Lieber Sultan Al-Jaber,

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Sultan al-Jaber leitet die Klimakonferenz.

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung. Heute wendet sich Zahra Pischnamazzadeh an den Präsidenten der Weltklimakonferenz.

Lieber Sultan al-Jaber,

Sie sind Präsident der COP28, der diesjährigen Klimakonferenz, und mit Ihren absurden Aussagen ziehen Sie die Verhandlungen ins Lächerliche. Die Klimakonferenzen sind als einziger Ort, an dem alle Länder dieser Welt zusammenkommen, um gemeinsam und gleichberechtigt die größte Krise unserer Zeit zu verhandeln, unglaublich wichtig.

Wenn Sie jetzt behaupten, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gäbe, dass die Erderwärmung nur auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, wenn wir konsequent und komplett aus Kohle, Öl und Gas aussteigen, ist das ein absoluter Skandal und gefährdet die Integrität der Konferenz. Wie können Sie es wagen, in Ihrem Amt plötzlich wieder Tatsachen in Frage zu stellen, über die schon seit Jahrzehnten ein wissenschaftlicher Konsens besteht?

Eigentlich wenig verwunderlich, denn schon im Vorfeld waren unsere Erwartungen an einen COP-Präsidenten, der gleichzeitig Chef eines Ölkonzerns ist, naja, sagen wir mal, gemischt. Und Sie sind bei weitem nicht der einzige Vertreter der fossilen Lobby auf dieser Klimakonferenz.In Dubai sind 2456 fossile Lobbyist*innen vor Ort und arbeiten, wie Sie, mit Hochdruck daran, das Ende der fossilen Ära so lange wie möglich hinauszuzögern und zu untergraben.

Mit Ihren Statements öffnen Sie nicht nur Tür und Tor für gefährliche Ablenkungen und technologische Scheinlösungen – nein, Sie reißen die Tür förmlich aus den Angeln. Immer wieder sprechen Sie über CCS, eine Technologie, die CO2 abscheidet und speichert. Das ist ein klares Ablenkungsmanöver, das wir schon von zuhause kennen. Auch in der Ampel bedienen sich bestimmte Akteure immer wieder dieser Strategie, um vom Ausstieg aus den Fossilen abzulenken. Dabei ist doch klar, dass wir uns nicht von der CCS Technologie abhängig machen können, weil sie laut der Internationalen Energieagentur bis 2030 nur ein bis zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen senken kann.

Wir jungen Klimaktivist*innen halten dagegen. Auf der diesjährigen COP wird mal wieder deutlich, wie wichtig unser Protest ist. Was wir einfordern, müsste eigentlich schon längst eine Selbstverständlichkeit sein.

Das absolute Minimum, das diese Konferenz liefern muss, ist, den vollständigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas in trockene Tücher zu bringen, ohne wenn und aber, ohne irgendwelche Hintertüren.

Wir schauen genau auf Ihre Finger. Zahra Pischnamazzadeh

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