News-Ticker zum Militär-Geschehen

Früher als gedacht: Russland feiert Reparatur wichtiger Versorgungslinie - „Großes Geschenk“

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  • Bedrettin Bölükbasi
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  • Franziska Schwarz
    Franziska Schwarz

Russland kann die explodierte Brücke über die Krim angeblich wieder für die Armee nutzen. Die Verluste bleiben wohl hoch. Der News-Ticker zum Militär-Geschehen im Ukraine-Krieg.

Update vom 24. Februar, 9.16 Uhr: Zum Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine präsentiert die Gruppe Wagner einen Teilerfolg in der Region um Bachmut. Dort in der Oblast Donezk, wo die Söldner seit Monaten trotz anderslautender eigener Aussagen nicht vorankommen, soll nun ein Dorf eingenommen worden sein.

Update vom 24. Februar, 6.45 Uhr: Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs greifen russische Truppen ukrainische Stellungen im Donbass mit aller Kraft an. Das ukrainische Militär habe am vergangenen Tag rund 100 Angriffe an verschiedenen Fronten einschließlich Bachmut abgewehrt, hieß es im jüngsten Bericht des Generalstabs. Dabei hätten die russischen Truppen zehn Raketen- und 31 Luftangriffe durchgeführt. Es sei zu Toten und Verletzten in den Regionen Charkiw und Cherson gekommen. Das ukrainische Militär hingegen habe 17 Versammlungsgebiete und vier Luftabwehrstellungen der russischen Armee aus der Luft angegriffen.

Ukraine-Krieg: Mariupol wieder im Mittelpunkt der Gefechte? – „nicht mehr völlig unerreichbar“

Update vom 23. Februar, 22:45 Uhr: Rückt Mariupol bei den militärischen Kämpfen wieder in den Fokus? Die Sprecherin des Südkommandos der Ukraine, Natalia Humeniuk, erklärte einen Tag vor dem Jahrestag des Ukraine-Kriegs, dass das Gebiet des von Russland besetzten Mariupol in der Oblast Donezk „nicht mehr völlig unerreichbar“ sei.

Das berichtet das ukrainische Medienprojekt The Kyiv Independent. Die Großstadt mit ihren einstmals 440.000 Einwohnern fiel im Mai 2022 nach schweren Kämpfen und einer wochenlangen Belagerung des Asow-Stahlwerks. Die ukrainischen Streitkräfte haben die russischen Angreifer in den vergangenen Monaten im Süden des Landes aber wieder weit zurückgedrängt. Symbolisch war die Rückeroberung der Stadt Cherson.

Ging am 8. Oktober 2022 in Flammen auf: Die Krim-Brücke über die Straße von Kertsch.

Krim-Brücke wieder befahrbar: Russland repariert offenbar Versorgungslinie für Armee

Update vom 23. Februar, 21:05 Uhr: Die Krim-Brücke zwischen der gleichnamigen Halbinsel und der russischen Region Krasnodar ist wieder vollständig befahrbar. Das gaben die russischen Behörden an diesem Donnerstag bekannt.

Die vierspurige Brücke für LKW und PKW war am 8. Oktober 2022 im Zuge der Kämpfe im Ukraine-Krieg bei einer Explosion schwer beschädigt worden. Moskau hatte Kiew für einen angeblichen Anschlag mit einem mit Sprengstoff beladenen LKW verantwortlich gemacht. Die ukrainische Regierung bestritt diese Version. Der betroffene Streckenabschnitt stürzte nach der Explosion in die Meerenge „Straße von Kertsch“, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet.

Die Reparaturarbeiten im Bereich der Straße wurden demnach früher als geplant abgeschlossen. 500 Arbeiter hätten viereinhalb Monate rund um die Uhr gearbeitet und die Bauarbeiten nun „als großes Geschenk“ zum russischen Tag des Verteidigers des Vaterlandes 39 Tage früher als geplant fertiggestellt, erklärte die russische Vize-Regierungschef Marat Chusnullin im Onlinedienst Telegram.

Die daneben verlaufende Eisenbahnbrücke wird noch repariert und kann wohl nicht vor dem Sommer wieder in Betrieb genommen werden. Die Brücke gilt als Prestigeprojekt von Moskau-Machthaber Wladimir Putin nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014. Die Krim-Brücke ist zudem wichtiger Versorgungsweg für die russische Armee im Ukraine-Krieg. Diese Versorgungslinie können die Angreifer nun angeblich wieder nutzen.

Offenbar wieder befahrbar: Die vierspurige Brücke, die über die Straße von Kertsch auf die Krim führt.

Schwere Kämpfe um Bachmut: Ukrainische Verteidiger halten Stadt im Donbass

Update vom 23. Februar, 18:55 Uhr: Auch heute, einen Tag vor dem Jahrestag des Ukraine-Kriegs, soll es in und rund um Bachmut wieder zu schweren Kämpfen gekommen sein. Russischer Armee und Wagner-Söldnern ist es bislang nicht gelungen, die strategisch wichtige Stadt im Donbass einzunehmen.

Seit Wochen halten die ukrainischen Verteidiger die Stadt. Fotos und Videos unter dem Hashtag #bakhmut und #bachmut sollen zeigen, wie dramatisch die Lage an der Front ist. Diese lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Auch das ZDF berichtet indes von schweren Gefechten - und dass die ukrainische Armee in der Defensive sei.

Viele tote russische Soldaten: Ukraine hat mittlerweile angeblich 299 Flugzeuge zerstört

Update vom 23. Februar, 18:20 Uhr: Mehr als 145.000 russische Soldaten sollen im Ukraine mittlerweile getötet oder verwundet worden sein. Das berichtet das ukrainische Medienprojekt The Kyiv Independent unter Berufung auf den Generalstab in Kiew.

Demnach wurden auch 299 Flugzeuge sowie 287 Helikopter der russischen Armee abgeschossen oder beschädigt. Die Zahl zerstörter oder erbeuteter Panzer soll angeblich bei 3350 liegen. 873 Raketen wurden laut Kiew seit dem 24. Februar 2022, als Russland seinen westlichen Nachbarn überfiel, abgefangen. Aktuelle Zahlen zu angeblichen (oder tatsächlichen) Verlusten an Mensch und Material gibt es indes aus Russland schon lange nicht mehr.

Friedensplan durch China? Ukraine-Präsident Selenskyj würde mit China sprechen

Update vom 23. Februar, 15:52 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei einer Pressekonferenz mit dem spanischen Premierminister Pedro Sanchez in Kiew erklärt, bisher habe er keinen Friedensplan Chinas gesehen. Er bekundete in diesem Rahmen Interesse an einem Treffen mit der Volksrepublik, bei der Pressekonferenz sagte er: „Wir würden uns gerne mit China treffen“.

China hatte am Wochenende bei der Münchner Sicherheitskonferenz eine Friedensinitiative zum ersten Jahrestag des Angriffskriegs in der Ukraine angekündigt.

Update vom 23. Februar, 14:46 Uhr: Die in Den Haag ansässige EU-Justizbehörde Eurojust richtet laut eigenen Angaben ein Zentrum für strafrechtliche Ermittlungen zum Krieg Russlands in der Ukraine ein.

Beginnen soll die Arbeit des Zentrums im Sommer, Ziel ist die Beweissammlung: Unter anderem sollen in einer zentralen Datenbank Beweise für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Völkermord zusammengetragen werden.

Ukraine aktuell: IW-Institut nimmt Stellung zum Krieg

Update vom 23. Februar, 13:20 Uhr: Das IW-Institut sieht eine zunehmende Auslegung der russischen Wirtschaft auf den Krieg. In einer Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, heißt es: „De facto ist Russland zu einer Kriegswirtschaft geworden“. Das Institut kommt zu dem Schluss, die Sanktionen des Westens hätten zwar wirtschaftliche Folgen, jedoch ohne Russland in die Knie zu zwingen. Die Prognose: „Da ein Ende des Krieges momentan nicht absehbar erscheint und das Entkoppeln des Westens von Russland immer weiter voranschreitet, wird Russland aber zukünftig mit steigenden Ausgaben und sinkenden Einnahmen haushalten müssen.“ Russlands Planungen für den Staatshaushalt würden verdeutlichen, dass man sich in Richtung einer „von Verteidigungs- und Sozialpolitik geleiteten Kriegswirtschaft“ orientieren würde.

Ukraine aktuell: Moldawien weist Russland zurecht

Update vom 23. Februar, 12:51 Uhr: Moldawien hat den Vorwurf Russlands zurückgewiesen, die Ukraine plane eine Invasion Transnistriens. Wie die Nachrichtenagentur RIA berichtet hatte, beschuldigt das russische Verteidigungsministerium die Ukraine, einen False-Flag-Angriff auf die abtrünnige moldawische Region zu planen. Ein vermeintlich von russischen Kräften durchgeführter Angriff solle als Vorwand für eine anschließende Invasion dienen, so das russische Verteidigungsministerium. Moldawien wies diesen Vorwurf nun deutlich zurück und rief zu Ruhe auf, so die Nachrichtenagentur Reuters.

Finnland liefert Kiew Leopard-Panzer: Ukrainische Armee bekommt weitere schwere Waffen

Update vom 23, Februar, 11:43 Uhr: Finnland hat angekündigt der Ukraine drei weitere Leopard-2-Kampfpanzer zu liefern. Vorgesehen sind seitens Finnland zudem Ausbildungsmaßnahmen zur Bedienung der Geräte. Auch Tschechien sagt der Ukraine derweil zusätzliche Lieferungen zu, die Regierung hat weitere Militärhilfe genehmigt. Details über den Umfang der Lieferungen sind bisher nicht bekannt. Bisher hat Tschechien der Ukraine 38 Panzer, 55 gepanzerte Fahrzeuge sowie Panzerhaubitzen zur Verfügung gestellt.

Ukraine aktuell: Putin will Armee erneuern – Ausbau der Nuklearstreitkräfte angekündigt

Update vom 23. Februar, 10:58 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin hat erneut die Stärkung der Nuklearstreitkräfte betont. In einer vom Kreml veröffentlichten Rede erklärte er: „Der Stärkung der nuklearen Triade werden wir nach wie vor verstärkte Aufmerksamkeit widmen“. Mit Blick auf die Streitkräfte erklärte der Staatschef: „Eine moderne, leistungsfähige Armee und Marine sind Garanten für die Sicherheit und Souveränität eines Landes.“ Putin kündigte unter anderem erste Indienststellungen der Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat an, sie kann mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Ursprünglich war das allerdings schon für 2022 geplant. Außerdem solle die Serienproduktion der Kinschal-Rakete fortgesetzt und mit der massenhaften Auslieferung schiffsgestützter Zirkon-Hyperschallraketen begonnen werden, sagte Putin.

Wladimir Putin hat die Stärkung der russischen Atomstreitkräfte verkündet. In diesem Jahr soll auch die mit Atomsprengköpfen bestückbaren Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat in Dienst gestellt werden. (Collage)

Ukraine aktuell: Wagner-Gruppe bekommt Munition

Update vom 23. Februar, 09:59 Uhr: Die Wagner-Gruppe erhält laut ihres Anführers Jewgeni Prigoschin nun doch Munition. Auf Telegram schrieb der Chef der Söldner-Truppe: „Heute um 06.00 Uhr morgens wurde bekannt gegeben, dass die Lieferung von Munition begonnen hat“. Ferner schrieb Prigoschin: „Höchstwahrscheinlich rollt der Ball jetzt. Bisher steht alles auf dem Papier, aber wie uns gesagt wurde, sind die wichtigsten Dokumente bereits unterzeichnet.“ Zuletzt hatte sich der Streit zwischen dem Wagner-Chef und den regulären russischen Streitkräften beziehungsweise dem Verteidigungsministerium um Munitionslieferungen zugespitzt.

Ukraine aktuell: Luftwaffen-Sprecher äußert sich

Update vom 22. Februar, 6.40 Uhr: Der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Oberst Yuri Ignat, äußerte sich laut dem Nachrichtenportal ArmyInform zu Aussagen von einigen Experten, wonach die russische Armee die Ukraine mit hunderten Flugzeugen angreifen könne. „Das ist nicht der Zweite Weltkrieg und solche Aktionen machen wegen der Arbeit unserer Luftverteidigung keinen strategischen Sinn“, sagte er dazu. In vielen Situationen bedeute der Überflug für russische Flugzeuge ein „Todesurteil“, weshalb sie im Vergleich zum Beginn des Ukraine-Krieges nun nicht mehr ständig in den ukrainischen Luftraum eindringen würden.

Ukraine aktuell: Putins Armee verstärkt wohl Truppen an der Front

Update vom 22. Februar, 18.56 Uhr: Kurz bevor sich der Ukraine-Krieg das erste Mal jährt, verstärkt die russische Armee nach Erkenntnissen Kiews ihre Truppen an verschiedenen Frontabschnitten. Das lasse auf unmittelbar bevorstehende neue Angriffe schließen, teilte der ukrainische Generalstab am Mittwoch mit. Die russischen Streitkräfte konzentrierten ihre Hauptanstrengungen „auf Offensivoperationen in den Richtungen Kupjansk, Lyman, Bachmut, Awdijiwka und Schachtarsk“, heißt es in der Mitteilung der ukrainischen Militärführung.

Vor allem rund um Bachmut gebe es weiterhin schwere Kämpfe. Mithilfe seiner Luftaufklärung versuche das russische Militär, die Artillerieangriffe genauer zu koordinieren. Bei Awdijiwka und Schachtarsk seien russische Angriffe abgewehrt worden.

Ukraine aktuell: Zwei Menschen sterben nach russischen Luftangriff

Update vom 22. Februar, 17.50 Uhr: Bei einem russischen Angriff auf die ukrainische Region Cherson sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Im Dorf Novotiahynka starben laut Kyiv Independent eine 81-jährige Frau und ein 68-jähriger Mann.

Die Region ist seit der Rückeroberung Chersons immer wieder Ziel russischer Attacken. Erst am Dienstag starben sechs Menschen bei einem russischen Artillerieangriff, zwölf wurden verletzt. Laut ukrainischen Angaben sind dabei ein Wohnviertel und eine Bushaltestelle beschossen worden. Dem Kommando „Süd“ der ukrainischen Streitkräfte zufolge hat die russische Armee die Großstadt mittels Mehrfachraketenwerfern beschossen. Ukraine-Präsident Selenskyj verurteilte den Angriff: „Dieser russische Angriff hatte keinen militärischen Zweck“, sagte er am Dienstag in seiner allabendlichen Videoansprache.

Anwohner gehen an einem Busbahnhof in Cherson entlang, der laut Angaben der Ukraine nach einem massiven Beschuss durch Russland beschädigt wurde.

Update vom 22. Februar, 16.41 Uhr: Belgien wappnet sich gegen mögliche russische Sabotageaktionen vom Meer aus. Justiz- und Nordseeminister Vincent Van Quickenborne bestätigte nun der Nachrichtenagentur AFP, dass die belgische Marine im November vor der Küste ein verdächtiges russisches Schiff gesichtet habe. „Das ist beunruhigend, denn wir kennen das Sabotagerisiko nach den Vorkommnissen um Nord Stream“, sagte er mit Verweis auf die Explosionen an beiden Gaspipelines im September.

„Wir müssen wachsam sein“, sagte Van Quickenborne. Nach Angaben des Ministers handelt es sich offenbar um dasselbe Schiff, das die Niederlande zuvor in eigenen Gewässern gesichtet hatten. Am Dienstag (21. Februar) hatte Van Quickenborne gesagt, die Fahrt des Schiffes müsse „zweifellos im weiteren Kontext des Ukraine-Kriegs betrachtet werden“. Die Motive der Besatzung seien zwar unbekannt, die Regierung in Brüssel sei aber „nicht naiv“.

Ukraine aktuell: Ukrainischer Militärstab meldet Drohnen-Abschüsse

Erstmeldung vom 22. Februar: Kiew – Der ukrainische Armee-Generalstab meldete am Dienstag (21. Februar) den Abschuss dreier russischer Drohnen. Laut dem ukrainischen Generalstab auf Facebook handelte es sich um unbemannte Fluggeräte vom Typ Zala Lancet. Unabhängig prüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

„Im Laufe des Montags verübten wir 16 Gegenanschläge, attackierten ein Luftabwehrsystem und holten drei Lancet-Geschosse vom Himmel“, zitiert das US-Nachrichtenportal aus dem ukrainischen Lagebericht.

Aufnahme vom Oktober 2022: Eine Drohne in der Region Kiew

Ukraine News aktuell: Ampel äußert sich zu Bundeswehr-Sondervermögen

Unterdessen teilte das deutsche Verteidigungsministerium mit, dass aus dem Bundeswehr-Sondertopf etwa ein Drittel „vertraglich gebunden“ sei. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nannte am Mittwoch in Berlin einen Betrag von etwa 30 Milliarden Euro. „Und sobald sozusagen die Ware eingeht, können wir die auch bezahlen“, sagte er. „Wir sind an die Regularien und Gesetze gebunden und dürfen erst zahlen, wenn die Leistung erbracht ist.“ Er nannte die Vollausstattung der Bekleidung, die Bewaffnung von Drohnen und die Beschaffung der US-Tarnkappenjets F-35.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Ukraine aktuell: Bundeswehr-Sondervermögen weiter in der Kritik

Das sogenannte Sondervermögen im Umfang von 100 Milliarden Euro zur besseren Ausrüstung der Bundeswehr war von der Bundesregierung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auf den Weg gebracht worden. Aus der Rüstungsindustrie und dem Bundestag ist wiederholt kritisiert worden, dass die Bestellungen nicht vorankommen. (dpa/AFP/frs)

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