Mindestens 600.000 Soldaten tot oder verletzt

Massive russische Verluste im Ukraine-Krieg: Warum Putin nun die Entlohnung seiner Verletzten kürzt

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Im Ukraine-Konflikt verzeichnet Russland enorm hohe Verluste. Diese wirken sich auch auf die Finanzen aus. Der Kreml reagiert darauf.

Moskau – Russlands Verluste im Angriffskrieg gegen die Ukraine sind enorm. Genaue und verlässliche Zahlen sind zwar schwer zu beziffern. Die Nato in Person von Generalsekretär Mark Rutte sprach jüngst von 600.000 Toten und Verletzten, während Kiew die Zahl auf über 716.000 schätzt. Nicht nur der Verlust an Soldaten kommt Moskau dabei teuer zu stehen. Auch der finanzielle Aspekt der Verluste ist für Moskau kaum noch tragbar. Und jeden Tag sterben mehr: Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte am Donnerstag mit, dass Moskau am Vortag 1.690 Opfer zu beklagen hatte.

Putin beschränkt Zahlungen an verletzte Soldaten auf 3 Millionen Rubel

Schätzungen von Forschern in den USA im Juli deuteten darauf hin, dass der Kreml für seine Zahlungen an die Opfer des Krieges mit horrenden Kosten konfrontiert ist. Thomas Lattanzio von der Johns Hopkins School of Advanced International Studies und Harry Stevens vom Center for the National Interest analysierten die Verluste in einem Artikel für die Website War on the Rocks. Laut den Forschern betrugen die Kosten im Mai 2024 2,3 Billionen Rubel (22 Milliarden Euro) betragen würden – oder rund sechs Prozent des gesamten Staatshaushalts für 2024.

Ein verletzter russischer Soldat wird im Krankenhaus der Spezialeinheit Achmat im Gebiet der Ukraine.

Nun reagiert der Kreml. Russland kürzt den verwundeten Soldaten den Sold. Ein am Mittwoch (13. November 2024) eingeführter und vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichneter Erlass beschränkt die medizinischen Zahlungen auf drei Millionen Rubel (28.000 Euro) für diejenigen, die im Kampf schwere Verletzungen erleiden.

Russland bezahlt Verwundeten weniger Geld – je nach Schwere der Verletzung

Zuvor stand dieser Betrag jedem Verwundeten zu. Jetzt erhalten diejenigen mit weniger schweren Verletzungen nur noch zwischen einer Million Rubel (9.500 Euro) und 100.000 Rubel (950 Euro). Nach den neuen Richtlinien des Kremls erhalten Soldaten nur dann eine volle Entschädigung, wenn sie Verletzungen der „Sektion I“ erleiden, die ihr Leben oder ihre Gesundheit gefährden oder erhebliche Organschäden verursachen, wie etwa schwere Wirbelsäulenverletzungen, Hirnschäden, Rippenbrüche und gebrochene Gliedmaßen.

Russland feuert Raketen auf Kinderkrankenhaus in Kiew: Fotos zeigen erschütternde Szenen

Rauch über Kiew. Die ukrainische Hauptstadt wurde am Montag von mehreren russischen Raketen getroffen.
Rauch über Kiew. Die ukrainische Hauptstadt wurde am Montag von mehreren russischen Raketen getroffen. © Evgeniy Maloletka / dpa
Die Schäden nach dem russischen Angriff auf Kiew sind beachtlich, wie hier zu sehen im Lukianivska Bezirk.
Die Schäden nach dem russischen Angriff auf Kiew sind beachtlich, wie hier zu sehen im Lukianivska Bezirk. © Andreas Stroh / dpa
Das Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew wurde durch die russischen Raketen schwer getroffen.
Das Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew wurde durch die russischen Raketen schwer getroffen. Rettungskräfte und Zivilisten suchen nach möglichen Verschütteten. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein augenscheinlich verletzter Mann telefoniert nach dem schweren Angriff auf Kiew.
Ein augenscheinlich verletzter Mann telefoniert nach dem schweren Angriff auf Kiew. © dpa/AP | Efrem Lukatsky
Eine Frau kümmert sich um ein Kind vor dem von russischen Raketen getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew.
Eine Frau kümmert sich um ein Kind vor dem von russischen Raketen getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus zeigt, wie schwer die Raketen aus Russland die Klinik in der Ukraine verwüstet haben.
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus zeigt, wie schwer die Raketen aus Russland die Klinik in der Ukraine verwüstet haben. © Evgeniy Maloletka / dpa
Mit blutigem Gewand steht ein Krankenhaus-Mitarbeiter vor den Trümmern nach dem russischen Raketenangriff auf Kiew.
Mit blutigem Gewand steht ein Krankenhaus-Mitarbeiter vor den Trümmern nach dem russischen Raketenangriff auf Kiew. © IMAGO/Madeleine Kelly/ZUMA Press Wire
Rettungskräfte räumen die Trümmer nach dem schweren russischen Angriff auf Kiew vor der Kinderklinik.
Rettungskräfte räumen die Trümmer nach dem schweren russischen Angriff auf Kiew vor der Kinderklinik. © Evgeniy Maloletka / dpa
In der nähe des von einer Rakete getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses trägt ein Mann ein Kind aus der Gefahrenzone.
In der nähe des von einer Rakete getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses trägt ein Mann ein Kind aus der Gefahrenzone. © Evgeniy Maloletka / dpa
Nach dem schweren russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt werden verletzte abtransportiert.
Nach dem schweren russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt werden Verletzte abtransportiert. © IMAGO/Madeleine Kelly/ZUMA Press Wire
Kinder warten in der Nähe des Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses, das von russischen Raketen getroffen wurde.
Kinder warten in der Nähe des Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses, das von russischen Raketen getroffen wurde. © Evgeniy Maloletka / dpa
Vereinte Kräfte bei den Bergungsarbeiten: Retter tragen ein Stück des Daches am Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew weg.
Vereinte Kräfte bei den Bergungsarbeiten: Retter tragen ein Stück des Daches am Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew weg. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein Feuerwehrmann sitzt bei Rettungsarbeiten in Kiew nach dem schweren russischen Angriff im Schutt.
Ein Feuerwehrmann sitzt bei Rettungsarbeiten in Kiew nach dem schweren russischen Angriff im Schutt. © Aleksandr Gusev / dpa
Auch am Tag nach dem russischen Raketenangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew gehen die Aufräumarbeiten weiter.
Auch am Tag nach dem russischen Raketenangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew gehen die Aufräumarbeiten weiter. © IMAGO/Maxym MarusenkoNurPhoto
Nach dem russischen Angriff auf das Kinderkrankenhaus mussten die schwer kranken Kinder draußen vor der Klinik behandelt werden.
Nach dem russischen Angriff auf das Kinderkrankenhaus mussten die schwer kranken Kinder draußen vor der Klinik behandelt werden. © IMAGO/Maxym Marusenko/NurPhoto
In Kiew stehen Krankenhaus-Betten auf der Straße, um nach dem Angriff auf die Kinderklinik die Patienten weiter betreuen zu können.
In Kiew stehen Krankenhaus-Betten auf der Straße, um nach dem Angriff auf die Kinderklinik die Patienten weiter betreuen zu können. © IMAGO/Bahmut Pavlo/Ukrinform/Abaca
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus in Kiew zeigt, wie schwer die russischen Raketen die Klinik zerstört haben.
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus in Kiew zeigt, wie schwer die russischen Raketen die Klinik zerstört haben. © IMAGO/Ruslan Kaniuka/Ukrinform/ABACA
Medizinisches Personal und Freiwillige räumen Trümmer, suchen unter dem Schutt des Kinderkrankenhauses nach Opfern.
Medizinisches Personal und Freiwillige räumen Trümmer, suchen unter dem Schutt des Kinderkrankenhauses nach Opfern. © Anton Shtuka / dpa
Verzweiflung herrscht in Kiew. Nach dem Angriff auf die Kinderklinik suchen Erwachsene und Kinder Schutz in Kellern.
Verzweiflung herrscht in Kiew. Nach dem Angriff auf die Kinderklinik suchen Erwachsene und Kinder Schutz in Kellern. © Anton Shtuka / dpa

Weniger schwere oder „Abschnitt II“-Verletzungen, die eine Entschädigung von 9.500 Euro rechtfertigen, sind vorübergehende Wunden wie Gehirnerschütterungen, leichte Knochenbrüche und Schusswunden, die keine Organe betreffen. Die zu Beginn des Krieges im März 2022 eingeführte Gesetzgebung, die den Familien der im Krieg Getöteten eine Entschädigung von 7,4 Millionen Rubel (70.000 Euro) zuspricht, bleibt in Kraft.

Putin-Ministerin erklärt Kürzungen für Verwundete

Anfang des Monates hatte die stellvertretende Verteidigungsministerin Anna Tsivileva erklärt, dass das bisherige System die Schwere der Verletzungen nicht berücksichtigt habe und die Behörden zuvor über die Einführung einer gleitenden Zahlungsskala diskutiert hätten. Das berichtete die russische Wirtschaftszeitung RBC.

Russland versucht verzweifelt, neue Rekruten anzuwerben. Eine Untersuchung des unabhängigen russischsprachigen Online-Portals iStories ergab diese Woche, dass einige Regionen Russlands im Zuge der Bemühungen, die hohen Truppenverluste auszugleichen, bis zur Hälfte ihrer Sozialbudgets für Antrittsprämien verwenden, um mehr Rekruten für den Krieg zu gewinnen. Finanziert werden diese Zahlungen demnach aus Mitteln, die in Friedenszeiten vor allem Waisen, Großfamilien, Menschen mit Behinderungen und andere gefährdete Gruppen unterstützten.

Kämpfenden Soldaten erhöht Russland den Sold

Den Sold für im Kampf befindliche Soldaten hatte Russland dagegen kürzlich erhöht. Das russische Abgeordnetenhaus stimmte im Oktober der vom Kreml anvisierten Erhöhung der Verteidigungsausgaben um fast 30 Prozent zu. Für Freiwillige wurde der Sold gar verdoppelt. In den vergangenen Jahren hatte Russland seine Militärausgaben bereits auf das höchste Niveau seit dem Ende der Sowjetunion angehoben, um die Produktion von Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen hochzufahren und den Sold der im Kampf befindlichen Einheiten zu erhöhen. Alleine im Jahr 2024 waren die Ausgaben um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht worden. (cgsc mit dpa)

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