VonKathrin Reikowskischließen
Marine Le Pen: Wer ist die Frau, die neue Präsidentin in Frankreich werden wollte? Wie die Kandidatin des Rassemblement National ihre Härte auf private Erfahrungen zurückführt.
Paris (Frankreich) - Marine Le Pen lächelt sich durch den Wahlkampf zur Frankreich-Wahl und schürt zugleich Ängste des Volkes. Mit der Strategie, die einzige Wahl gegen eine schlechter werdende Welt zu sein, könnte sie Erfolg haben: Letzte Umfragen zur Frankreich-Wahl sagen ein knappes Rennen zwischen der Herausforderin und dem amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron voraus. Wer ist die Frau, die am 24. April 2022 neue französische Präsidentin werden könnte?
Stark gewandelt hat sich ihr Auftreten im Wahlkampf 2022: Während sie noch vor der Wahl 2017 dank ihres aggressiven Auftretens von Emmanuel Macron an die Wand gespielt wurde, trat sie nun gelassener auf. Bei vielen Wählerinnen und Wählern dürfte ihre einst extremistische Ausdrucksweise vielleicht schon in Vergessenheit geraten sein. Doch wer ist Marine Le Pen?
Marine Le Pen und der politische Vatermord: Das komplizierte Verhältnis zu ihrem Vater Jean-Marie Le Pen
Lange schien es, als würde Marine Le Pen nicht in die Politik gehen. Im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern sah sie das als Rebellion gegen ihren Vater, den rechtsextremistischen, offen antisemitischen Vater, der in Frankreichs Politik stets provozierte. Jean-Marie Le Pen hatte die Partei gegründet, die Marine Le Pen jetzt anführt: Die Front National, inzwischen umbenannt in Rassemblement National (RN).
Übernommen hatte sie die Führung der Partei bereits 2011, im Jahr 2015 folgte der Bruch mit ihrem Vater: Nachdem der Dobermann von Jean-Marie Le Pen eine ihrer Katzen getötet hatte, zog sie aus der Residenz in Saint-Cloud aus. Dann folgte auch der politische Vatermord: Marine Le Pen schloss ihren Vater aus der Partei aus.
Dass sie überhaupt in die Politik ging, führt Le Pen, ebenso wie ihre Härte, auf ihre Kindheit und ihre eigene Mutterschaft zurück: Mit acht Jahren erlebte sie einen Sprengstoff-Anschlag auf ihren Vater, der die Fassade ihres Wohnhauses einstürzen ließ. Auch der öffentlich ausgetragene Scheidungskrieg ihrer Eltern und ihre Zeit als alleinerziehende Mutter dreier Kleinkinder hätten dazu beigetragen.
Marine Le Pen: Das waren ihre Ehemänner und Lebensgefährten - und ihre aktuelle WG
Bei den Le Pens waren Politik und Privatleben immer eng verwoben. Die Familie zog bald nach dem Anschlag auf Jean-Marie Le Pen in eine pompöse Villa im Pariser Vorort Saint-Cloud, die ein Parteifreund dem Vater vererbt hatte. Auch ihr Eheleben war eng verbunden mit der Politik:
Verheiratet war Marine Le Pen Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal: Mit dem Geschäftsmann Franck Chauffroy, der für die Front National tätig war. Mit ihm hatte sie drei Kinder, eine 1998 geborene Tochter und 1999 geborene Zwillinge. Auch ihr zweiter Ehemann, Eric Iorio, war ein Parteikollege. Von ihm wurde sie vier Jahre später im Jahr 2006 geschieden. Ganze zehn Jahre, von 2009 und 2019 war sie dann liiert mit Louis Aliot. Er war seit 2020 Bürgermeister von Perpignon und Abgeordneter der französischen Nationalversammlung.
Derzeit lebt Marine Le Pen privat nicht mehr mit einem Mann zusammen. Im Wahlkampf kokettierte sie mit ihrem WG-Leben: Seit einigen Jahren wohnt sie mit einer Freundin aus der Kindheit und einem halben Dutzend Katzen zusammen.
Marine Le Pen: Die Skandale der Präsidentschaftskandidatin der Frankreich-Wahl
Während einige extreme Forderungen mittlerweile aus Le Pens Programm verschwunden sind - wie der Austritt Frankreichs aus EU und Euro - bleiben Le Pens Vorstellungen für Frankreich deutlich rechts und nationalistisch. So will sie eine bevorzugte Behandlung von Franzosen gegenüber Ausländern in der Verfassung festschreiben lassen, etwa bei Sozialleistungen und dem Zugriff auf Wohnraum sowie religiöse Symbole, wie das muslimische Kopftuch, in der Öffentlichkeit verbieten lassen und damit kriminalisieren.
Ihrem Vater, dem einstigen Präsidenten des Front National, stand sie auch in der Wortwahl lange in nichts nach: So verglich sie Gebete von Muslimen auf der Straße mit der Besatzung von Paris durch die Nazis und fiel immer wieder durch grenzwertige, rechtsgerichtete Aussagen auf. Im Jahr 2013 hob das Europaparlament Le Pens Immunität auf, sie kam vor Gericht. 2015 folgte dann der Freispruch in Toulouse: Le Pen konnte sich erfolgreich auf freie Meinungsäußerung berufen.
Vor der Frankreich-Wahl 2022 zeigte sie ein gemäßigteres Gesicht. Doch das könnte Kalkül sein, wie auch ihre Ambivalenzen im Ukraine-Krieg zeigen: Sie fordert zwar ein Ende des Konflikts, distanziert sich allerdings politisch nicht von Wladimir Putin und seiner Politik. Alle Entwicklungen zur Frankreich-Wahl erfahren Sie in unserem News-Ticker. (dpa/kat)
