Video von Explosion aufgetaucht

Meeresdrohnen zerstören Putins Krim-Brücke - Kam das Sprengstoff-Kajak zum Einsatz?

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Zum zweiten Mal wird im Ukraine-Krieg die für Wladimir Putin prestigeträchtige Krim-Brücke schwer beschädigt. Hinweise deuten auf maritime Drohnen hin.

München/Kertsch - Es ist mittlerweile ein regelrechter Wettbewerb entbrannt, wer wie schnell über Telegram Videos von neuesten Vorfällen im Ukraine-Krieg verbreitet, die dann bei Twitter reihenweise geteilt werden.

Explosion an Krim-Brücke: Ukraine setzte wohl maritime Drohnen ein

In der Nacht auf Montag (17. Juli) kam es etwa zu einer Aufsehen erregenden Explosion an der Krim-Brücke, die die Halbinsel mit dem russischen Festland verbindet. Wohl an der Brücke, weil auf der Fahrbahn kein Raketenkrater zu erkennen war. Nicht aber auf der Brücke, weil der Marschflugkörper Storm Shadow - den die Ukraine einsetzt - mit einer Reichweite von bis zu 250 Kilometern die Straße von Kertsch über das Asowsche Meer hinweg nicht erreichen kann.

So ist die nach russischen Angaben „Notfall-Situation“ wohl auf einen Angriff mit maritimen Drohnen zurückzuführen. Moskau beschuldigte Kiew, das nicht dementierte. Stattdessen teilte der ukrainische Geheimdienst SBU offiziell mit: „Erneut hat sich die Brücke schlafen gelegt. Und eins … zwei!“ Unklar ist, welche Drohne(n) zum Einsatz kam(en) - über Wasser oder unter Wasser?

Wieder zerstört: Die Krim-Brücke vom russischen Festland auf die Halbinsel im Schwarzen Meer.

Der neuerliche Rückschlag für Russland ist enorm: Westlichen Einschätzungen zufolge dient die Krim-Brücke, die für den Kreml einen hohen symbolischen Wert hat, als Nachschubweg für die russischen Truppen auf der völkerrechtswidrig besetzten Halbinsel.

Anschlag auf Krim-Brücke: Ukraine attackierte wohl mit wassergestützten Drohnen

Wie der amerikanische Nachrichtenkanal Vice News berichtet, hätten mittlerweile sowohl ukrainische als auch Nato-Beamte bestätigt, dass der Angriff am frühen Montagmorgen mit wassergestützten Drohnen erfolgt sei. Konkret habe ein Nato-Beamter in Brüssel eine ukrainische Beteiligung an der Attacke auf die Kertsch-Brücke, wie die wichtige Verkehrsverbindung auch genannt wird, bestätigt.

Krim-Brücke (Brücke über die Straße von Kertsch)

Die Krim-Brücke ist knapp 19 Kilometer lang und überquert die Straße von Kertsch (6 km), die Insel Tusla (6 km), einen Flachwasserbereich (1,3 km) sowie die Nehrung der Halbinsel Taman (5,7 km). Sie besteht aus einem Brückenbauwerk für eine vierspurige Autobahn sowie, südlich davon, einem Bauwerk für die parallele zweigleisige Eisenbahnstrecke. Die Straßenverbindung wurde im Mai 2018 eröffnet, die Bahnstrecke im Dezember 2019. Es ist die längste Brücke Europas und das größte Brückenbauwerk Russlands. Im Oktober 2022 kam es zu einem ersten Anschlag, als mutmaßlich ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen explodierte, woraufhin die Brücke monatelang gesperrt war.

„Die Ukraine will es Russland schwerer machen, seine Streitkräfte zu versorgen und daher ihre logistische Routen näher an die Front bringen, wo sie im Idealfall mit Langstreckenwaffen-Systemen angegriffen werden können“, erklärte der namentlich nicht genannte Nato-Beamte demnach: „Die Kertsch-Brücke ist viel weiter von der ukrainischen Artillerie entfernt als die Landwege, zumindest vorerst.“

Anschlag auf Krim-Brücke: Twitter-Video soll Drohnen-Explosion zeigen

Mehrere Medien wie die US-amerikanische Nachrichten-Website The Daily Beast spekulieren indes über den Einsatz der maritimen Wasser-Drohnen. Auf einem Twitter-Video ist eine Explosion zu sehen, die auf einen Angriff über dem Wasser schließen lässt - wegen eines Feuerballs. Besagtes Video lässt sich ebenso wenig unabhängig verifizieren wie Twitter-Videos von angeblich von der Krim fliehenden russischen Touristen am anderen Ende der Halbinsel.

Ebenso mutmaßen verschiedene Medien und Militärblogger, dass es sich in diesem Fall um eine Wasserdrohne der vierten Generation gehandelt habe. Sie soll demnach in der Lage sein, sich geräuschlos ihrem Ziel auf dem Wasser zu nähern. Das russische Radar war offenbar nicht in der Lage, rechtzeitig vor dem militärischen Gefährt zu warnen.

Explosion an Krim-Brücke: Kam das Kajak-Schnellboot wieder zum Einsatz?

Weil es eine spezielle Außenhülle samt aerodynamischer Form hat, die sich nur schwer orten lässt? Überliefert ist, dass die ukrainischen Streitkräfte wiederholt den Militärstützpunkt Sewastopol der russischen Schwarzmeerflotte mit Überwasser-Drohnen angegriffen haben. In einem vom ukrainischen Verteidigungsministerium auf Twitter verbreiteten Clip war im Mai zu sehen, wie ein Drohnenboot unter Beschuss auf ein großes Schiff zusteuerte. Es soll sich angeblich um das Aufklärungsschiff „Iwan Churs“ der russischen Marine gehandelt haben.

Vorher, nachher: Auf dem vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Video wird ein Drohnenboot offensichtlicht zerstört.

Das Verteidigungsministerium in Kiew schrieb zu dem Video: „Wenn das russische Aufklärungsschiff Iwan Churs auf eine ukrainische Drohne trifft. In der Tat, eine perfekte Kombination!“ Umgekehrt veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium ein Video, das dokumentierten sollte, wie angeblich drei unbemannte Schnellboote abgeschossen wurden. Diese hatten die Form eines Kajaks. In den sozialen Netzwerken kursieren in Analysen mittlerweile etliche Fotos, die eben jene Überwasser-Drohne darstellen sollen.

Ukrainische Angriffe mit Wasser-Drohnen: Kiew rief Crowdfunding ins Leben

Unter anderem das Nachrichtenmagazin Stern hatte im November berichtet, dass die Ukraine die Aufstellung einer ganzen Flotte an Drohnenbooten plane - finanziert durch Crowdfunding. Demnach koste eine einzige Überwasserdrohne 225.000 Euro. Sie könne bis zu 80 km/h schnell fahren und habe - ferngesteuert - eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern. Beförderbar sei eine Nutzlast (Sprengstoff?) von 200 Kilogramm. Welches der Drohnenboote nun an der Krim-Brücke einschlug, ob es mehrere waren, bleibt derweil ungeklärt. Vorerst. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Konstantin Mihalchevskiy

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