„Letzte Generation“

Klimaaktivisten legen zeitweise Flugverkehr lahm – Politik zeigt kein Verständnis

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Aktivistinnen und Aktivisten der „Letzte Generation“ haben in Hamburg und Düsseldorf den Flugverkehr blockiert. Die Politik fordert ein hartes Vorgehen.

Hamburg/Düsseldorf – Mitten in der Ferienzeit haben Aktivistinnen und Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ am Donnerstag die Flughäfen in Hamburg und Düsseldorf über mehrere Stunden lahmgelegt. Das löste eine hitzige Debatte aus. Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) sagte: „Die Aktivisten, die jetzt lauter Menschen die Reise in den Urlaub verbauen, schaden dem Anliegen Klimaschutz massiv.“ Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kündigte deswegen neue Sicherheitsstandards an.

Flugverkehr muss für Stunden eingestellt werden

Am Hamburger Airport musste wegen der Protestaktion der Flugverkehr am ersten Ferientag für einige Stunden komplett eingestellt werden. Am Düsseldorfer Flughafen wurden mehrere Flüge umgeleitet oder verspäteten sich. In Hamburg schnitten die Aktivistinnen und Aktivisten nach Angaben der Bundespolizei den Außenzaun zum Flughafengelände durch und fuhren mit Rädern auf das Rollfeld. Dort klebten sie sich an vier Punkten auf Zuwegen in unmittelbarer Nähe zu den Start- und Landebahnen fest.

In der Vergangenheit hatten Aktivistinnen und Aktivisten der „Letzten Generation“ vor allem immer wieder Straßen blockiert und sich dabei teilweise festgeklebt. Sie fordern ein deutlich entschiedeneres Vorgehen der Politik für Klimaschutz. Eine zentrale Forderung an die Bundesregierung ist die Einberufung eines zufällig gelosten Gesellschaftsrats. Das Gremium soll nach dem Willen der Gruppe Maßnahmen erarbeiten, wie Deutschland bis 2030 die klimaschädliche Nutzung von Öl, Gas und Kohle beenden kann.

Ein Flugzeug steht auf einem Rollfeld des Hamburger Flughafens, während die Polizei im Hintergrund mit Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten spricht.

Besserer Schutz für Flughäfen gefordert

Die jüngsten Aktionen setzten eine Debatte in Gang, wie Flughäfen besser geschützt werden können. Faeser sagte, es werde demnächst tatsächliche Standards für die Betreiber kritischer Infrastruktur geben. „Dazu gehören auch die Flughäfen, und das wird auch zu einer besonderen Sicherheit der Flughäfen weiterhin führen.“ Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sagte dem TV-Sender „Welt“, wenn es zu solchen Vorfällen komme, müsse man Sicherheitskonzepte immer noch mal neu denken und überprüfen.

Der Bundesvorsitzende der Deutsche Polizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, sagte der Rheinischen Post: „Es ist katastrophal für die Luftsicherheit, dass es den Klimaklebern gelungen ist, auf die Startbahn des Düsseldorfer Flughafens zu gelangen.“ In Zeiten wie diesen reiche es nicht aus, Flughäfen mit Zäunen und Stacheldraht zu sichern, auf die man einfach eine Matte legen und dann drüber klettern könne.

Der Flughafenverband ADV teilte mit, viele Flughäfen hätten in den letzten Jahren „entsprechend der sich stetig verändernden Risiko-Lage“ ihre Zaunanlagen ertüchtigt. Große Flughäfen aber hätten einen Zaun von bis zu 30 Kilometern Länge, teilweise abgelegen im Wald und auf Feldern. Ein 100-prozentiger Schutz gegen das Durchdringen sei damit unmöglich.

NRW-Innenminister nennt Aktivistinnen und Aktivisten Kriminelle

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher forderte eine konsequente Bestrafung der Flughafen-Blockierer. „Es handelt sich um Straftaten, die von der Justiz konsequent sanktioniert werden müssen“, sagte der SPD-Politiker. „Diese Klima-Chaoten sind keine Aktivisten, sondern Kriminelle“, schimpfte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU). Bundesjustizminister Marco Buschmann schrieb auf Twitter, die Blockierer müssten mit strafrechtlichen Folgen sowie gegebenenfalls auch „mit millionenschweren Schadenersatzforderungen“ rechnen.

Der Bild sagte der FDP-Politiker: „Die Klimakleber bringen nicht nur die Menschen gegen sich auf, weil sie ihnen den wohlverdienten Urlaub ruinieren. Je nach Einzelfall machen sie sich auch strafbar. Im schlimmsten Fall verwirklicht ein Hindernis auf der Rollbahn einen gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr. Darauf stehen bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe.“ Habeck sagte in Dresden, diese Aktionen schadeten dem Klimaschutz. Sie seien genau die falschen Protestformen, wenn man Mehrheiten für den Klimaschutz schaffen wolle. Er sprach von einem lupenreinen Eigentor.

Diese 13 Dinge besprühte die Letzte Generation

Klimaaktivist sprüht Farbe an Gebäude der TU Berlin.
Ein Klimaaktivist von der Klimaschutz-Gruppe Letzte Generation besprüht mit einem präparierten Feuerlöscher den Haupteingang der Technischen Universität Berlin mit Farbe.  © Paul Zinken/dpa
Klimaproteste der Letzten Generation: Aktivisten im Leopold-Museum in Wien
Nicht nur Kartoffelbrei oder Tomatensoße: Auf einem Gemälde von Klimt im Leopold-Museum in Wien landete im November 2022 schwarze Farbe.  © AFP PHOTO/Last Generation Austria
Was hier schnell mit Kunst verwechselt werden kann,  ist eine Protestaktion der Gruppe „Letzte Generation“ in Essen. Ein Aktivist besprüht die Hauswand der RWE Zentrale mit orangener Farbe. Im Anschluss zeigen zwei Aktivist:innen ein Transparent, auf dem steht „ART. 20A GG = Leben schützen“
2022 protestierte die Letzte Generation noch gegen die Räumung von Lützerath. Ein Jahr später besprühte sie im Februar den Energiekonzern RWE, um die Zerstörung des Ortes anzuprangern.  © Roland Weihrauch/dpa
Eine Aktivistin der „Letzten Generation“ auf dem Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof in Hannover: Die Klimaschutz-Kämpfer:innen haben dem Pferdeschweif Farbe verpasst.
Im selben Monat besprühte die Letzte Generation das Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof in Hannover.  © Julian Stratenschulte/dpa
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Auf die Grundgesetz-Skulptur am Bundestag schmierten die Aktivist:innen bereits zwei Mal schwarze Farbe (das erste Mal im März 2023, das zweite Mal im Mai). Der SPD-Abgeordnete Helge Lindh sagte über die Aktion, die Letzte Generation müsse sich fragen, „wann aus Gerechtigkeit Selbstgerechtigkeit wird oder Selbstgefälligkeit“. © DPA Deutsche Presseagentur
SPD-Parteizentrale in Berlin
Auch seine Partei ist vor der Letzten Generation nicht geschützt. Hier siehst du die beschmierte SPD-Parteizentrale im April.  © Sven Käulen/TNN/dpa
Klimaaktivist:innen der „Letzten Generation“ hatten die FDP-Zentrale in Berlin im Visier.
Dasselbe Schicksal erreichte im selben Zeitraum die FPD-Parteizentrale.  © Kay Nietfeld/dpa
Nachdem die Aktivisten den Jet mit Farbe überzogen haben, klebten sich mehrere Personen auf dem Flugzeug fest.
Seit Anfang Juni richtet die Letzte Generation ihre Aktionen verstärkt gegen Reiche. Als Erstes besprühten Aktivist:innen diesen Prvatjet.  © Jonas Gehring/ Letzte Generation
Eine Aktivistin der „Letzten Generation“ besprüht die Bar des Hotels Miramar mit oranger Farbe.
Kurz darauf folgte die Bar eines Fünf-Sterne-Hotels in Sylt.  © Letzte Generation
Aktivisten der „Letzten Generation“ besprühten eine Luxusyacht mit Farbe.
Auch eine Luxusjacht nahmen die Aktivist:innen ins Visier. Neben der typisch orangen Farbe, verwendeten sie eine knallgrüne, um das Wasser einzufärben.  © dpa
Ein Aktivist der „Letzte Generation“ hält vor einem Luxusgeschäft ein Plakat. Zuvor hatte er die Fassade mit Farbe besprüht.
Im Juli fügte die Letzte Generation zu ihrer Sammlung noch ein Prada-Geschäft hinzu. Welche Marke folgt wohl als nächstes?  © Paul Zinken/dpa
Klima-Aktivisten besprühen Luxusgeschäft auf Sylt
Bei Luxus-Dingen dürfen natürlich Geschäfte nicht fehlen. Hier eine Sylter Filiale von Dior, ebenfalls besprüht im Juni.  © Julius-Christian Schreiner/dpa
Brandenburger Tor
Im September besprühte die Letzte Generation das Brandenburger Tor. Danach habe es 14 Festnahmen gegeben.  © Paul Zinken/dpa

„Letzte Generation“ will bundesweit Proteste durchführen

Mitglieder der „Letzten Generation“ planen nach den Flughafen-Blockaden vom Vortag an diesem Freitag bundesweit Proteste. Anlass ist der aus ihrer Sicht unzureichende Einsatz der Bundesregierung für weniger klimaschädliche Treibhausgase speziell im Verkehr, wie ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin erklärte.

Die „Letzte Generation“ schrieb auf Twitter, weltweit werde ein Hitzerekord nach dem anderen gebrochen. Die Regierung aber subventioniere den Flugverkehr, einen „bedeutenden Brandbeschleuniger der Katastrophe“, jährlich mit Milliarden. Das dürfe nicht länger akzeptiert werden. Das Umweltbundesamt nennt Fliegen die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen. (erpe/dpa)

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa

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