Massive russische Verluste im Ukraine-Krieg: Warum Putin nun die Entlohnung seiner Verletzten kürzt
VonChristoph Gschoßmann
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Im Ukraine-Konflikt verzeichnet Russland enorm hohe Verluste. Diese wirken sich auch auf die Finanzen aus. Der Kreml reagiert darauf.
Moskau – Russlands Verluste im Angriffskrieg gegen die Ukraine sind enorm. Genaue und verlässliche Zahlen sind zwar schwer zu beziffern. Die Nato in Person von Generalsekretär Mark Rutte sprach jüngst von 600.000 Toten und Verletzten, während Kiew die Zahl auf über 716.000 schätzt. Nicht nur der Verlust an Soldaten kommt Moskau dabei teuer zu stehen. Auch der finanzielle Aspekt der Verluste ist für Moskau kaum noch tragbar. Und jeden Tag sterben mehr: Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte am Donnerstag mit, dass Moskau am Vortag 1.690 Opfer zu beklagen hatte.
Putin beschränkt Zahlungen an verletzte Soldaten auf 3 Millionen Rubel
Schätzungen von Forschern in den USA im Juli deuteten darauf hin, dass der Kreml für seine Zahlungen an die Opfer des Krieges mit horrenden Kosten konfrontiert ist. Thomas Lattanzio von der Johns Hopkins School of Advanced International Studies und Harry Stevens vom Center for the National Interest analysierten die Verluste in einem Artikel für die Website War on the Rocks. Laut den Forschern betrugen die Kosten im Mai 2024 2,3 Billionen Rubel (22 Milliarden Euro) betragen würden – oder rund sechs Prozent des gesamten Staatshaushalts für 2024.
Nun reagiert der Kreml. Russland kürzt den verwundeten Soldaten den Sold. Ein am Mittwoch (13. November 2024) eingeführter und vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichneter Erlass beschränkt die medizinischen Zahlungen auf drei Millionen Rubel (28.000 Euro) für diejenigen, die im Kampf schwere Verletzungen erleiden.
Russland bezahlt Verwundeten weniger Geld – je nach Schwere der Verletzung
Zuvor stand dieser Betrag jedem Verwundeten zu. Jetzt erhalten diejenigen mit weniger schweren Verletzungen nur noch zwischen einer Million Rubel (9.500 Euro) und 100.000 Rubel (950 Euro). Nach den neuen Richtlinien des Kremls erhalten Soldaten nur dann eine volle Entschädigung, wenn sie Verletzungen der „Sektion I“ erleiden, die ihr Leben oder ihre Gesundheit gefährden oder erhebliche Organschäden verursachen, wie etwa schwere Wirbelsäulenverletzungen, Hirnschäden, Rippenbrüche und gebrochene Gliedmaßen.
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Weniger schwere oder „Abschnitt II“-Verletzungen, die eine Entschädigung von 9.500 Euro rechtfertigen, sind vorübergehende Wunden wie Gehirnerschütterungen, leichte Knochenbrüche und Schusswunden, die keine Organe betreffen. Die zu Beginn des Krieges im März 2022 eingeführte Gesetzgebung, die den Familien der im Krieg Getöteten eine Entschädigung von 7,4 Millionen Rubel (70.000 Euro) zuspricht, bleibt in Kraft.
Putin-Ministerin erklärt Kürzungen für Verwundete
Anfang des Monates hatte die stellvertretende Verteidigungsministerin Anna Tsivileva erklärt, dass das bisherige System die Schwere der Verletzungen nicht berücksichtigt habe und die Behörden zuvor über die Einführung einer gleitenden Zahlungsskala diskutiert hätten. Das berichtete die russische Wirtschaftszeitung RBC.
Russland versucht verzweifelt, neue Rekruten anzuwerben. Eine Untersuchung des unabhängigen russischsprachigen Online-Portals iStories ergab diese Woche, dass einige Regionen Russlands im Zuge der Bemühungen, die hohen Truppenverluste auszugleichen, bis zur Hälfte ihrer Sozialbudgets für Antrittsprämien verwenden, um mehr Rekruten für den Krieg zu gewinnen. Finanziert werden diese Zahlungen demnach aus Mitteln, die in Friedenszeiten vor allem Waisen, Großfamilien, Menschen mit Behinderungen und andere gefährdete Gruppen unterstützten.
Kämpfenden Soldaten erhöht Russland den Sold
Den Sold für im Kampf befindliche Soldaten hatte Russland dagegen kürzlich erhöht. Das russische Abgeordnetenhaus stimmte im Oktober der vom Kreml anvisierten Erhöhung der Verteidigungsausgaben um fast 30 Prozent zu. Für Freiwillige wurde der Sold gar verdoppelt. In den vergangenen Jahren hatte Russland seine Militärausgaben bereits auf das höchste Niveau seit dem Ende der Sowjetunion angehoben, um die Produktion von Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen hochzufahren und den Sold der im Kampf befindlichen Einheiten zu erhöhen. Alleine im Jahr 2024 waren die Ausgaben um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht worden. (cgsc mit dpa)