Anrufe von Fake-Biden schüren Sorgen – Trumps Team reagiert
VonFranziska Schwarz
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Heute stimmen auch die Demokraten in New Hampshire ab. Die Vorwahlen vor der US-Wahl 2024 sind wichtig – und sollen wohl sabotiert werden.
Concord – Joe Biden klingelt durch und sagt einem, dass man zu Hause bleiben soll: Solche Anrufe erhalten aktuell Demokraten in New Hampshire. Die Stimme des US-Präsidenten rät ihnen dabei, nicht an den Vorwahlen in New Hampshire teilzunehmen. Allerdings sind die Anrufe eine Fälschung; die automatisierte Stimme klingt Biden nur zum Verwechseln ähnlich. Nun wächst die Angst vor Manipulationen mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) vor der US-Wahl 2024.
Dem Sender CBS News liegt so ein Anruf in einer Aufnahme vor. Die KI-Stimme rät laut dem Bericht, seine Stimme „aufzusparen“ und lieber bis November zu warten. „Die Abstimmung an diesem Dienstag hilft den Republikanern nur dabei, Donald Trump erneut zu wählen“, heißt es demnach in dem Anruf. Die eigene Stimme mache aber erst bei der Präsidentschaftswahl am 5. November „einen Unterschied“. Das Wahlkampfteam von Donald Trump teilte CBS News auf Anfrage mit, nichts mit den Fake-Anrufen zu tun zu haben.
Fake-Biden ruft im US-Wahlkampf an: „Ich bin angewidert und wütend“
Die Absender-Informationen bei den Anrufen wurden ebenfalls gefälscht, sodass sie von einem politischen Komitee von Bidens Demokratischer Partei zu kommen schienen, wie die Generalstaatsanwaltschaft von New Hampshire laut der Nachrichtenagentur dpa mitteilte.
„Ich bin angewidert und wütend“, sagte die Kathy Sullivan, ehemalige Vorsitzende der Demokraten in New Hampshire, der Washington Post. Die Absicht hinter den KI-Anrufen, die Abstimmungen innerhalb der Primaries in New Hampshire der Demokraten zu „unterdrücken“, sei eine „unverzeihliche Sünde“. Das Wahlkampfteam von Biden teilte der Zeitung mit, eine Aufnahme der Fake-Anrufe werde an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.
Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus
Vorwahlen der Republikaner und der Demokraten in New Hampshire
Bei der Abstimmung der Republikaner in New Hampshire könnte Trump laut Umfragen triumphieren. Auch die Demokraten halten an diesem Dienstag (23. Januar) ihre Präsidentschaftsvorwahlen in New Hampshire ab. Amtsinhaber Biden steht jedoch praktisch schon als Kandidat fest, er hat keine ernsthaften Konkurrenten.
KI-Fakes im US-Wahlkampf: Ermittler stehen vor Schwierigkeiten
„Robocalls“ sind übrigens sind ein gängiges Wahlkampf-Instrument in den USA, erinnerte die Washington Post. Im Jahr 2020 habe es eine „Flut an Anrufen und Textnachrichten“ an Wahlberechtigte gegeben. Sie wurden aufgefordert, „zu Hause zu bleiben“. Staatliche und bundesstaatliche Ermittlungen folgten, doch die Ermittler warnten damals, dass es „schwierig“ sein würde, die Verantwortlichen ausfindig zu machen.
US-Wahl 2024: Stimmen werben mithilfe einer „Armee aus Bots“?
Software auf Basis von KI kann mithilfe von Tonaufnahmen darauf trainiert werden, beliebige Sätze mit Stimmen bestimmter Personen auszusprechen. Robocalls seien ein attraktives Ziel für solche Manipulationen, da sie schwer zu überwachen seien, sagte der amerikanische Politikexperte Ian Bremmer im US-Sender CNBC. Auch online sei es relative einfach, mit Hilfe einer „Armee aus Bots“ falsche Informationen an viele Leute zu verteilen, warnte er.
Befürchtungen gibt es auch rund um die Möglichkeit, mithilfe von Software gezielt Bilder – und inzwischen auch kurze Videos – mit beliebigen Inhalten zu erzeugen. Bisher sieht man den künstlich generierten Aufnahmen oft Fehler an, doch die Technologie wird schnell immer besser. (frs mit dpa)