Linken-Politiker kritisiert Boris Palmer für AfD-Gespräch – „biedert sich als Helfer der Faschisten an“
VonJulian Baumann
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Boris Palmer hält das kritisierte Streitgespräch mit AfD-Landeschef Frohnmaier für einen wichtigen Diskursbeitrag. Linken-Politiker Pantisano widerspricht scharf.
Tübingen – Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ist dafür bekannt, immer wieder anzuecken, und fiel in der Vergangenheit auch immer wieder mit Aussagen auf, die von mehreren Seiten als rassistisch ausgelegt wurden. Aktuell macht ein geplantes Streitgespräch zwischen dem parteilosen Rathauschef der Universitätsstadt und dem AfD-Landeschef Markus Frohnmaier Schlagzeilen. Die AfD hatte eine geplante Demonstration in Tübingen abgesagt, im Gegenzug stellt sich Palmer am 5. September dem Diskurs. Deutliche Kritik kommt nun von dem Stuttgarter Bundestagsabgeordneten Luigi Pantisano (Die Linke).
Boris Palmer hatte auf Facebook deutlich gemacht, eine Regierungsbeteiligung der AfD strikt abzulehnen und die Brandmauer zu begrüßen. Zugleich erklärte er aber auch, dass ein politischer Diskurs zu einer Demokratie gehöre. Für neues Feuer in der Sache sorgte, dass die AfD bereits im Vorfeld 100 Plätze herausgehandelt hat und damit ihre Anhänger in eine Stadt bringt, in der die Partei bislang überhaupt nicht Fuß fassen konnte. In Tübingen hatte die AfD bei der Bundestagswahl 2025 so schlecht abgeschnitten, wie in keiner anderen Stadt.
Linken-Politiker Pantisano: „Boris Palmer schenkt der rechtsextremen AfD die große Bühne“
In besagtem Facebook-Post erklärte Boris Palmer weiter, dass man bei einer politischen Diskussion dem Kontrahenten kaum verbieten könne, wenigstens ein paar Unterstützer einzuladen. Zugleich warnte er vor einer Blockade der Sitze in der Tübinger Hermann-Hepper-Halle. „Die Blockade-Idee nützt nur der AfD, sonst niemand“, so Palmer. Linken-Politiker Pantisano ist da ganz anderer Meinung. „Palmer schenkt der rechtsextremen AfD die große Bühne“, schreibt er auf X. „Blockaden, die solchen braunen Dreck verhindern, wären das einzig Richtige!“
Palmer schenkt der rechtsextremen AfD die große Bühne. Blockaden, die solchen braunen Dreck verhindern wären das einzig richtige! Er biedert sich selbst als williger Helfer der Faschisten an. Er ist ein Paradebeispiel für „den Deutschen“, der nach 45 nichts gewusst haben will. pic.twitter.com/L3RK3VnTG0
Der langjährige Stuttgarter Stadtrat, der nach dem Erfolg der Linkspartei bei der Bundestagswahl erstmals in den Bundestag eingezogen war, geht in seinem X-Post noch ein ganzes Stück weiter. Boris Palmer „biedert sich selbst als williger Helfer der Faschisten an“, schreibt Luigi Pantisano. „Er ist ein Paradebeispiel für ‚den Deutschen‘, der nach 45 nichts gewusst haben will.“ Damit spielt der Politiker darauf an, dass manche Menschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945, angaben, von den Machenschaften der Nationalsozialisten nichts gewusst zu haben.
Boris Palmer: Der polarisierende Oberbürgermeister der Stadt Tübingen
Linken-Politiker mit harschen Worten – Kritik an AfD-Gespräch kam aber auch von SPD und Grünen
Dass Linken-Politiker auf Debatten mit Teilnahme der AfD besonders empfindlich reagieren, ist nachzuvollziehen. Luigi Pantisano findet seit seinem Einzug in den Bundestag oftmals aber besonders drastische Worte und machte jüngst auch selbst publik, dass er von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) einen Ordnungsruf erhalten habe, weil er „einen AfDler zu Recht der Lüge“ bezichtigt habe. Kritik an dem Streitgespräch zwischen Palmer und Frohnmaier, der im Übrigen auch Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Baden-Württemberg im kommenden Jahr ist, kam aber auch bereits von SPD und Grünen.
Zuletzt berichtete unsere Redaktion, dass Boris Palmer von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine Antwort auf einen im März verschickten Brandbrief erhalten hat.