Merz nähert sich den Grünen an – und schließt schwarz-grün nicht mehr aus
VonSimon Schröder
schließen
Vor der vorgezogenen Bundestagswahl zeigen sich erste Annäherungen zwischen Union und Grünen. Friedrich Merz sieht Parallelen vor allem in der Außenpolitik.
Berlin – Vor einigen Monaten schien eine Zusammenarbeit zwischen der Union und den Grünen noch undenkbar. Nun, da Neuwahlen vor der Tür stehen, zeichnen sich erste Annäherungsversuche ab.
Friedrich Merz, Kanzlerkandidat der Union, äußerte gegenüber der Bild, dass er in der Außen- und Sicherheitspolitik mehr Übereinstimmungen mit den Grünen als mit der SPD sehe. Allerdings fordert er bei der Wirtschaftspolitik eine Neuausrichtung: „Mit Blick auf die Wirtschaftspolitik der Grünen sind wir ganz anderer Meinung, da brauchen wir einen grundlegenden Kurswechsel.“
Neuwahlen rücken näher - Union scheint Anti-Haltung gegen Grüne aufzugeben
Mit dem Herannahen der Bundestagswahl am 23. Februar scheint die Union ihre ablehnende Haltung gegenüber den Grünen langsam aufzugeben, um sich nach den Neuwahlen Koalitionsoptionen offenzuhalten. Merz betonte jedoch, dass er „keinen Koalitionswahlkampf“ führen wolle. Eine Zusammenarbeit mit der AfD und dem BSW schloss der 69-Jährige definitiv aus.
Bei Ukraine liegen sich CDU/CSU und Grüne näher als es bei Scholz‘ SPD der Fall ist
Franziska Brantner, Chefin der Grünen, distanzierte sich zudem zuletzt von der Ukraine-Politik von Kanzler Olaf Scholz und räumte in diesem Zusammenhang mehr Gemeinsamkeiten mit der Union ein. Sie erklärte gegenüber der Bild am Sonntag auf die Frage, wo die Grünen besser mit Merz als mit Scholz zusammenarbeiten können: „Frieden, Freiheit in Europa und klar an der Seite der Ukrainer stehen.“
Scholz hatte sich in der Vergangenheit klar gegen die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine ausgesprochen, um eine Eskalation des Ukraine-Kriegs zu verhindern. Frankreich und Großbritannien hingegen erlauben der Ukraine das britisch-französische Äquivalent zum Taurus, den Strom-Shadow-Marschflugkörper, sogar gegen militärische Ziele innerhalb Russlands einzusetzen.
Habeck kritisiert Scholz‘ Ukraine-Politik: Es fehle „Klarheit und Ehrlichkeit“
Vizekanzler Robert Habeck (die Grünen), forderte von Scholz „Klarheit und Ehrlichkeit“ in seiner Ukraine-Politik. Er betonte gegenüber der Welt: „Besonnenheit ist immer richtig und gut“, doch bei der Ukraine-Politik sei „nicht ganz klar, wohin die SPD will“. Habeck fügte hinzu, dass es „unterschiedliche Strömungen“ gebe.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Die Annäherung zwischen der Union und den Grünen dürfte vor allem Markus Söder, den bayerischen Ministerpräsidenten, beunruhigen. Söder hatte in den vergangenen Monaten eine schwarz-grüne Koalition strikt abgelehnt und die Grünen sogar zum Hauptgegner erklärt.
In der ARD-Sendung „Maischberger“ vom 7. November wich jedoch auch Söder erstmals leicht von seinem „Nein“ ab. Er erklärte: „Wenn zum Beispiel Robert Habeck seinen sofortigen Rücktritt erklären würde, gar nicht mehr mitmachen würde – wer weiß, wie die Lage sich ergibt.“
Ende November erklärte Söder dann in einem Interview mit dem Stern: „Entscheidend ist der Kurs einer Partei. Die Grünen haben jetzt auf dem Parteitag in der zweiten Reihe personell ein bisschen was verändert.“ Wirtschaftsminister Robert Habeck bleibt jedoch weiterhin ein Dorn im Auge des CSU-Chefs.
Hoffnung für die Grünen nach dem Ampel-Aus: Umfragetrend setzt sich fort
Die Umfragen lassen die Grünen unterdessen hoffen. Seit dem Scheitern der Ampel-Koalition setzt sich der positive Trend für die Partei fort. Zwei Monate vor der Bundestagswahl erreichen die Grünen in einer aktuellen Umfrage des Insa-Instituts 13 Prozent, ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwoche.
Partei
Umfrageergebnis laut Insa vom 2.12. in Prozent
CDU/CSU
31,5 Prozent (-1)
AfD
18,5 Prozent (-1)
SPD
16 Prozent (-1)
Die Grünen
13 Prozent (+2)
Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)
7,5 Prozent (+0)
FDP
4,5 Prozent (+0)
Die Linken
3,5 Prozent (+0)
Insa-Umfrage im Auftrag von Bild vom 02.12.2024 Vgl. 25.11., 2003 Befrage, Fehlertoleranz +/- 2,5 Prozentpunkte
Die Union bleibt mit 31,5 Prozent die stärkste Kraft, gefolgt von der AfD mit 18,5 Prozent. Die SPD erreicht 16 Prozent und ist damit die drittstärkste Partei, während das BSW mit 7,5 Prozent auf Platz fünf liegt.
Für die FDP wird die Bundestagswahl zur Zitterpartie. Aktuell würden die Liberalen mit 4,5 Prozent nicht ins Parlament einziehen. Auch die Linken sind mit 3,5 Prozent weit abgeschlagen. (sischr)