ausdauer auch geschult in psychologischer Kriegsführung. Sie tragen panzerbrechende Munition, Sturmgewehre und Flugabwehrraketen mit sich herum Außerdem sollen sie über weitgehende Befugnisse verfügen. Den Berichten zufolge dürfen sie Post öffnen, Menschen festnehmen und verhören. Im Anschluss an ihren Dienst werden sie mit Regierungsposten belohnt.

Viele Berichte lassen sich unabhängig nicht verifizieren. Zu den meisten Sachen schweigt Putin selber. Jedoch gewährte er einmal einen Einblick in seinen inneren Kreis. So verriet er in einem TV-Interview einmal, dass ihm in Zeiten des Tschetschenien-Krieges ein Körperdouble angeboten worden sei. Angeblich lehnte Russlands Präsident dessen Einsatz aber ab. Was er in dem gleichen Gespräch nicht abstritt, war aber die Tatsache, dass sein Essen von Ärzten und Vorkostern getestet wird.

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Dadurch will Putin Giftanschläge ausschließen – ähnlich wie im alten Rom. Das verriet der Gründer des „Club des Chefs des Chefs“, was eine Organisation aus Chefköchen von Regierungschefs ist, einmal dem „Daily Telegraph“. „Verkoster gibt es noch immer in mehreren Ländern. Aber nur im Kreml wird jedes Gericht von einem Arzt überprüft“, sagte Gilles Bragard laut der Zeitung. Und auch die Pools und Schwimmbäder in Putins Privathäusern sollen regelmäßig auf Chemikalien untersucht werden, bevor der Staatschef hineinsteigt.

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Ob Paranoia oder nicht – unbegründet ist die Angst vor Anschlägen jedenfalls nicht. Denn umgekehrt schreckt Putin vor Attentaten nicht zurück. Bereits mehrere Kremlkritiker wurden bereits mit Giftgasanschlägen ausgeschaltet. Zwar gab es keine direkte Spur zu Putin. Aber auch im Ukraine-Krieg setzt Russlands Militärführung auf dieses Mittel in der Kriegsführung. So konnten ukrainische Sicherheitsdienste bereits mehrere Anschläge auf ihren Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vereiteln. Dahinter steckten offenbar jeweils Söldnertruppen aus Tschetschenien und Russlands, dessen Anführer erwiesenermaßen Günstlinge von Putin sind. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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