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Ringtausch-Ärger: Merz poltert auf Polen-Reise gegen Ampel - „geht nicht mehr“

Kritiker werfen der Ampel-Koalition vor, zu zögerlich Waffen im Ukraine-Krieg zu liefern. CDU-Chef Merz will in Warschau die Wogen glätten. News-Ticker.

Update vom 28. Juli, 21.30 Uhr: Friedrich Merz kann die Verstimmungen in Polen angesichts des ins Stocken geratenen Ringtauschs verstehen. Im phoenix-Interview nannte der ins Nachbarland gereiste CDU-Chef zwei Zahlen. Polen habe 250 Panzer an die Ukraine geliefert, „das ist ein Drittel des Bestands der polnischen Armee“. Dagegen würde Deutschland bis jetzt 20 Panzer als Ersatz anbieten. „Dass das hier nicht auf Begeisterung stößt, das kann ich verstehen und da kann ich dann auch nicht mehr die Vorwürfe entkräften. Das geht dann nicht mehr“, merkte Merz an.

Der Oppositionsführer im Bundestag unkt, es sehe so aus, als sei zwischen beiden Regierungen „keine feste Vereinbarung über den Ersatz“ getroffen worden. Ein herber Fehler: „Deswegen wäre meine Empfehlung, auch an uns, bevor man so einen Ringtausch macht, sollte klar sein, wie der denn dann im Detail aussieht.“

An das Kabinett von Olaf Scholz gerichtet, führte er fort: „Die Erwartung, die berechtigterweise besteht, ist, dass Deutschland eine stärkere Rolle übernimmt, auch in der Formulierung der zukünftigen Außen- und Sicherheitspolitik. Das ist nicht eine Kombination aus vielen einzelnen Mosaiksteinen, sondern das muss ein Gesamtbild sein.“ Hier erwartet er von der Bundesregierung „eine führende Rolle“.

Zugleich empfahl er einen direkten Austausch mit Warschau: „Ich tue das, ich versuche das im Rahmen meiner Möglichkeiten. Und das wäre glaube ich gut, wenn andere das auch täten. Die persönliche Begegnung ist durch nichts zu ersetzen.“

Ringtausch-Ärger: Merz gibt den Antreiber und reist auf eigene Faust – ein zweites Mal früher als die Ampel

Ursprungsmeldung vom 28. Juli, 2022:

Warschau - Deutschland und seine EU-Partner geraten angesichts der russischen Invasion in die Ukraine in Ringtausch-Stress: Polen ist über ausbleibende Nachlieferungen aus der Bundesrepublik verstimmt – aber nicht der Kanzler, sondern der deutsche Oppositionsführer reist hin. Einen Schlafwagen-Tweet wie bei seiner Kiew-Reise setzte Friedrich Merz bei der Hinfahrt nach Warschau am Mittwoch (27. Juli) allerdings nicht ab.

Polen-Reise des CDU-Chefs: Friedrich Merz trifft Präsident Morawiecki

Was aber von einem Unionsfraktions-Sprecher und offiziellen Fotos bestätigt ist: Merz sprach in Warschau mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki. Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt. Außerdem traf Merz den früheren Regierungschef und jetzigen Oppositionspolitiker Donald Tusk sowie den Vorsitzenden der nationalkonservativen polnischen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski.

Vermittler im Ringtausch-Streit mit Polen? CDU-Chef Friedrich Merz in Warschau

Vorwürfe im Ringtausch: Berlin liefert im Ukraine-Krieg zu langsam

Merz sucht angesichts der Verstimmung über Deutschlands Verhalten bei Waffenlieferungen an Kiew Kontakt zur polnischen Politik. Polen hatte der Ukraine Panzer sowjetischer Bauart überlassen, und sollte dafür Ersatz von Verbündeten wie Deutschland bekommen.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) räumte kürzlich ein, dass der Ringtausch mit Polen nicht läuft wie geplant. Polen hat mehr als 200 Panzer an die Ukraine abgegeben, ist aber unzufrieden mit dem deutschen Angebot eines Ausgleichs.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Affront gegen den Kanzler? Merz verreist im Ringtausch-Streit früher als Scholz

Die Polen-Reise von Merz kann durchaus als Brüskierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) verstanden werden. Der CDU-Chef hatte die Bundesregierung zuvor aufgefordert, wie versprochen Panzer an Polen weiterzugeben und warf der Ampel-Koalition unter Scholz vor: „Die Öffentlichkeit wird getäuscht.“

Am Freitag (29. Juli) will Merz weiter zu Gesprächen nach Litauen reisen. Er war Anfang Mai bereits in die Ukraine gereist - als erster deutscher Spitzenpolitiker - und in Kiew von Präsident Wolodymyr Selenskyj empfangen worden. (frs mit Material von dpa und AFP)

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