Regierung ohne Mehrheit

Merz sagt Scholz ab: Keine neuen Gesetze mit Unterstützung der Union

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Oppositionsführer Friedrich Merz lehnt das Werben von Rot-Grün um Zustimmung im Bundestag nach dem Scheitern der Ampelkoalition entschieden ab.

Berlin – Die rot-grüne Minderheitsregierung ist bis zu den Neuwahlen auf Stimmen anderer Parteien angewiesen, wenn sie Gesetze verabschieden will. Mit der CDU/CSU aber wird dies wohl nicht gehen: Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) hat dem Wunsch der Bundesregierung nach einer gemeinsamen Verabschiedung wichtiger Gesetze im Bundestag vor der Neuwahl eine klare Absage erteilt. „Größere Entscheidungen wird der Deutsche Bundestag zumindest mit unserer Zustimmung nicht mehr treffen“, sagte Merz am Dienstag in Berlin. Merz sagte, die Unionsfraktion sei „nicht das Ersatzrad an diesem verunglückten Wagen“ der Ampel-Koalition.

Die Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wirbt bei der Union um Zustimmung für einige als wichtig erachtete Gesetzesvorhaben – etwa zur Verlängerung der Mietpreisbremse, zu finanziellen Entlastungen durch eine Erhöhung des Kindergelds und einen Abbau der kalten Progression sowie zum besseren Schutz wichtiger Infrastruktur-Einrichtungen, dem sogenannten Kritis-Dachgesetz.

Merz: Grüne und SPD noch nicht daran gewöhnt, keine Mehrheit mehr zu haben

Nicht aber mit Merz. SPD und Grüne hätten sich offenbar noch nicht daran gewöhnt, dass sie keine Mehrheit mehr haben, kritisierte der Unions-Kanzlerkandidat. „Wir werden diesen Gewöhnungsprozess in dieser Woche etwas beschleunigen, so dass sie in den nächsten Tagen verstehen: Wir haben in Deutschland eine Regierung ohne Mehrheit im Parlament.“

Friedrich Merz will Olaf Scholz im Bundestag nicht mit Stimmen aushelfen.

Merz konkretisierte: „Wir werden keinem Gesetzentwurf der SPD und der Grünen zustimmen, der haushaltswirksam ist.“ Weiter äußerte er: „Wir haben weder einen Nachtragshaushalt für das Jahr 2024, noch gibt es einen Haushalt für das Jahr 2025. Damit verbieten sich Beschlussfassungen, die haushaltswirksam sind.“ Dies betreffe sämtliche derartigen Beschlüsse, die von der Koalition vorgetragen würden.

CDU will nicht mit SPD stimmen: Verfassungsgerichts-Gesetzänderung wird wohl Ausnahme werden

Ausnahmen von der CDU-Vorgabe gibt es aber wohl dennoch. Unions-Parlamentsgeschäftsführer Thorsten Frei (CDU) bekräftigte, dass seine Fraktion nur bei sehr wenigen Vorhaben im Bundestag ihre Zustimmung erteilen werde – so etwa bei der Grundgesetzänderung zum besseren Schutz des Bundesverfassungsgerichts, die noch vor Weihnachten verabschiedet werden könne. Offen sei seine Fraktion auch für die gesetzliche Grundlage für die geplante Entsendung einer Bundeswehr-Brigade nach Litauen, für die Verlängerung bestehender Bundeswehrmandate und die Billigung von Rüstungsvorhaben im Haushaltsausschuss.

Auch Frei jedoch sparte nicht an Kritik für Rot-Grün. Den Versuch der Bundesregierung, vor der Neuwahl noch Mehrheiten im Bundestag für andere Gesetzgebungsprojekte zu finden, kritisierte Frei als „naiv und illusorisch“. Solche Projekte müssten von einem neu gewählten Bundestag vorangetrieben werden. Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, er rechne vor der Bundestagswahl am 23. Februar nur noch „mit einer sehr reduzierten Zahl von Entscheidungen“ im Bundestag.

Grüne hoffen auf Einlenken von Union: Mietpreisbremse könnte sonst auslaufen

Optimistischer zeigten sich dagegen die Grünen. Sie forderten Merz dazu auf, sich einer Verlängerung der geltenden Mietpreisbremse nicht in den Weg zu stellen. „Wir hoffen, dass wir da noch mit der Union zu einer Einigung kommen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge am Dienstag in Berlin. Sie warnte davor, dass ansonsten die Regelungen nicht nur im Bund, sondern auch in den Ländern Ende kommenden Jahres auslaufen würden. Sollte Merz hier weiterhin auf der Bremse stehen, „dann tragen die höheren Mieten künftig einen Namen, den von Friedrich Merz“, so Dröge.

Ehe-Aus: Baerbock und Ehemann auf dem roten Teppich – Bilder vor der Trennung

Am 22. November 2024 hatte Annalena Baerbock den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, zu einem Gespraech im Rahmen der COP29 in Baku getroffen. Am selben Tag verbreitete sie ein Statement zusammen mit ihrem Mann über die Trennung.
Am 22. November 2024 hatte Annalena Baerbock den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, zu einem Gespräch im Rahmen der COP29 in Baku getroffen. Am selben Tag verbreitete sie ein Statement zusammen mit ihrem Mann über die private Trennung. © Felix Zahn/Imago
Annalena Baerbock am Tag nach der öffentlichen Verkündung ihrer Trennung von Daniel Holefleisch. Die Außenministerin auf dem  dem UN-Klimagipfel in Baku.
Annalena Baerbock am Tag nach der öffentlichen Verkündung ihrer Trennung von Daniel Holefleisch. © IMAGO/Bianca Otero
Annalena Baerbock und ihr Ehemann Daniel Holefleisch bei 67. Bundespresseball im Hotel Adlon in Berlin, Ende 2018.
Rückblick: Annalena Baerbock und ihr Ehemann Daniel Holefleisch waren immer wieder Gast auf dem Roten Teppich. Hier beim 67. Bundespresseball im Hotel Adlon in Berlin, Ende 2018. © Annegret Hilse / Imago
Baerbock und Holefleisch waren beim Bundespresseball 2018 gern gesehene Gäste – sie war damals Parteivorsitzende der Grünen.
Baerbock war damals Parteivorsitzende der Grünen. Drei Jahre später ging sie als Ministerin in die Ampel-Regierung. © Eventpress Golejewski/Imago
Beim Besuch des 67. Bundespresseballs im Hotel Adlon 2018 wirkte das Paar gelöst.
Beim Besuch des 67. Bundespresseballs im Hotel Adlon 2018 wirkte das Paar gelöst. © IMAGO / Sven Simon (2)
Gemeinsame Stimmabgabe in Potsdam: In ihrem Wahlkreis holte Annalena Baerbock bei der Bundestagswahl 2021 insgesamt 18,8 Prozent.
Gemeinsame Stimmabgabe in Potsdam: In ihrem Wahlkreis holte Annalena Baerbock bei der Bundestagswahl 2021 insgesamt 18,8 Prozent. ©  Political-Moments / Imago
Moment der Vertrautheit: Daniel Holefleisch und Annalena Baerbock 2021.
Moment der Vertrautheit: Daniel Holefleisch und Annalena Baerbock im Vorfeld der Bundestagswahl 2021. © Jan Woitas/dpa
BaerbockEnde 2018 auf der 43. Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Leipzig. Anfang des Jahres war sie zur Bundesvorsitzenden gewählt worden. Zuvor hatte sie von 2009 bis 2013 den Landesvorsitz der Grünen in Brandenburg inne.
Baerbock Ende 2018 auf der 43. Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Leipzig. Anfang des Jahres war sie zur Bundesvorsitzenden gewählt worden. Zuvor hatte sie von 2009 bis 2013 den Landesvorsitz der Grünen in Brandenburg inne. © Hendrik Schmidt/dpa
Klimaschutz, Soziale Gerechtigkeit, Europäische Zusammenarbeit: Baerbock hatte in ihrer Zeit als Grünen-Chefin mehrere Schwerpunkte.
Klimaschutz, Soziale Gerechtigkeit, Europäische Zusammenarbeit: Baerbock hatte in ihrer Zeit als Grünen-Chefin mehrere Schwerpunkte. © Federico Gambarini/dpa
2021 übernahm Baerbock das Amt der Außenministerin. Von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt sie im Schloss Bellevue die Ernennungsurkunde.
2021 übernahm Baerbock das Amt der Außenministerin. Von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt sie im Schloss Bellevue die Ernennungsurkunde. © Bernd Von Jutrczenka/dpa
Annalena Baerbock Ende 2021 neben ihrem Ehemann Daniel Holefleisch bei der Amtsübergabe des vorherigen Außenministers Heiko Maas (SPD).
Annalena Baerbock Ende 2021 neben ihrem Ehemann Daniel Holefleisch bei der Amtsübergabe des vorherigen Außenministers Heiko Maas (SPD). © Kay Nietfeld/dpa
Gemeinsamer Besuch des 70. Bundespresseballs im Hotel Adlon Kempinski im April 2023.
Glamour in Berlin: Gemeinsamer Besuch des 70. Bundespresseballs im Hotel Adlon Kempinski im April 2023. © Annette Riedl/dpa
70. Bundespresseball „Für die Pressefreiheit“
Daniel Holefleisch und Annalena Baerbock kamen zu dem Event vergangenes Jahr zusammen in passender Abendgarderobe. © Monika Skolimowska/dpa
Gruppenfoto auf dem Bundespresseball: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r), Annalena Baerbock (2.v.l.), Außenministerin, Can Dündar (3.v.r), türkischer Journalist, Elke Büdenbender (4.v.r), Ehefrau des Bundespräsidenten, Daniel Holefleisch und Dilek Dündar (2.v.r), Ehefrau von Can Dündar.
Gruppenfoto auf dem Bundespresseball: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r), Annalena Baerbock (2.v.l.), Außenministerin, Can Dündar (3.v.r), türkischer Journalist, Elke Büdenbender (4.v.r), Ehefrau des Bundespräsidenten, Daniel Holefleisch und Dilek Dündar (2.v.r), Ehefrau von Can Dündar. © Monika Skolimowska
Beim Grünen-Parteitag im November 2023 war Daniel Holefleisch an der Seite von Annalena Baerbock.
Beim Grünen-Parteitag im November 2023 war Daniel Holefleisch an der Seite von Annalena Baerbock. © Kay Nietfeld/dpa
Beim Grünen-Parteitag im November 2023 saß Daniel Holefleisch neben Robert Habeck.
Auf dem Parteitag saß Holefleisch neben Robert Habeck. © Kay Nietfeld/dpa
Ursprünglich als „Traumpaar“ (hier 2018) der Grünen gefeiert, hat sich die Beziehung zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck seit der Bundestagswahl 2021, in der Baerbock die Kanzlerkandidatur gewann, merklich verändert.
Politischer Wegbegleiter: Ursprünglich als „Traumpaar“ (hier 2018) der Grünen gefeiert, hat sich die Beziehung zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck seit der Bundestagswahl 2021, in der Baerbock die Kanzlerkandidatur gewann, merklich verändert. © Hendrik Schmidt/dpa
2021 ließ ihr Habeck den Vortritt: Die damalige Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock führte ihre Partei als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl.
2021 ließ ihr Habeck den Vortritt: Die damalige Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock führte ihre Partei als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl. © Kay Nietfeld/dpa
Drei Jahre später dann vertauschte Rollen: Robert Habeck wird Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl 2025. Annalena Baerbock beglückwünschte den amtierenden Wirtschaftsminister auf dem Parteitag.
Drei Jahre später dann vertauschte Rollen: Robert Habeck wird Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl 2025. Annalena Baerbock beglückwünschte den amtierenden Wirtschaftsminister auf dem Parteitag: „Ich will genau das: dich als Kanzler!“ © Michael Kappeler/dpa
Annalena Baerbock wird in wenigen Wochen 44 Jahre alt. Im Trennungs-Statement hieß es: „Um möglichen Spekulationen zuvorzukommen: Es gibt keine neuen Partner.“
Annalena Baerbock wird in wenigen Wochen 44 Jahre alt. Im Trennungs-Statement hieß es: „Um möglichen Spekulationen zuvorzukommen: Es gibt keine neuen Partner.“ © Sergei Grits/dpa
Privat ist Annalena Baerbock leidenschaftliche Trampolinspringerin und betrieb diesen Sport während ihrer gesamten Kindheit und Jugend als Leistungssport. Im Rahmen ihrer Sommerreise 2024 in Nordrhein-Westfalen nutzte sie in der Sporthalle ein Trampolin.
Privat ist Annalena Baerbock leidenschaftliche Trampolinspringerin. Im Rahmen ihrer Sommerreise 2024 in Nordrhein-Westfalen nutzte sie in der Sporthalle ein Trampolin. © David Young/dpa
Dass sie gern ohne Schuhwerk unterwegs ist, zeigte sie nicht nur bei der Sommerreise dieses Jahr – wie hier beim Besuch vom TSV Bayer 04 Leverkusen.
Dass sie gern ohne Schuhwerk unterwegs ist, zeigte sie nicht nur bei der Sommerreise dieses Jahr – wie hier beim Besuch vom TSV Bayer 04 Leverkusen. © David Young/dpa
Bundestagswahl 2021: Daniel Holefleisch begleitete Annalena Baerbock zur Stimmabgabe.
Im November 2024 hieß es von Holefleisch und Baerbock überraschend: „Wir haben in einem längeren Prozess gemeinsam vor einiger Zeit entschieden, dass wir kein Paar mehr sind.“ © Political-Moments / Imago
Das Paar, das zusammen zwei Töchter hat, erklärte, beide wollen weiterhin in ihrem gemeinsamen Zuhause in Potsdam leben. In der Stadt nahe Berlin wollen beide „gemeinsam dafür sorgen, dass unsere beiden Töchter in Ruhe und in einem liebevollen Umfeld aufwachsen können.“
Das Paar, das zusammen zwei Töchter hat, erklärte, beide wollen weiterhin in ihrem gemeinsamen Zuhause in Potsdam leben. In der Stadt nahe Berlin wollen beide „gemeinsam dafür sorgen, dass unsere beiden Töchter in Ruhe und in einem liebevollen Umfeld aufwachsen können.“ © Karina Hessland / Imago
Wie es für Annalena Baerbock nach der Bundestagswahl 2025 weitergeht, ist noch unklar. In einer nach aktuellen Umfragen möglichen Schwarz-Grünen-Koalition könnte sie eine wichtige Rolle spielen.
Wie es für Annalena Baerbock nach der Bundestagswahl 2025 weitergeht, ist noch unklar. In einer nach aktuellen Umfragen möglichen Schwarz-Grünen-Koalition könnte sie eine wichtige Rolle spielen. © Peter Dejong/dpa

Die aus der Ampel ausgeschiedene FDP dagegen will ihrerseits mithilfe von CDU und Grünen eine Abstimmung gewinnen: Die Liberalen wollen eigene Anträge zur Abschaffung des deutschen Lieferkettengesetzes und zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine einbringen. FDP-Parlamentsgeschäftsführer Johannes Vogel wies darauf hin, dass es für den Taurus-Antrag eine rechnerische Mehrheit aus Union, Grünen und FDP gäbe. Union und Grüne könnten „dem Zögern und Zaudern von Bundeskanzler Scholz ein Ende setzen und unserem Antrag zustimmen“, sagte Vogel. Dröge stellte aber bereits klar, dass die Grünen nicht gegen den Koalitionspartner SPD stimmen würden.

FDP könnte eigenen Gesetzesvorwürfen aus Ampel-Zeit zustimmen

Wenn sich die CDU weiter quer stellt, ist allerdings trotzdem nicht ausgeschlossen, dass es zu Mehrheiten kommt: Die FDP könnte trotz ihres Ausscheidens aus der Ampel-Koalition einigen Gesetzentwürfen, die unter ihrer Beteiligung entstanden sind, noch zustimmen. Dann würde die Union für die Verabschiedung nicht benötigt – es sei denn, der Bundesrat muss auch noch zustimmen. (cgsc mit dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/Christophe Gateau/dpa (Montage)

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