Merkur-Interview

CDU-Chef Merz im Interview: „Will Frau Esken auch noch die Union verbieten?“

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Friedrich Merz, CDU Bundesvorsitzender, spricht vor Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Bundestag.
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Friedrich Merz spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über die AfD, die Kanzler-Frage in der Union und CSU-Chef Markus Söder.

München – Wird es das Jahr, in dem die Regierung stürzt? Und Friedrich Merz Kanzler wird? Der CDU-Vorsitzende reagiert eher zurückhaltend auf diese Frage. Nein, sagt Merz, mit schnellen Neuwahlen rechne er nicht. Zum Jahresbeginn sind wir mit dem Partei- und Fraktionschef per Videokonferenz verabredet. Der 68-Jährige aus dem Sauerland hat die letzten Tage in seinem Ferienhaus am Tegernsee verbracht, wirkt konzentriert, nachdenklich. Einmal nur wird das Interview unterbrochen: Es klingelt an der Haustür, die Sternsinger sind es, sie tragen ihren Segen von Haus zu Haus. Er nimmt sich einige Minuten Zeit für sie. Mit Segen geht das Gespräch dann nahtlos weiter.

Wir starten in 2024. Was ist Ihr guter Vorsatz fürs neue Jahr – außer Kanzler zu werden?
(lacht) Das steht in diesem Jahr vermutlich nicht an. Nach meiner Einschätzung werden wir keine Neuwahlen bekommen, auch wenn sie dringend nötig wären. Mein persönlicher Vorsatz: Ich will weiter politisch arbeiten, dabei gesund durchs Jahr kommen und ein bisschen mehr Sport machen.

Merz teilt gegen Esken und Klingbeil aus – „Was geht in den Köpfen dieser Leute vor?“

SPD-Chefin Saskia Esken wünscht sich von Ihnen, dass Sie künftig nicht mehr so „brandgefährlich“ daherreden sollten.
Muss ich mich dazu äußern? Und Herr Klingbeil verwendet denselben Begriff in Richtung AfD, sicher kein Zufall. Wenn Herr Klingbeil und Frau Esken CDU und AfD immer wieder in einen Topf werfen, dann fragt sich doch jeder vernünftige Mensch: Was geht in den Köpfen dieser Leute vor?
Nun ja, Sie meint wohl Sätze wie die von den „kleinen Paschas“ in der Integrationsdebatte.
Mir haben viele gesagt, dass das noch eine beschönigende Beschreibung war. Wie groß die realen Integrationsprobleme in Deutschland sind, das konnte man ja über den Jahreswechsel wieder anschauen.
Sie haben Silvester nicht in Berlin verbracht. Da sind jetzt alle erleichtert, dass es „nur“ 390 Festnahmen gegeben hat. Sie auch?
In Berlin hat sich gezeigt, dass es eben doch einen Unterschied macht, wer regiert: Der rot-rot-grüne Senat hatte letztes Jahr komplett die Kontrolle verloren, unter Führung der CDU wurde jetzt spürbar härter durchgegriffen. Wenn es rund 400 Festnahmen und wieder Randale gibt, würde ich von einem „Erfolg“ nicht sprechen. Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass so etwas passiert. Aber die Richtung in Berlin stimmt wenigstens.

AfD im Umfragehoch: Merz sieht wachsende Unzufriedenheit mit der Bundesregierung

Das neue Jahr beginnt mit einem Umfrageknaller. 37 Prozent für die AfD in Sachsen. Droht im Osten heuer der Erdrutsch?
Das sind Momentaufnahmen, die vor allem eine wachsende Unzufriedenheit mit der Bundesregierung zeigen, und das nicht nur im Osten. Wenn die drei Ampelparteien zusammen in Umfragen in Sachsen nur noch 11 Prozent erreichen und die SPD für sich nur noch drei, dann ist das eine deutliche Aufforderung, die Probleme zu lösen, die hinreichend bekannt sind.
Ihr Problem ist: Ohne Linkspartei dürfte weder in Sachsen noch Thüringen ein CDU-Ministerpräsident gewählt werden können. Steht die Brandmauer nach rechts, reißt die CDU dafür die nach links ein? Oder zu Wagenknecht und ihren Putin-Fans?
Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Wir schielen nicht nach rechts und links, sondern fokussieren uns auf „CDU pur“. Ich glaube unverändert: Die CDU hat in Sachsen, Thüringen und Brandenburg die Chance, stärkste Kraft zu werden. Wahlkämpfe sind ja auch dazu da, die Stimmung zu verändern und die Menschen zu überzeugen.
Wir können Ihre Gelassenheit nicht teilen. Die Umfragen sind fatal, nichts sieht danach aus, dass die CDU auch nur in einem Land auf Platz 1 landet!
Sie verwechseln Gelassenheit mit Konzentration auf die großen Themen. Wir haben ein Integrationsproblem, ein massives Zuwanderungsproblem und erhebliche wirtschaftliche Sorgen – und zugleich eine Bundesregierung, die mit den gestellten Aufgaben offenbar völlig überfordert ist. Darüber denke ich nach, nicht über Koalitionen.

Merz spricht sich gegen AfD-Verbot aus – „Wasser auf die Mühlen“

Esken hat einen Vorschlag. Sie ruft erneut nach einem AfD-Verbot. Würden Sie ihr dabei gerne helfen?
Mich macht das einigermaßen fassungslos. Solche Scheindebatten sind doch Wasser auf die Mühlen der AfD. Hat Frau Esken vergessen, wie das NPD-Verbotsverfahren ausgegangen ist? Und glaubt die SPD-Vorsitzende allen Ernstes, dass man eine Partei, die in Umfragen an die 30 Prozent heranreicht, einfach verbieten kann? Das ist schon eine beängstigende Verdrängung der Wirklichkeit. Das einzig wirksame Konzept ist: Die Politik muss vernünftige Lösungen für die Probleme hinbekommen, dann wird auch die AfD wieder kleiner. Alles andere wäre doch eine Bankrotterklärung. Will Frau Esken dann auch noch die Union verbieten, wenn wir auf die Probleme hinweisen, die der SPD nicht so angenehm sind?
Heute findet die Trauerfeier für Ihren Freund Wolfgang Schäuble statt. Was haben Sie ganz persönlich von ihm gelernt?
Die unbedingte Pflicht zur Zuversicht. Dass man in der Politik nicht fatalistisch werden darf, nicht zynisch.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Merz fordert Marschflugkörper für die Ukraine – „zu spät und zu wenig geholfen“

Das fällt aktuell nicht leicht. 2024 beginnt mit riesigen außenpolitischen Herausforderungen. Im Osten wankt die Ukraine unter Putins immer heftigeren Bombardements, im Westen droht ein neuer Präsident Trump. Ist Deutschland ausreichend auf die neue Weltlage vorbereitet?
Wir haben über die Feiertage und Neujahr bisher nicht gekannte Angriffe der russischen Armee gegen zivile Ziele in der Ukraine gesehen – ungeheure Kriegsverbrechen. Innenstädte, Krankenhäuser, Schulen und die Energieversorgung werden systematisch bombardiert. Täglich sterben Familien in der Ukraine durch russische Waffen. Das ist unerträglich. Aber es regt sich kaum ein „Weltgewissen“ dagegen. Mich bestätigt das in der Auffassung: Deutschland und Europa müssen sich selbst sehr viel besser in die Lage versetzen, solchen Angriffen auch auf unsere Freiheit zu widerstehen. Und der Ukraine haben wir bisher einfach zu spät und zu wenig geholfen.
Was konkret muss man jetzt für die Ukraine tun?
Deutschland sollte endlich Marschflugkörper liefern, die auch die Versorgungswege zur Krim erreichen können. Von der Krim aus wird ein Großteil des Krieges gegen die Ukraine geführt, die Russen schicken von dort aus Truppen und Waffen. Und in ganz Europa braucht es eine neue gemeinsame Anstrengung, auch 2024 der Ukraine politisch, finanziell und militärisch weiter zu helfen.
Die Kriegsgefahr wird wohl länger bleiben. Braucht Deutschland wieder die Wehrpflicht?
Die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 war jedenfalls ein Fehler. Aber man kann sie über Nacht nicht einfach wieder einführen. In der CDU haben wir einen Parteitagsbeschluss für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr gefasst. Und ich habe große Sympathien für den Vorschlag des Bundesverteidigungsministers, so wie in Schweden alle jungen Leute eines Jahrgangs zunächst zu mustern, Männer wie Frauen – und einigen dann ein Angebot für die Streitkräfte zu machen. Ja: Wir müssen wieder über gesellschaftliche Pflichten in unserem Land sprechen.

CDU-Chef Merz will Hilfe für ukrainische Flüchtlinge „neu orndnen“

Und was kann Berlin tun, damit, wie von der ukrainischen Regierung gewünscht, weniger Männer nach Deutschland desertieren? Und damit junge Männer zurückkehren?
Wir sollten unsere Hilfen für ukrainische Flüchtlinge neu ordnen. Da geht es auch um die Leistungshöhe. Diejenigen, die hier sind, müssen auch viel schneller in den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Das haben andere Länder offenkundig besser gemacht als wir. Wir müssen den Flüchtlingen sagen: Ihr müsst selbst mithelfen, damit wir euch hier weiter in diesem Umfang unterstützen können. Arbeiten zu gehen, das ist ein wichtiger Bestandteil der Teilhabe und der eigenen Verantwortung.
Noch mal: Junge Männer zurücksenden?
Das ist ein Thema, und darüber muss die Bundesregierung mit der Ukraine in den nächsten Wochen sprechen.
Auch wirtschaftspolitisch läuft es schlecht, wir sind Wachstumsschlusslicht in Europa. Gilt wieder der Satz, mit dem Stoiber 2002 in die Bundestagswahl zog: Deutschland ist ein Sanierungsfall?
Das ist jedenfalls ein Befund, der sich für 2024 abzeichnet. Wir unterschätzen alle zum Beispiel die hohen Kapitalabflüsse aus Deutschland. Unser Land verliert seit Jahren wirtschaftliche Substanz. Wenn wir gleichzeitig 2,7 Millionen Arbeitslose haben und 760 000 offene Stellen, dann stimmt auch auf unserem Arbeitsmarkt etwas nicht. Wir sollten uns in diesem Jahr gemeinsam zu einer Botschaft aufraffen: Unser Wohlstand und unsere soziale Absicherung sind auf Dauer nur mit mehr Arbeit und mit größerer Anstrengung aufrecht zu erhalten.

Merz über K-Frage in der Union – Entscheidung soll im Spätsommer 2024 fallen

Auf der CSU-Klausur in Seeon überlassen Sie die Bühne Ihrem Kollegen Markus Söder, bleiben fern. Warum?
Ich war auf den letzten drei CSU-Klausuren, dieses Mal kann ich leider nicht, und das hat einen ganz einfachen privaten Grund: An diesem Wochenende wird mein Vater 100 Jahre alt. Die ganze Familie ist zu Besuch. Die Familie geht in diesem Jahr vor.
Eilig hat Söder es nicht, Sie zum Kanzlerkandidaten auszurufen. Er sagt, wer beim Elfmeter zu früh anläuft, der verschießt...
Das ist unsere gemeinsame Auffassung. Deswegen entscheiden wir im Spätsommer 2024.
Kurios, dass aus der CDU aber schon einige Ministerpräsidenten ihre Präferenzen kundtun ...
Was ist daran kurios? Es ist doch völlig normal, dass eine so wichtige Personalentscheidung diskutiert wird und dass es in den Medien Fragen dazu gibt. Wir würden uns doch ernsthaft Sorgen machen müssen, wenn niemand danach fragen würde, wer denn von uns im nächsten Jahr der Bundeskanzler werden soll. Wir als Union stehen so gut da wie die drei Ampel-Parteien zusammen. Und da steigen natürlich die Erwartungen an uns.
Hätten Sie, wenn Sie Kanzler sind, Markus Söder gern als Superminister in Ihrem Kabinett?
Markus Söder macht seine Arbeit als Ministerpräsident in Bayern wirklich sehr gut. Das sehen die Wähler so, und ich teile diese Einschätzung.
Sie wären bei der nächsten Wahl 69. Verstehen Sie, dass manche Leute sagen: Der Merz ist dann doch etwas arg erwachsen, um noch viele Jahre Kanzler zu werden?
Danke für die freundliche Formulierung. Ich fühle mich fit und leistungsfähig.
Die „Generation Z“ hätte dennoch ein paar andere Lebenspläne, als mit 69 noch zu schuften. Keine Sehnsucht nach Work-Life-Balance, Herr Merz?
So denke ich nicht. Für uns alle im Land gilt, dass wir für unsere Freiheit und unseren Wohlstand etwas mehr arbeiten müssen, und da versuche ich, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Interview: Georg Anastasiadis, Mike Schier, Christian Deutschländer

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