Anschlag mit 270 Todesopfern

Fast 35 Jahre nach Lockerbie: Schlüsselfigur festgenommen? Ex-Geheimdienstler soll vor Gericht

+
Ein Bild vom Anschlagsort: Polizeikräfte stehen neben der zerstörten Maschine.
  • schließen

Ein Mann soll sich wegen des Lockerbie-Anschlags demnächst vor Gericht verantworten. Abu Agila Masud steht im Verdacht, die Bombe gebaut zu haben, die 270 Menschenleben kostete.

München - 34 Jahre nach dem Lockerbie-Anschlag wird die Terrorattacke wohl wieder ein Fall für die Justiz. Die Familien der Todesopfer sind von der schottischen Staatsanwaltschaft darüber informiert worden, dass ein Libyer in Gewahrsam genommen worden sei. Das berichten die BBC und die britische Nachrichtenagentur PA. Der Festgenommene soll die Bombe gebaut haben, die den Flieger der Pan American World Airways zerstörte und den Absturz mit 270 Todesopfern – darunter vier Deutsche – verursachte.

Bereits vor zwei Jahren hatten die USA – aus den Vereinigten Staaten kamen 190 der Opfer – eine Anklage gegen Abu Agila Masud angekündigt, der eine Schlüsselrolle bei dem nie ganz aufgeklärten Anschlag gespielt haben soll. Im vergangenen Monat hatte es Berichte gegeben, der Verdächtige sei von einer Milizgruppe in Libyen entführt worden. Bereits damals waren Gerüchte aufgekommen, er müsse sich in den USA vor einem Gericht verantworten.

Wie ein Sprecher des US-Justizministeriums der Agentur Reuters sagte, wird Masud erstmals vor einem Bundesgericht erscheinen. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen ehemaligen hochrangigen Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes.

Video zum 32. Jahrestag 2020: Mutmaßlicher Bombenbauer wegen Lockerbie-Anschlag angeklagt

Lockerbie-Anschlag: Einziger Verurteilter mittlerweile gestorben

Die Hintergründe des verheerendsten Anschlags auf britischem Boden wurden nie ganz aufgeklärt. Bislang wurde einzig Abdel Baset al-Megrahi zur Verantwortung gezogen. Der einstige libysche Geheimdienstoffizier war 2001 von einem schottischen Gericht in den Niederlanden – dort lebte er unter Arrest – wegen Massenmordes zu lebenslanger Haft verurteilt, wegen einer schweren Prostatakrebs-Erkrankung jedoch im August 2009 entlassen worden. 2012 starb er.

Megrahi hatte stets seine Unschuld beteuert. Er legte zweimal Berufung gegen das Urteil ein, eine davon blieb jedoch erfolglos, während die zweite aufgegeben wurde. Sein ebenfalls angeklagter Landsmann Lamin Chalifah Fhimah wurde freigesprochen.

Nun wird dem Sprecher der schottischen Staatsanwaltschaft zufolge gemeinsam mit der Polizei, der britischen Regierung und den US-Anwälten daran gearbeitet, Masud vor Gericht zu bringen. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. (mg)

Kommentare