Heikler Koalitionsausschuss

Merz-Tauschhandel zur Stromsteuer soll Koalitionszoff beenden

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Merz muss heute mit der SPD im Koalitionsausschuss einen Weg bei der Stromsteuer finden, um den Regierungsstreit zu beenden. Mehrere Ansätze gibt es.

Berlin – So manch ein politischer Beobachter beschwört bereits Erinnerungen an den ewigen Zoff der Ampel-Koalition: Die Merz-Regierung streitet aktuell über die Stromsteuer. Doch Erinnerungen an die gelähmte Ampel wecken will in der neuen Regierung niemand. Kanzler Friedrich Merz sieht das schwarz-rote Bündnis schließlich als effiziente „Arbeitskoalition“.

Stromsteuer sorgt für Streit in Merz-Koalition – Finden SPD und Union heute Kompromiss?

Spannend wird deshalb heute, ob SPD und Union sich heute im Koalitionsausschuss zu einem Kompromiss bei der Stromsteuer durchringen. Zum Zoff in der Regierung kam es, weil SPD-Finanzminister Lars Klingbeil in den Haushaltsverhandlungen entschied, Strom erst einmal nur für die Industrie und die Land- und Forstwirtschaft zu vergünstigen – und nicht, wie angekündigt, auch für Verbraucher und kleine Betriebe.

Es hagelte daraufhin Kritik von der Union, auch von führenden Köpfen wie Jens Spahn und Hendrik Wüst. Auch Wirtschafts- und Sozialverbände sowie Gewerkschaft protestierten.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Bei Stromsteuer steht Wortbruch-Vorwurf im Raum – Klingbeil strich Vorhaben aus Haushalt

Der Vorwurf des Wortbruchs war schnell da. Denn Merz und Klingbeil hatten in ihrem Koalitionsvertrag eine Senkung der Stromsteuer „für alle“ ab 1. Januar 2026 versprochen. Damit würde eine vierköpfige Familie rund 90 Euro im Jahr sparen, wir nun überall vorgerechnet wird.

Den Zoff beenden und eine Lösung bringen soll der heutige Koalitionsausschuss. Merz stellte kurz davor eine Lösung in Aussicht, verwies aber auf die Finanzierbarkeit: „Alles, was unsere Haushaltsmittel möglich machen, ist denkbar, aber wir müssen eben auch den Haushalt ausgleichen“, sagte Kanzler am Dienstag (1. Juli).

Wer sitzt im Koalitionsausschuss am Mittwoch, 2. Juli?
für die CDUFriedrich Merz, Carsten Linnemann, Jens Spahn, Thorsten Frei
für die CSUMarkus Söder, Alexander Dobrindt, Alexander Hoffmann
für die SPDLars Klingbeil, Bärbel Bas, Matthias Miersch, Björn Böhning

Stromsteuer gegen Bürgergeld: Merz plant offenbar Tauschhandel im Koalitionsausschuss

Offenbar plant Merz, beim Bürgergeld zu sparen, um die Stromsteuer doch noch für alle zu senken: 1,5 Milliarden Euro will der Kanzler 2026 nach dpa-Informationen beim Bürgergeld abzwacken, später sollen es 4,5 Milliarden Euro sein. Funktionieren soll das zunächst über schärfere Sanktionen für Bürgergeld-Empfänger, danach soll es eine Reform des Bürgergelds mit neuen Regelsätzen geben. Ob die SPD mitzieht, ist offen. SPD-Haushaltspolitiker Thorsten Rudolph forderte CDU und CSU stattdessen auf, auf „ihre extrem teuren Wahlgeschenke bei Gastronomie, Agrardiesel und Mütterrente“ zu verzichten.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), hier bei einer Sitzung des Bundeskabinetts, will heute im Koalitionsausschuss den Streit um die Stromsteuer schlichten.

Ein anderer Stromsteuer-Deal kam von CDU-Energiepolitiker Tilmann Kuban gegenüber der Bild: „Eine Stromsteuersenkung für alle ist finanzierbar, wenn wir die Wärmepumpenförderung kürzen.“ Grundsätzlich positiv sah dies auch Kanzleramtschef Thorsten Frei, ein enger Vertrauter von Merz.

Merz braucht Einigung mit Klingbeil-SPD bei Stromsteuer - er muss innenpolitisch liefern

Für Merz geht es heute beim Koalitionsausschuss auch darum, dass er in der Innenpolitik liefert, nachdem er bisher vor allem in der Außenpolitik glänzte, schreibt das Handelsblatt. Die Wirtschaft durch Entlastungen anzukurbeln, war einer seiner Haupt-Versprechen im Wahlkampf.

SPD-Chef Lars Klingbeil wiederum kommt nach seinem miesen Ergebnis bei der Wahl beim SPD-Parteichef recht gerupft zum Koalitionsausschuss in Kanzleramt. Zum ersten Mal dabei ist seine Co-Chefin Bärbel Bas, die gemeinsam mit zehn Männern in der Runde aus den Spitzen von SPD, CDU und CSU sitzt. Der Koalitionsausschuss beginnt am Mittwoch (2. Juli) um 17 Uhr. (smu)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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