„Fingerabdruck“ von U-Boot: Spezialkräfte bekämpfen Russland erfolgreich – von Land aus
VonKarsten-Dirk Hinzmann
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Trotz des massiven Einsatzes von Drohnen und Raketen hat die Ukraine ihren jüngsten Erfolg gegen die Schwarzmeer-Flotte ihren Spezial-Kommandos zu verdanken.
Sewastopol – „Die russischen Seestreitkräfte sind nicht unverwundbar“, hatte Frank Lenski bereits im April gesagt. Die Behauptung des deutschen Vize-Admirals im Bundeswehr-Podcast „Nachgefragt“ hat sich erneut bestätigt: Erfolgreich ist die Ukraine mit ihrer Taktik, die russische Schwarzmeer-Flotte auf der Krim von Land aus zu bekämpfen – und das durch Drohnen, die von infiltrierten Sonder-Kommandos ins Ziel gelotst werden.
Das berichtet jetzt das Online-Magazin Defense Express unter Berufung auf ukrainische Militärs, die vermeintliche Bilder von dem jüngsten Einsatz auf Facebook und X (vormals Twitter) veröffentlicht haben. Die Bilder aus Sewastopol erwecken den Eindruck, als wären sie mit einer Helmkamera gefilmt worden. Einmalig in der Geschichte des Seekrieges ist, ein U-Boot an Land getroffen zu haben.
Ziel des jüngsten ukrainischen Angriffs war die nach dem ehemaligen russischen Politiker benannte Sergo Ordzhonikidze-Werft in Sewastopol, dem Stützpunkt der russischen Schwarzmeer-Flotte. Beschädigt wurden das U-Boot „Rostow am Don“ sowie das Landungsschiff „Minsk“. Dabei hatten offenbar nur drei von zehn Waffen ihr Ziel erreicht: Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sollen sieben Marschflugkörper sowie alle Drohnen vernichtet worden sein.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Im Schatten des Feindes zugeschlagen und wieder abgesetzt
Die ukrainischen Spezialkräfte haben angeblich die Krim infiltriert und warten im Schatten der russischen Invasoren auf ihren Einsatz, wie die Führung der Spezialkräfte auf ihren Kanälen veröffentlicht: „Nachdem die Soldaten erfolgreich auf der Krim eingeschleust worden waren, haben sie ihren Einsatz begonnen. Mithilfe von spezieller Ausrüstung haben sie die Ziele identifiziert und an uns gemeldet. Während des Schlages hat unsere Gruppe das Feuer geleitet und anschließend die Ziele als vernichtet gemeldet. Danach konnten sie sich erfolgreich absetzen.“ Der Defense Express schreibt, dass selbst in Zeiten von Satelliten-Bildern und ferngesteuerten Drohnen der Faktor Mensch in der Kriegführung immer noch ausschlaggebend ist.
Die Beschädigung vor allem des russischen U-Bootes Rostow am Donist der zweite wichtige Schlag gegen die russische Schwarzmeer-Flotte nach der Versenkung des russischen Kreuzers „Moskwa“ im April 2022.Laut dem Online-Magazin Militär Aktuell wardie Moskwa größte in einem Krieg versenkte Kriegsschiff seit dem japanischen Schlachtschiff „Ise“ im Juli 1945 und das größte von einer Küstenbatterie versenkte Kriegsschiff seit dem deutschen Schweren Kreuzer „Blücher“ im April 1940. Die Beschädigung eines U-Bootes in einem Dock hält Defense Express ebenso für beispiellos und ohne den Einsatz von verdeckt operierenden Soldaten auf der Krim für undurchführbar.
Attacken gegen Material, Kampfkraft und die Macht Putins
Die ukrainischen Verteidiger wollen mit ihren Attacken gegen die russische Marine nicht nur Material zerstören und die Operationsfähigkeit der Schwarzmeer-Flotte schwächen, sondern Russlands Präsident Wladimir Putin stürzen: Die Krim wurde bereits 2014 von Russland besetzt und bildet den Brückenkopf von Putins Fantasien, die Ukraine in die Russische Föderation einzugliedern – und genauso von seinem Vorhaben, international wieder als Seemacht aufzutrumpfen.
„Wir lernen daraus, dass die russische Seite sich offensichtlich der Bedrohung nicht recht bewusst war“, sagte der deutsche Vize-Admiral Frank Lenski nach der Versenkung der Moskwa. Diese These scheint also weiterhin zu gelten. Auf offener See hätte die Ukraine keine Wirkmittel gegen ein U-Boot; als die Rostow am Dongetroffen wurde, lag sie in Sewastopol im Trockendock. Und das machte sie verwundbar.
Laut Defense Express trafen das Boot Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow, die ihr Ziel anhand ihres Wärmebildes anflogen. Allerdings war die thermische Signatur der U-Boot-Klasse der Ukraine bisher unbekannt, sodass die Spezialkräfte sozusagen einen „Fingerabdruck“ nehmen mussten.
Entsprechend selbstbewusst adressiert das Kommando der ukrainischen Spezialkräfte Details ihrer Operation in den sozialen Medien an die Russen: „Ihr sollt wissen, dass Ihr hier nirgendwo einen sicheren Platz finden werdet.“