VonAlexander Eser-Rupertischließen
Finanzminister Christian Lindner (FDP) wagt einen Vorstoß beim Fracking. Was würde ein Revival der hochumstrittenen Fördermethode für Niedersachsen bedeuten?
Berlin – Finanzminister Christian Lindner (FDP) will das Förderverfahren des „Frackings“ wieder beleben: Die Methode zur Gewinnung von Gas aus tiefen Gesteinsschichten ist hochumstritten und in Deutschland derzeit teilweise verboten. Der FDP-Chef will das ändern und fordert ein Ende des Verbots. Besonders viele Fördermöglichkeiten finden sich im Bundesland von Stephan Weil (SPD) – in Niedersachsen. Was würde ein Comeback des Frackings für das Bundesland bedeuten, und: Warum ist die Methode überhaupt so umstritten?
Fracking in Deutschland: Finanzminister Christian Lindner (FDP) will Förderverbot aufheben
Beim Thema Fracking in Deutschland vertritt Finanzminister Christian Lindner (FDP) einen ziemlich umstrittenen Standpunkt: Der FDP-Chef will die Fördermethode wiederbeleben, das derzeit noch gültige Verbot aufheben. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Lindner: „Wir haben in Deutschland erhebliche Gasvorkommen, die gewonnen werden können, ohne das Trinkwasser zu gefährden.“ Er hält die Gewinnung von Gas auf diesem Wege für „auch unter ökologischen Voraussetzungen verantwortbar“.
Im Gespräch mit den Zeitungen der Funke-Gruppe konnte sich der Finanzminister auch einen Seitenhieb in Richtung Fracking-Gegner nicht verkneifen: „Es wäre eher nicht verantwortbar, aus ideologischen Festlegungen auf Fracking zu verzichten“, so Lindner. Er erneuert damit seine Forderungen zur Wiederbelebung der Fördermethode.
Fracking-Gas: Viele Förderstellen für Fracking in Niedersachsen
Lindner will Schiefergas in Deutschland wieder durch Fracking fördern lassen. Für Niedersachsen ist dieser Vorstoß interessant, denn besonders große Erdgasvorkommen finden sich im Bundesland von Stephan Weil (SPD). Der wiederum schließt die Förderung von Fracking-Gas in seinem Land kategorisch aus. Im Zuge der Niedersachsen-Wahl 2022 hatte Weil dem Spiegel gesagt: „Kein Umweltthema bringt die Leute so auf die Palme wie Fracking.“ Dass unkonventionelles Fracking aus Schiefergestein seit 2017 verboten sei, wäre „auch gut so“, so Weil. Er beruft sich auf die Erfahrungen beim Fracking in Niedersachsen aus der Vergangenheit.
Was ist Fracking? Die Fracking-Methode einfach erklärt:
Kurz gesagt: Beim Fracking wird ein Gemisch aus Chemikalien, Stützmitteln und Wasser unter Hochdruck durch ein Bohrloch in tiefe Gesteinsschichten gepresst, dadurch entstehen Brüche. Durch diese Risse im Gestein gelangt das Gas oder Öl an die Oberfläche. Unterschieden wird zwischen konventionellem und unkonventionellem Fracking – eines ist nicht verboten, das andere schon.
Konventionelles Fracking:
Seit den 60er-Jahren wird in Deutschland durch konventionelles Fracking Erdgas aus Sandstein gewonnen, allerdings sind Lagerstätten inzwischen erschöpft. Das konventionelle Fracking unterliegt strengen Regelungen. In bestimmten Gebieten, wie an Seen und Talsperren zu Trinkwasserversorgung, ist die Förderung verboten.
Unkonventionelles Fracking:
Unkonventionelles Fracking ist in Deutschland hingegen verboten. „Unkonventionelles Fracking“ meint die Gewinnung aus unkonventionellen Lagerstätten wie Schiefer-, Mergel-, Ton und Kohleflözgestein. Gas, was dort gebunden ist, lässt sich schwieriger fördern, mit entsprechenden Risiken: Das Gestein muss weiträumiger aufgebrochen werden, es bedarf massiver Querbohrungen. Die Erfahrungswerte in diesem Bereich sind in Deutschland gering.
Rot-Grün will sich derweil auf erneuerbare Energien konzentrieren. Weil betont: „Es gibt 300 Förderstellen, an denen früher Gas gewonnen wurde, indem man große Mengen Chemie in die Tiefe gepresst hat.“ Weil sagt zudem: „Fracking leistet keinen Beitrag“. Hinzu kommt: Durch die zahlreichen Förderstellen in Niedersachsen wäre das Land in besonders hohem Maße von den Risiken betroffen. Welche sind das?
Lindner, Fracking und die Risiken der Fördermethode: Warum Fracking so umstritten ist
Lindners-Fracking Vorstoß dürfte nicht auf Begeisterungsstürme treffen, denn die Fördermethode bleibt umstritten. Seit 2017 ist Fracking in Deutschland teilweise verboten, der Grund: Die Fördermethode birgt Risiken für Grundwasser und Trinkwassergewinnung. Einige der verwendeten Chemikalien sind giftig, weshalb Fracking die Umwelt und das Grundwasser potenziell gefährdet. Umstritten ist unter anderem die Frage, ob sich ein Bohrloch so abdichten lässt, dass die Verunreinigung durchbohrter Grundwasserschichten definitiv verhindert werden kann. Laut Bundesumweltamt werden inzwischen lediglich Gemische eingesetzt, „die nicht oder maximal schwach wassergefährdend sind“, doch es bleiben viele Fragen offen.
Auch die Liste weiterer Probleme und Nachteile beim Fracking ist lang: Der Wasserverbrauch ist hoch, die Erdbebengefahr steigt und Methan kann im Zuge des unkonventionellen Frackings aus Bohrlöchern entweichen. Eingesetzte Chemikalien können sich mit Stoffen aus der tiefen Erde verbinden und so andere problematische Stoffe entstehen lassen. Streit gibt es zudem um den Umgang mit der zurückgeflossenen, chemisch versetzten Förderflüssigkeit. Also – warum ist Fracking verboten? Kurzum, wegen Gefahren für Mensch und Natur. Einige Experten glauben, aktuelle Förderverfahren seien weniger riskant als in der Vergangenheit, doch das sehen viele anders, zudem gibt es weiter viele offene Fragen. Ob Lindners Vorstoß daher Früchte tragen wird, darf bezweifelt werden.
Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

