Alles über die „Klimakleber“

Die „Letzte Generation“ - Alles über die umstrittenen Klima-Aktivist:innen

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Mit zivilem Ungehorsam macht die Klima-Bewegung „Letzte Generation“ auf sich aufmerksam. Wer sie sind und wie ihre Forderungen lauten, erfahrt ihr hier.

Berlin — Junge Menschen gruppieren und organisieren sich unter dem Namen „Letzte Generation“, um von ihrer Regierung mehr Klimaschutz einzufordern. Klingt zunächst vorbildlich, aber mit ihren Protesten sorgen sie regelmäßig für Aufregung und Meinungsverschiedenheiten in der Gesellschaft. Auch in Österreich und Italien findet die Bewegung statt und bestimmt die Medienlandschaft.

NameLetzte Generation
Gründung2021
DachorganisationA22 Network
FinanzierungClimate Emergency Fund

Seit wann gibt es die „Letzte Generation“? Entstehung und Geschichte der Protest-Organisation

Die Klimaschutzorganisation „Letzte Generation“ formte sich erstmals im Rahmen eines Hungerstreiks im Jahr 2021, der den deutschen Bundestagswahlen vorausging. Seitdem organisiert die Gruppierung regelmäßig Streiks, Blockaden und diverse Protestaktionen, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen und die Politik zu beeinflussen. Besonders aktiv ist die „Letzte Generation“ in Berlin und den meist befahrenen Autobahnen in Deutschland, zum Beispiel auf der A100.

Klimaaktivst:innen der „Letzten Generation“ kleben sich fest

Der Name der Organisation leitet sich ab von der Phrase „Die letzte Generation vor den Kipppunkten“. Damit beziehen sich die Aktivist:innen auf das Überschreiten von Kipppunkten im Klimasystem, das laut aktueller Forschung irreversible und dauerhafte Folgen hätte. Der Name der Organisation wird auch häufig mit dem ehemaligen US-Präsident Barack Obama in Verbindung gebracht. Im September 2014 schrieb er auf Twitter: „Wir sind die erste Generation, die den Effekt des Klimawandels zu spüren bekommt, und die letzte Generation, die etwas dagegen machen kann.“

Was fordert die „Letzte Generation“?

Die Klimaaktivist:innen fordern schnelles und effizientes Handeln seitens der Politik, um auf den Klimawandel zu reagieren. Dabei generieren sie viel Aufmerksamkeit, da sie durch zivilen Ungehorsam den Alltag stören, beispielsweise indem sie sich mit ihren Händen auf Autobahnen festkleben, den Betrieb am Berliner Flughafen (BER) behindern oder Kunstobjekte (hinter einem Schutzglas) mit Farbe oder Essensresten überschütten.

Protestaktion von „Letzter Generation“ in Wien

Die Reaktionen der Bevölkerung auf diese Störungen sind gemischt und reichen von Applaus bis zu Vergleichen mit der linksextremistischen terroristischen Vereinigung „Rote Armee Fraktion“ (RAF). Bei Erfüllung folgender Forderungen würden laut dem Manifest der Gruppierung die Proteste aufhören.

  • Dekarbonisierung
    Die „Letzte Generation“ fordert einen Finanzierungs-Stopp fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas, vor allem von staatlicher Seite. Stattdessen soll mehr in erneuerbare Energien investiert werden.
  • Tempolimit (100 km/h)
    Die Aktivist:innen berufen sich auf eine Abschlussprüfung des Umweltbundesamtes, wonach mit einem Tempolimit von 100 km/h jährlich mehr als 6,7 Millionen Tonnen CO₂ eingespart würden.
  • 9-Euro-Ticket
    Mit günstigen Preisen für den Öffentlichen Nah- und Fernverkehr soll die Mobilitätswende schneller erreicht und viel CO₂ eingespart werden.
  • Gesellschaftsrat
    Am 6. März 2023 forderten die Aktivist:innen die Gründung eines Gesellschaftsrates aus per Losverfahren gewählten Bürger:innen, der darüber beraten solle, wie Deutschland bis 2030 klimaneutral werden könne. Die Bundesregierung sollte sich an die Empfehlungen dieses Rates halten.

Ist die „Letzte Generation“ eine kriminelle Vereinigung?

Seit Anfang 2023 spricht Deutschland über die juristische Einordnung der „Letzten Generation“. Auslöser dafür waren die Ermittlungen der Münchener Generalstaatsanwaltschaft gegen Mitglieder der Gruppe wegen angeblicher Bildung beziehungsweise Unterstützung einer kriminellen Vereinigung und die Präventivhaft einiger Aktivist:innen, legitimiert durch das bayerische Polizeiaufgabengesetz (PAG). Diese Vorgehensweise und der Umgang der Polizei mit den Aktivist:innen wird kontrovers diskutiert.

Fridays for Future

Trotz ähnlicher Ziele kritisiert die globale Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“, an der sich hauptsächlich Schüler:innen und Studierende beteiligen, das Vorgehen der „Letzten Generation“. Es gebe andere Wege, sich für besseren Klimaschutz einzusetzen, als die Gesellschaft zu spalten, heißt es von Annika Rittmann, Sprecherin der „Letzten Generation“. Luisa Neubauer, Deutschlands bekannteste Klima-Aktivistin, Publizistin und Hauptorganisatorin der von Greta Thunberg inspirierten Freitag-Streiks, übt aber auch scharfe Kritik an den Reaktionen von Polizei und Politik.

Rubriklistenbild: © Picture Alliance / Sven Kaeuler

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