Schiene und Straße

Linken-Politiker schimpft über Verkehrsministerium und Bahn – „seit Jahrzehnten Versager am Werk“

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Seit Jahren sorgen die Bahn-Probleme für anhaltende Debatten. Luigi Pantisano (Die Linke), Bundestagsabgeordneter aus Stuttgart, findet klare Worte und kritisiert das Verkehrsministerium deutlich.

Stuttgart – Die Zug-Pünktlichkeit in Bayern ist derzeit so schlecht, wie seit 30 Jahren nicht mehr, und der unpünktlichste Zug in ganz Deutschland endet in Baden-Württemberg. Die Zuverlässigkeit des Staatskonzerns wird seit langem massiv kritisiert und debattiert und landet auch immer wieder als Thema im Bundestag. Der frisch gebackene Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano (Die Linke) ist einer der Kritiker, der nun erneut mehr als deutliche Worte fand und dabei auch das Verkehrsministerium nicht verschonte.

Stuttgart 21 – Die Entwicklung des größten Bauprojekts in Deutschland

Dreiermontage aus symbolischem Baustart, Bauvorgang und simulierter Computergrafik von Stuttgart 21
Rund 30 Jahre nimmt der noch unvollendete Bau des größten Bauprojekts Deutschlands in Anspruch. Wir haben die wichtigsten Etappen in einer Fotostrecke zusammengefasst. © Fotomontage: Picture Alliance/Bernd Weissbrod/dpa l DB/dpa
Stuttgarter Hauptbahnhof Archivfoto
16.01.1995: Bund, Land und Stadt präsentieren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zum Umbau des 17-gleisigen Kopfbahnhofs in einen achtgleisigen Durchgangsbahnhof mit unterirdischem Ring an Zufahrtsstrecken – hier ein letzter Blick auf den Kopfbahnhof in seiner ursprünglichen Form. © Bernd Weißbrod/dpa
Erörterungsverhandlung Stuttgart 21 Vorstellung Modell
04.11.1997: Das Düsseldorfer Architekturbüro Ingenhoven, Overdiek, Kahlen und Partner gewinnt die Ausschreibung für das Modell des neuen Bahnhofs – mit einstimmigem Beschluss. © Norbert Försterling/dpa
Dreiermontage von Ulrich Müller, Boris Palmer und Cem Özdemir
1999-2010: Proteste und Diskussionen um die finanzielle und ökologische Machbarkeit legen das Projekt auf Eis. Stuttgart 21 scheint zum Scheitern verurteilt, bis... © Norbert Försterling/dpa l IMAGO/Horst Rudel l Bernd Weissbrod/dpa
Stuttgart 21 offizieller Baubeginn
... Verantwortliche von Politik und Bahn, die Projektgegner gern als „Stuttgarter Connection“ bezeichnen, am 02.02.2010 den symbolischen Startknopf für den Baubeginn von Stuttgart 21 drücken. Vor allem der damalige Ministerpräsident, Günther Oettinger (CDU; 2.v.l.), und der ehemalige Bahnchef, Rüdiger Grube (3.v.l.) werden noch erhebliche Kritik ernten. © Bernd Weissbrod/dpa
Bauarbeiter installieren Strommast auf Stuttgarter Bahnhofsgelände
06.02.2010: Mit dem Aufstellen eines Masts beginnen die ersten offiziellen Bauarbeiten für Stuttgart 21. © Bernd Weissbrod/dpa
Stuttgart 21 Gegner besetzen Nordflügel Stuttgart Bahnhof
26.07.2010: Die Protestaktionen werden radikaler. Projektgegner besetzen den Nordflügel, um dessen Abriss zu verhindern. © Bernd Weissbrod/dpa
Stuttgart 21 - Abriss des Nordflügels
25.08.2010: Die Besetzung des Nordflügels blieb ohne Erfolg. Die Abrissarbeiten sind mittlerweile im Gange. © Uwe Anspach/dpa
Wasserwerfer und Demonstranten bei Stuttgart 21 Protest
30.09.2010: Die Behörden reagieren auf zunehmende Protestaktionen mit erhöhter Gewaltbereitschaft. Polizeikräfte verdrängen mit Wasserwerfern Umweltschützer vom Gebiet des Schlossgartens, wobei der Demonstrant Dietrich Wagner ein Auge verlor. Der Tag ging in die Geschichte als „Schwarzer Donnerstag“ ein. © Marijan Murat/dpa
Claudie Roth bei Protest gegen Stuttgart 21
02.10.2010: Der „Schwarze Donnerstag“ zieht große Protestaktionen gegen Polizeigewalt und den Bau von Stuttgart 21 nach sich. Claudia Roth, ehemalige Parteivorsitzende der Grünen, war ganz vorne mit dabei. © IMAGO/Star-Media
Polizeikräfte bergen Umweltschützer aus besetztem Baum
15.02.2012: Umweltschützer klammern sich verzweifelt an die letzten zu fällenden Bäume auf dem Gebiet des Schlossgartens – vergeblich. © IMAGO/PPfotodesign
Baum wird aus Erde gehoben
23.02.2012: Die Baumverpflanzungs- und Rodungsarbeiten sind in vollem Gange. © IMAGO/PPfotodesign
Demonstranten besetzen Südflügel Stuttgartbahnhof während Abrissarbeiten
12.03.2012: Die Protestierenden geben nicht nach. Erneut wird ein Teil des Bahnhofs besetzt – diesmal der Südflügel. © IMAGO/PPfotodesign
Milaneo Bauarbeiten
08.05.2013: Die Bauarbeiten für das Milaneo-Einkaufszentrum im neuen Europaviertel sind in vollem Gange. Die Lebensgefährtin des Stuttgart-21-Mitinitiators und ehemaligen Ministerpräsidenten, Günther Oettinger, sitzt im Vorstand der für den Bau verantwortlichen Stiftung. © IMAGO/Horst Rudel
S 21 Baustelle am Hauptbahnhof Stuttgart Kelchstütze
01.09.2016: Die erste Kelchstütze wird einbetoniert. Am Ende stützen 23 der 2000 Tonnen schweren Betontrichter das Dach des Tiefbahnhofs und versorgen diesen mit natürlichem Licht durch deren Glaskuppeln am oberen Ende. © IMAGO/Lichtgut
Grundsteinlegung Stuttgart 21
16.09.2016: Offizielle Grundsteinlegung auf dem Gelände des geplanten Tiefbahnhofs. © IMAGO/7aktuell
Erster S21 Tunneldurchschlag in Stuttgart
19.12.2016: Der erste Tunneldurchschlag im Projekt Stuttgart 21 ist gelungen. Die ersten 3,8 Kilometer des über 56 Kilometer langen Tunnelnetzwerks sind vollendet. © IMAGO/7aktuell
Bau Filstalbrücke
04.02.2018: Auf der Strecke Stuttgart-Ulm wird eine Brücke über das Filstal gebaut. Mit 85 Metern soll sie die dritthöchste Eisenbahnbrücke in ganz Deutschland werden. © IMAGO/Michael Weber
Bahnhauptdirektion Stuttgart auf Keilstützen während Umbauarbeiten im Rahmen von Stuttgart 21
29.01.2019: 15.000 Tonnen Denkmal auf Stelzen – mit Keilstützen sollen Bauvorhaben und Denkmalschutz in Einklang gebracht werden. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Projektion auf Bonatzbau zum 500. Jubiläum von Anti-Stuttgart-21-Demos
03.02.2020: Die Montagsdemonstrationen vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof feiern ihr 500. Jubiläum. © IMAGO/rnulf Hettrich
Mercedes-Stern auf dem Bahnhofsturm abgebaut
25.03.2021: Der Mercedes-Stern auf dem Dach des denkmalgeschützten Bonatzbaus wechselt nach 69 Jahren seine Heimat. Seither steht er vor dem Mercedes-Benz-Museum in Bad Cannstatt. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Bonatzbau mit eingestürzten Teilen der Fassade
17.08.2021: Der Denkmalschutz am Stuttgarter Bahnhof hinkt. Die Grabungsarbeiten, die gerade mal zehn Meter unter der Oberfläche stattfinden, haben Teile des Bonatzbaus zum Einsturz gebracht. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Letzter vollendeter Tunnel Stuttgart 21
14.09.2023: Der letzte Tunnel des 56 Kilometer langen Netzwerks ist gebohrt. Im Aufsichtsrat des beauftragten Tunnelmaschinen-Herstellers, Herrenknecht AG, saß der ehemalige Bahnchef Rüdiger Grube von 2018 bis 2020. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Verunstaltetes Hinweisschild der DB
08.12.2023: Die Umbauarbeiten und die Schließung des Bonatzbaus erschweren die Erreichbarkeit der Gleise. Das führt zu Unzufriedenheit bei vielen Pendlern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
banner vor stuttgarter hauptbahnhof
19.06.2024: Die Bauarbeiten führen fortlaufend zu Streckensperrungen und Verkehrsbehinderungen. Demonstranten entschuldigen sich während der Fußball-EM mit einem Banner bei anreisenden Fußballfans. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Schweißarbeiten an Schienen in der Kathedrale des neuen Stuttgarter Tiefbahnhofs
01.04.2025: Schweißarbeit in der „Kathedrale“ – die letzten Schienen werden im Tiefbahnhof von Stuttgart 21 verbunden. Das elf Milliarden Euro teure Projekt soll Ende 2026 ans Netz gehen. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Linken-Politiker rechnet mit Bahn und Verkehrsministerium ab – „völlig verfehlt“

Auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) berichtet der frühere Stuttgarter Stadtrat von seiner Erfahrung auf der Fahrt mit der Bahn von Stuttgart nach Konstanz (Baden-Württemberg). „Alles war dabei, nur kein pünktlicher Zug“, so Pantisano. „Verspätungen von 2 Stunden. Zugausfälle. Überfüllte Züge. Viele Familien mit Kindern.“ Der Tenor bei diesen sei gewesen, dass die Kinder ihren Eltern vorschlugen, beim nächsten Mal doch lieber das Auto zu nehmen. „Ich hasse Verspätungen, wie ich auch Staus hasse“, macht der Politiker deutlich.

Pantisano hatte bereits bei seiner ersten Rede im Bundestag vor wenigen Tagen mit der Verkehrspolitik der CDU und ihrem neuen Minister, Patrick Schnieder, abgerechnet. Die Probleme der deutschen Infrastruktur, sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene, liegen laut dem Linken-Politiker aber tiefer. „Die Verkehrspolitik im Land ist völlig verfehlt“, macht er deutlich. „Vom Verkehrsminister bis zum Bahnvorstand sind seit Jahrzehnten Versager am Werk.“

Linke ist für deutliche Worte bekannt – Kritik an der Bahn kommt aber nicht von ungefähr

Die Linke ist dafür bekannt, in Bezug auf die Kritik an der neuen Bundesregierung kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Pantisano hatte beispielsweise auch nach der Berlin-Wahl im Jahr 2023 SPD und CDU mit deutlichen Worten angegriffen. In dem aktuellen X-Post führt er weiterhin aus, dass in den Verantwortungspositionen Menschen tätig seien, die „keine Ahnung haben von Bahnpolitik“ und dass dies letztendlich nur der Autolobby in die Hände spielen würde. „Das Klima geht gleichzeitig vor die Hunde. Zum Kotzen!“

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano (links) rechnet mit der deutschen Verkehrspolitik ab.

Die Kritik an der Deutschen Bahn kommt allerdings nicht von ungefähr, da der Staatskonzern bereits seit Jahren die eigenen Negativrekorde übertrifft. Im Jahr 2022 war beispielsweise jeder dritte Fernzug unpünktlich. Das muss sich am Ende eben auch das Verkehrsministerium auf die Fahnen schreiben. Dieses trifft übrigens auch im Ländle selbst immer wieder auf Kritik. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) irritierte beispielsweise jüngst mit einer Aussage zu Mercedes-Benz.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Political-Moments/pictureteam

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