„Die Zeit ist jetzt eine andere“

AKW-Abschaltung „grundlegender Fehler“: Söder will grünen Traum platzen lassen – mit eigenem Vorschlag

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Markus Söder würde den Ausstieg aus der Atomkraft am liebsten stoppen. Sollte die Union wieder an die Regierung kommen, verspricht er den Wiedereinstieg.

München - Markus Söder setzt weiter auf Atomkraft: Der Ministerpräsident Bayerns und Parteichef der CSU äußerte seine Unterstützung für eine Fortsetzung der Kernenergie in Deutschland nach der Bundestagswahl 2025, vorausgesetzt, dass die Union diese gewinnen sollte. Dies erklärte er in einem Interview mit dem Focus. Früher hatte er nur eine zeitlich begrenzte Fortführung während der Energiekrise gefordert. Söder war damals eine der treibenden Kräfte hinter dem Atomausstieg 2011, doch er erklärte, dass „die Zeit jetzt eine andere“ sei. Söder: „Für mich ist klar: Wenn die Union die nächste Bundestagswahl gewinnt, sollte es eine Verlängerung der Kernenergie geben.“

Söder: „Grundlegender Fehler, Ideologie vor Vernunft zu setzen“

Laut Söder sei es „ein grundlegender Fehler, Ideologie vor Vernunft zu setzen. Die Abschaltung der Kernenergie ergibt aus pragmatischen Gründen zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn. Deutschland braucht bezahlbaren, verlässlichen und CO₂-freien Strom. All das liefert die Kernenergie. Solange die Krise andauert und der Übergang zu alternativen Energien noch nicht komplett organisiert ist, ist es besser, weiter auf Kernkraft statt auf Kohle zu bauen.“ Kohlekraftwerke würden so viel CO₂-Emissionen wie ein Drittel des gesamten PKW-Ausstoßes in Deutschland verursachen, „das kann doch kein Mensch wollen“.

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, anlässlich einer Pressekonferenz. (Archivfoto)

Söder warf der Bundesregierung Doppelmoral vor, indem man Atomstrom aus Frankreich und Tschechien importiere. Söder schlug vor, „die Anlagen, die bis jetzt am Netz waren, weiterzufahren und die kurz zuvor stillgelegten Kraftwerke als Reserve zu behalten.“ Dies solle bis zum Ende der Energiekrise geschehen, spätestens bis zum Ende des Jahrzehnts. Die Ampel-Klimapolitik „schadet dem Klimaschutz, unserer Wirtschaft und unserem Wohlstand“, argumentierte Söder. Daher fordert Söder nicht nur den Weiterbetrieb der drei laufenden Kernkraftwerke, sondern auch die Bereitstellung drei weiterer in Reserve.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

FDP nennt Atom-Ausstieg „Irrtum“ - Grüne und SPD pochen auf Entscheidung

Die Meinungen der Parteien zum Atom-Ausstieg unterscheiden sich dramatisch. So spricht FDP-Vize Wolfgang Kubicki mit Blick auf den Abschaltungstermin am 15. April von einem „dramatischen Irrtum und schmerzhaften ökologischen Konsequenzen“. Grünen-Umweltministerin Steffi Lemke dagegen spricht von einer „guten Entscheidung, die mich mit Erleichterung erfüllt“. Diese zeige, „dass wir auch angesichts von Problemen in der Energieversorgung diese hochriskante Technologie nicht weiter nutzen wollen“ Laut Lemke werde das Land damit sicherer. Die „geschätzten Kollegen von der FDP“ hätten im November schließlich ebenfalls dem Ausstieg zugestimmt. Der Ausstieg Deutschlands sei „kein Experiment“, so Lemke.

„Es gibt einen Beschluss und der gilt“, sagte auch ein von Lemkes Umweltministerium am Mittwoch in Berlin. Eine Reserveoption sei rechtswidrig. „Ein Atomkraftwerk ist ja nicht eine Gartenlaube, die man heute oder vielleicht auch morgen zurückbauen kann, sondern das ist ein hochkomplexer Vorgang“, hieß es weiter. Auch die Kanzlerpartei SPD hält am Ausstieg fest: „Der Atomausstieg zum 15.04., ist beschlossene Sache. Und das hat der Kanzler immer wieder so betont“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann am Mittwoch in Berlin. (cgsc)

Rubriklistenbild: © Johann Groder/dpa

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