Ukraine-Krieg

Alexander Lukaschenko: Der unberechenbare Putin-Verbündete

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Er gilt als Marionette von Putin: Alexander Lukaschenko. Dank Russland kann er sich in Belarus als Präsident halten. Im Ukraine-Krieg muss er nun zurückzahlen.

Minsk – Alexander Lukaschenko hat Belarus autoritär umgestaltet: Neben der Opposition brachte er nicht nur die kritische Presse, sondern auch die Zivilgesellschaft zum Schweigen. Der Mann, der sein Land seit 1994 regiert, ist ein Partner von Russlands Präsident Wladimir Putin. Zur Wahrheit gehört jedoch, dass er lange Zeit auch vom Westen finanziell gefördert wurde – ein lupenreiner Demokrat war er auch damals nicht. Ein Überblick zur Person Alexander Lukaschenko, der plötzlich auch im Ukraine-Krieg als Verhandler auftaucht.

Name:Alexander Lukaschenko
Alter:67 Jahre
Funktion:Präsident von Belarus
Im Amt seit:1994

Alexander Lukaschenko: Trotz manipulierter Wahl hält sich der Präsident von Belarus an der Macht – auch dank Russland

Korruption, Repressionen gegen Kritiker und politische Machenschaften – dieses Bild begleitet Alexander Lukaschenko im Prinzip seit 1994. Damals wurde er zum ersten Präsidenten von Belarus gewählt. Jedoch machten Gerüchte um Wahlfälschung die Runde. Ebenso wie 2020, als sich der Langzeit-Präsident im Amt bestätigen ließ und damit den Volkszorn zum Überkochen brachte.

Die Bilder gingen um die Welt: Massenproteste gegen Lukaschenko, die jedoch unter Anwendung massivster staatlicher Gewalt zerschlagen wurden. Lukaschenko zeigte mit deutlicher Rückendeckung des Kreml, dass ein Regierungswechsel nicht infrage kommt. Aktivisten der Opposition erhielten nicht selten zweistellige Haftstrafen, Protestkundgebungen wurden angegriffen. Seinen ehemaligen Widersacher bei der Präsidentschaftswahl 2020, Sergej Tichanowski, hatte die Justiz wegen „Organisation von Massenunruhen“ verurteilt – die drei Monate nach dessen Inhaftierung begannen.

Alexander Lukaschenko privat: Das ist über Vermögen, Frau und Sohn bekannt

Wegen der vielen Wahlfälschungen und Menschenrechtsverletzung wurde Alexander Lukaschenko bereits im Jahr 2006 von der europäischen Politik mit Sanktionen belegt. Unter anderem fror die Europäischen Union (EU) seine Konten ein. Zwar gibt es ähnlich wie bei Putin keine genauen Hinweise über sein Vermögen, aber es wird vermutet, dass Lukaschenko zu den reichsten Politikern der Welt zählt. Seit 2020 stehen auch seine Söhne und 40 Politiker aus dem näheren Umfeld des Präsidenten auf der EU-Sanktionsliste.

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko steht im Ukraine-Krieg an der Seite Putins. (Symbolbild)

Aus seiner ersten Ehe mit Halina Lukaschenka hat Alexander Lukaschenko zwei Söhne: Dsmitryj ist Unternehmer, der jüngere Bruder Wiktar ist ebenfalls in der Politik aktiv. Mittlerweile lebt das Paar aber getrennt. Aus einer anderen Beziehung mit einer unbekannten Frau hat der Machthaber aber seit 2004 auch noch einen dritten Sohn: Mikalaj. Im Gegensatz zur Mutter wird der Sohn nicht verheimlicht. Seit dessen Kindheitstagen zeigt sich der Machthaber mit ihm bei offiziellen Veranstaltungen.

Verbündeter und Vasall: Lukaschenko schuldet Putin was – Im Ukraine-Krieg steht der Diktator an Russlands Seite

Da der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko sich zuletzt aber nur mithilfe aus dem Kreml an der Macht halten konnte, haben sich die Spielräume des Machthabers gegenüber Russland deutlich verringert: Lange verwehrte er sich gegen die Anerkennung der Krim als russisch, hatte dann jedoch nachgegeben. Auch eine Absichtserklärung zur engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland hatte er in der Folge unterschrieben. Lukaschenko musste für die Unterstützung des Kreml einen Preis zahlen – dafür blieb er an der Macht. Böse Zungen behaupten mittlerweile, er sei nur noch die Marionette von Putin.

Der Autokrat Alexander Lukaschenko gilt als schwer berechenbar. Lange Zeit verfolgte er eine Politik, in der er günstig Rohstoffe aus Russland bezog und sich zugleich vom Westen finanziell fördern ließ. Der Westen hoffte mit Lukaschenko auf einen östlichen Partner – mit welchem Erfolg, ist bekannt. Wie der Freitag berichtet, gilt der Belarusse seinem russischen Gegenüber allerdings auch jetzt nicht als der verlässlichste Partner. Im letzten Jahr vertrieb er eine Kreml-nahe Zeitung aus dem Land, trotz enger Kooperation mit Russland. Nichtsdestotrotz steht Lukaschenko besonders nach den Protesten gegen ihn in noch engerer Abhängigkeit von Russland und Wladimir Putin.

Umstrittenes Referendum im Schatten des Ukraine-Konflikts: Ergebnis bringt Lukaschenko noch mehr Machtbefugnisse

Im Zuge des Krieges in der Ukraine hat sich der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko in einem Referendum beinahe unbemerkt weitere Machtbefugnisse verschafft. Lukaschenko setzte eine Verfassungsänderung durch, die ihm nicht nur eine weitere Amtszeit ermöglicht, sondern überdies auch lebenslange Straffreiheit nach Beendigung seiner politischen Karriere gewährt. Auch im Zuge des Referendums hatte es erneut hunderte Verhaftungen von Lukaschenko-Gegnern gegeben.

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Krieg in der Ukraine: Friedensverhandlungen finden in Belarus statt und Lukaschenko spielt den Vermittler

In den Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine kurz nach Ausbruchs des Kriegs spielt auch Alexander Lukaschenko eine Rolle: Er erklärte sich nach Rücksprache mit Russlands Präsident Putin bereit, den Rahmen für die Gespräche zu stellen. Seit Kriegsbeginn agierten russische Truppen im Ukraine-Krieg zudem von Belarus aus. Außerdem gab es einige Medienberichte, wonach Fallschirmjäger aus Belarus die russischen Truppen im Kampf um die Einnahme Kiews unterstützen – auch wenn Lukaschenko das bestreitet.

Am Ende ist aber klar: Lukaschenko ist nur noch einer der wenigen Verbündeten, den Putin im Ukraine-Konflikt an seine Seite zwingen kann. Zunehmend gerät der russische Zar in die internationale Isolation. Nachdem Russland indirekt mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht hatte, rückte sogar China Anfang März erstmals mehr oder minder deutlich von Putin ab. Nur einer schwieg: Alexander Lukaschenko. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Maxim Guchek/dpa

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