FDP in der Defensive: Lindner verspricht Aufarbeitung der D-Day-Krise
VonNils Thomas Hinsberger
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Franziska Schwarz
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Für FDP-Chef Lindner hat das D-Day-Papier politisch „überhaupt gar keine“ Bedeutung. Liegt er richtig? Heute tritt er vor die Medien.
Update vom 2. Dezember, 15.06 Uhr: Marco Buschmann wurde von Christian Lindner als die „einzig denkbare Option“ für die Position des Generalsekretärs der FDP bezeichnet. Lindner betonte während einer Sitzung des FDP-Gremiums am Montag das tiefe Vertrauen, das zwischen ihm und dem ehemaligen Bundesjustizminister besteht. Es wird erwartet, dass Buschmann am 9. Februar auf dem Bundesparteitag offiziell in sein Amt eingeführt wird.
Update vom 2. Dezember, 14.02 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner und der kommissarische Generalsekretär Marco Buschmann haben eine Aufarbeitung interner Fehler im Zusammenhang mit dem „D-Day“-Papier angekündigt. „Wir werden die Prozess- und Kommunikationsfehler nach dem Scheitern der ‚Ampel‘ aufarbeiten“, sagte Lindner heute nach Gremiensitzungen seiner Partei in Berlin.
Christian Lindner (l), Bundesvorsitzender der FDP, und der neue FDP-Generalsekretär Marco Buschmann äußern sich bei einer Pressekonferenz nach den Gremiensitzungen der Partei.
Auch der designierte Generalsekretär Buschmann sagte: „Wir werden das aufarbeiten.“ Mit Blick auf das streckenweise martialisch formulierte Strategiepapier zum Ampel-Aus warf er die Frage auf: „Wie konnte es dazu kommen, dass eine bestimmte Sprache benutzt wurde?“ Klar müsse aber sein: „Die Regierung ist nicht gescheitert an einzelnen Worten oder einem einzelnen Papier“, sondern an Uneinigkeit in der Wirtschafts- und Haushaltspolitik.
Lindner und Dürr defensiv – Strack-Zimmermann vergleicht D-Day-Krise mit „Lawine“
Erstmeldung: Berlin – Dass Mitarbeiter „Fehler machen“, komme nun einmal vor. Mit derlei Beschwichtigungen versuchen FDP-Chef Christian Lindner und Fraktionschef Christian Dürr jetzt, die Empörung um das „D-Day-Papier“ aus ihrer Partei zu dämpfen. An diesem Montagvormittag (2. Dezember) tagen Präsidium und Bundesvorstand der Partei. Um 13 Uhr ist eine Pressekonferenz mit Lindner und dem designierten FDP-Generalsekretär Marco Buschmann im Hans-Dietrich-Genscher-Haus in Berlin angekündigt.
FDP-Chef Lindner: D-Day-Papier hat „politisch überhaupt gar keine Bedeutung“
Das D-Day-Papier sei zwar ein „Fehler“ gewesen, erklärte Dürr wenige Stunden zuvor im ARD-„Morgenmagazin“. Doch letztendlich seien die Ereignisse ganz anders verlaufen als darin dargestellt. Er selbst habe das Papier nicht gekannt. Mitarbeiter könnten auch Fehler machen, so Dürr. Lindner hingegen erklärte im jüngsten ARD-Talk mit Caren Miosga, in einer Parteigeschäftsstelle „werden doch dutzende Dokumente jeden Tag erstellt“. Er betonte, dass er das D-Day-Papier „nicht zur Kenntnis genommen“ habe. Und: Das Papier habe „politisch überhaupt gar keine Bedeutung“, so Lindner.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
FDP-Chef Lindner wendet sich in Video zur D-Day-Affäre an seine Follower
Darüber hinaus veröffentlichte Lindner am Sonntagabend ein Video auf der Plattform X. In dem Video sagte der FDP-Chef, seine Partei habe sich angesichts der Situation „natürlich auch auf das mögliche Ampel-Aus vorbereitet. So wie unsere Koalitionspartner das auch getan haben.“ Nun seien „Fetzen aus Sitzungen und interne Dokumente“ den Medien zugespielt worden.
„Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen zu Hause ist: Bei uns im geschützten Raum, intern, da wird auch manches gesagt und manches aufgeschrieben, was bei näherer Betrachtung nicht akzeptabel ist“, sagte Lindner in Bezug auf das Papier. „Das bedaure ich.“ Allerdings werde die Medienberichterstattung nun vom „politischen Gegner“ genutzt, um „unsere Glaubwürdigkeit zu zerstören“.
Die FDP hatte das D-Day-Papier am Donnerstag veröffentlicht, nachdem in Medien ausführlich daraus zitiert worden war. Der Begriff „D-Day“ ist darin enthalten, ebenso der Begriff „offene Feldschlacht“. Das Papier skizziert eine Strategie, mit der die FDP noch während ihrer Zugehörigkeit zur „Ampel“ gezielt auf einen Bruch der Koalition hinarbeiten sollte.
Strack-Zimmermann zum D-Day-Papier: FDP „von Lawine überrollt“
Inzwischen hat sich das FDP-Präsidiumsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu dem D-Day-Papier geäußert. Sie kritisierte den internen Umgang der Partei mit den Plänen für den Koalitionsbruch. „Es kam – im Frust, mit dem Kanzler nicht arbeiten zu können – etwas ins Rutschen“, sagte Strack-Zimmermann den RND-Zeitungen von diesem Montag. „Daraus ist eine Lawine geworden, unter der wir kommunikativ begraben worden sind“, sagte sie – und fügte hinzu: „Wir schaufeln uns jetzt wieder frei.“
Strack-Zimmermann verteidigte den FDP-Parteichef. „Christian Lindner bleibt der richtige Parteichef und Spitzenkandidat“, meinte sie. Nach der Veröffentlichung des D-Day-Papiers traten am Freitag der FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai und der Bundesgeschäftsführer Carsten Reymann zurück. (frs mit AFP)