Koalitions-Zoff?

Merz nimmt Bas' „Bullshit“-Kritik locker: „Nicht auf die Goldwaage legen“

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Friedrich Merz bezeichnet den Sozialstaat in seiner bisherigen Form als nicht zukunftsfähig – und erntet vom Koalitionspartner dafür scharfe Kritik.

Berlin – Inmitten von Diskussionen um die Kürzungspläne bei Sozialleistungen und Steuerdebatten wird der Ton zwischen Vertretern von Union und SPD immer mal wieder rauer. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) etwa hatte den Streit um die Sozialkürzungen am Wochenende öffentlich als „Bullshit“ bezeichnet und damit für einige Aufregung bei Kritikern gesorgt.

CDU-Kanzler Friedrich Merz nimmt die Sache unaufgeregt, und sagte am Montag vor Journalisten bei seinem offiziellen Antrittsbesuch bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung in Münster, dass er „solche Worte nicht auf die Goldwaage“ lege. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Bas‘ scharfe Wortwahl kommentierte der Kanzler in Münster mit der Bemerkung, dass man „insbesondere, wenn man bei den Jusos spricht“, wohl „etwas drastischer“ formulieren müsse. Aber auch er selbst vertrete seine Positionen ja „klar und deutlich“.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Bas übt scharfe Kritik an Sozialkürzungen – Viele Sozialdemokraten sehen Pläne kritisch

Bas‘ umstrittene Formulierung war am Sonntag bei einem Auftritt der Politikerin im Rahmen der Landeskonferenz des SPD-Jugendverbandes in Gelsenkirchen gefallen. Wörtlich hatte Bas gesagt: „Diese Debatte gerade, dass wir uns diese Sozialversicherungssysteme und diesen Sozialstaat finanziell nicht mehr leisten können, ist – und da entschuldige ich mich jetzt schon für den Ausdruck – Bullshit.“

Auch andere Sozialdemokraten haben sich in den letzten Wochen klar gegen den Kurs der Sozialkürzungen ausgesprochen, den Merz mit der Begründung vorantreiben will, dass „der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben“, mit dem, „was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar“ sei. SPD-Chef Lars Klingbeil sagte dazu, dass er zwar Reformbedarf sehe, aber der Sozialstaat „nicht kaputt gemacht“ werden dürfe. Juso-Vorsitzender Philipp Türmer hatte im Interview mit der Stuttgarter Zeitung gefordert, dass die SPD bei den Sparplänen des Kanzlers in Sachen Sozialleistungen „keinen Zentimeter mitgehen“ dürfe.

Arbeitsministerin Bärbel Bas hat die Kürzungspläne der CDU im Bereich der Sozialleistungen bei einer Juso-Konferenz am Wochenende als „Bullshit“ bezeichnet und erntet dafür einige Kritik. (Archivfoto)

Einschnitte bei Bürgergeld und Rente: Reformen laut Merz „notwendig“ und „überfällig“

Merz wiederum argumentiert, dass die im Koalitionsvertrag angedachten Reformen der sozialen Sicherungssysteme „notwendig“ und sogar „überfällig“ seien, wie die dpa zitiert. Merz fordert im Rahmen seines harten Kurses in dieser Sache etwa empfindliche Einschnitte beim Bürgergeld sowie eine längere Zeit auf dem Arbeitsmarkt bis zur Rente. Dafür sowie für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung im Falle von Arbeitslosigkeit müsse es künftig laut Merz größere Anreize geben, wie etwa die Tagesschau berichtet.

Als Beispiel für eine Stimme in der SPD, die Reformen des Sozialstaats durchaus begrüßt, zitiert etwa der Tagesspiegel den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer. Er vertritt die Position, dass die Sozialsysteme zu analog und altmodisch seien und insgesamt von zu vielen Akteuren geprägt. Die CDU-Position, dass die reine Kürzung von Sozialleistungen eine Lösung sei, lehnt aber auch er ab, und fordert stattdessen umfangreiche Reformen bei der Verwaltung, die seine Partei aktiv mitgestalten wolle. (saka mit dpa)

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