VonJakob Kochschließen
Der entmachtete Venezuela-Präsident Maduro lässt Botschaft aus New Yorker Haft überbringen. In seiner Heimat scheint die Unterstützung abzunehmen.
New York – Eine Woche nach seiner spektakulären Festnahme durch US-Spezialkräfte in Caracas durchbricht Nicolas Maduro das Schweigen. Sein Sohn Nicolas Maduro Guerra verbreitete die Worte seines Vaters am Samstag in einem Video der venezolanischen Regierungspartei PSUV. Die knappe Nachricht ist das erste Lebenszeichen seit der Verhaftung bei dem US-Militäreinsatz am 3. Januar.
Maduros Haft in berüchtigtem Brooklyn-Gefängnis – eines der härtesten Gefängnisse der USA
Aus seiner Gefängniszelle in New York lässt der entmachtete venezolanische Präsident demnach ausrichten: „Uns geht es gut. Wir sind Kämpfer.“ Demnach sagte der 63-Jährige zu seinen Anwälten im berüchtigten Metropolitan Detention Center in Brooklyn: „Seid nicht traurig.“
Das Metropolitan Detention Center, in dem Maduro und seine Frau Cilia Flores untergebracht sind, gilt als eines der härtesten Gefängnisse der USA. US-Medien berichten von „ständigen Ausgangssperren, medizinischer Fehlbehandlung und verpfuschten Krebsdiagnosen sowie Beschwerden über von Maden befallenes Essen“. Maduro wird vermutlich in der Sondereinheit des Gefängnisses festgehalten, wo Häftlinge 23 Stunden täglich in Einzelhaft verbringen. In derselben Haftanstalt sitzen prominente Gefangene wie Sean „Diddy“ Combs und der UnitedHealth-Attentäter Luigi Mangione ein. Richter weigern sich regelmäßig, weitere Häftlinge dorthin zu schicken – die Bedingungen gelten als unmenschlich.
Bei seinem ersten Gerichtstermin in Manhattan hatte Maduro seine Unschuld beteuert und sich als Kriegsgefangener bezeichnet. „Ich bin unschuldig. Ich bin Präsident von Venezuela und ich wurde gekidnappt“, rief er dem Richter zu, bevor dieser die vier Anklagepunkte wegen Drogenterrorismus und Verschwörung zum Kokainimport verlas. Sowohl Maduro als auch seine ebenfalls inhaftierte Frau Cilia Flores plädierten auf „nicht schuldig“. Die nächste Anhörung ist für Mitte März angesetzt. Falls verurteilt, drohen dem ehemaligen Staatschef mehrere Jahrzehnte Haft.
USA übernehmen Kontrolle über Ölgeschäft – kaum Proteste in Venezuela
In der venezolanischen Hauptstadt gingen unterdessen nur rund 1000 Maduro-Anhänger auf die Straße – deutlich weniger als bei früheren Demonstrationen. Bewaffnete regierungstreue Zivilisten errichteten Straßensperren und durchsuchten Fahrzeuge nach US-Bürgern. Hochrangige Regierungsvertreter blieben den Protesten jedoch fern. Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez, die am Montag formal vereidigt wurde, nahm stattdessen an einer Landwirtschaftsmesse teil und versprach: „Ich werde keine Minute ruhen, bis wir unseren Präsidenten wiederhaben.“
Die Trump-Regierung kündigte bereits Milliardeninvestitionen amerikanischer Ölkonzerne in Venezuela an und übernahm die Kontrolle über den venezolanischen Ölverkauf. Kritiker werfen Donald Trump vor, Venezuela nur wegen seiner Ölreserven angegriffen zu haben – die Drogenvorwürfe gegen Maduro seien bloß ein Vorwand gewesen. Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Bei der kürzlichen Pressekonferenz kam es zu einem kuriosen Moment: Trump las einen geheimen Minister-Zettel laut vor – „Was sagst du hier? (Quellen: npr.org, cnn.com, reuters.com, apnews.com) (jkk).
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