Antrittsbesuch in Washington

Merz trifft auf Trumps „Hassliebe“ zu Deutschland – Geschenk soll ihn milde stimmen

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Bei seinem Treffen mit Trump heute stößt Merz wohl auf „Hassliebe“. Manchmal ist der US-Präsident voll des Lobs für Deutschland, manchmal gibt es Spott.

Update vom 5. Juni. 19.25 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich ein ganz besonderes Geschenk ausgedacht, um das Eis mit dem US-Präsidenten Donald Trump zu brechen. Der CDU-Chef bracht aus Deutschland die Geburtsurkunde von Trumps Großvater in zwei Ausführungen mit. In deutschem Original und in einer Übersetzung ins Englische, die eigens für das Geschenk angefertigt worden war. Merz präsentierte das Geschenk in einem kurzen Video auf X, das während des Treffens mit Trump veröffentlicht wurde. „Wirklich sensationell“, nannte Merz das Geschenk. „Ich würds am liebsten behalten“.

Trump begeistert von Gastgeschenk von Merz: „Das ist ernsthaftes Deutsch“

Trumps Vorfahren kommen aus Kallstadt in der Pfalz und emigrierten später in die USA. Merz hatte den US-Präsidenten deswegen schon vor einigen Wochen zu einem Besuch in die Heimat seiner Vorfahren eingeladen. Das Geschenk erwies sich im Oval Office als echter Volltreffer. Trump zeigte sich erfreut über das Geschenk: „Fantastisch“, sagte er. Er sicherte zu, es irgendwo aufzuhängen, und blickte sich dabei suchend im Oval Office um, was für Gelächter sorgte. Merz erläuterte auf Englisch, der Großvater sei in der Nähe von Bad Dürkheim geboren worden. „That‘s serious German“ („Das ist ernsthaftes Deutsch“), kommentierte Trump den Ortsnamen, und wiederholte ihn.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) überreicht US-Präsident Donald Trump die Geburtsurkunde seines Großvaters väterlicherseits im Oval Office.

Auch diverse Beobachter loben das Geschenk von Merz und sehen es mit als einen Grund dafür, dass das Treffen im Oval Office ruhig und ohne Eklat ablief. Trump lobte Merz im weiteren Verlauf des Treffens mehrfach und sprach den Kanzler auch nicht auf die Meinungsfreiheit in Deutschland oder den Umgang mit der AfD an. Themen, die im Voraus als potenzielle Aufreger betrachtet wurden.

Merz trifft auf Trumps „Hassliebe“ zu Deutschland – Geste soll Eis brechen

Erstmeldung, 4. Juni: Washington, DC – Am heutigen Donnerstag (5. Juni) empfängt US-Präsident Donald Trump den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Weißen Haus. Auf den ersten Blick scheinen die beiden Politiker viele Gemeinsamkeiten zu haben. Beide wollen die illegale Migration eindämmen, stehen der Windkraft kritisch gegenüber, lehnen russische Energielieferungen nach Europa ab und haben ein schwieriges Verhältnis zur ehemaligen Kanzlerin Angela Merkel, wie der Tagesspiegel analysiert.

Auch in der Sicherheitspolitik zeigen sich die beiden Staatsmänner nach außen hin einig. Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte kürzlich an, dass Deutschland, wie von Trump gefordert, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben werde.

Für diese neuen Verteidigungsanstrengungen erhielt Merz von der Trump-Regierung öffentlich Anerkennung. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte auf einer Konferenz in Singapur: „Dank Präsident Trump sollten unsere asiatischen Verbündeten auf die Länder Europas schauen als ein neues Paradebeispiel von Nato-Mitgliedern, die nun fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. Sogar Deutschland.“

Die Trump-Dynastie: Alle Mitglieder und ihre Rollen in der „First Family“

Drei Ehefrauen, vier Geschwister, fünf Kinder, zehn Enkelkinder: Donald Trumps Familie wächst und wächst. Wir stellen Donalds Lieblingskinder, die Ex-Frauen und den Rest des Trump-Clans vor.
Drei Ehefrauen, vier Geschwister, fünf Kinder, elf Enkelkinder … © Imago
Von links: Donald Trump Jr., Tiffany Trump, Donald Trump, Melania Trump und Barron Trump im Weißen Haus im August 2020
… Donald Trumps Familie wächst und wächst. Wir stellen Donalds Lieblingskinder, die Ex-Frauen und den Rest des Trump-Clans vor. © Imago
Donald Trump, ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten.
Er ist wohl der kontroverseste Amtsinhaber der Vereinigten Staaten: Donald Trump. Von 2017 bis 2021 residierte der Multimilliardär aus New York das erste Mal im Weißen Haus in Washington, DC. Bei der US-Wahl 2024 wurde er dann erneut zum US-Präsidenten gewählt. © Angela Piazza/Imago
Ivana Trump, ehemalige Ehefrau von Donald Trump und Mutter von Ivanka, Eric und Don, starb in diesem Jahr.
Von 1977 bis 1990 war Donald Trump mit seiner ersten Ehefrau Ivana Trump verheiratet. Die Scheidung von Ivana und Donald Trump zählt bis heute zu den berühmtesten Trennungen der USA. © Kristin Callahan/Imago
Ivana Trump auf dem roten Teppich zu einer Feier der Grammy-Gala im Januar 2018 in New York
Ivana behauptete, Donald Trump habe sie während ihrer Ehe 1989 vergewaltigt. Später gab sie zu, diese Anschuldigungen auf Anraten ihrer Anwälte erfunden zu haben. © John Angelillo/Imago
Ivana Trump bei der Vorstellung ihres Buches „Raising Trump“ in einem Hotel in Zagreb in Kroatien im April 2018.
Ivana Trump starb am 14. Juli 2022 im Alter von 73 Jahren in ihrer Wohnung in New York an den Folgen eines Treppensturzes. © Marko Lukunic/Imago
Donald Trump Jr. bei einer Pressekonferenz zum Gerichtsverfahren gegen seinen Vater im Mai 2024 in New York
Donald Trump Jr. ist das älteste der drei Kinder von Donald Trump und dessen erster Ehefrau Ivana. Er ist als lautstarker Unterstützer der Politik seines Vaters bekannt und nimmt teilweise noch extremere Positionen als dieser ein. © Carlos Chiossone/Imago
Donald Trump Jr. und seine Ex-Ehefrau Vanessa Trump.
Im Jahr 2003 lernte Trump Jr. Vanessa Haydon kennen. Sie heirateten 2005. Zusammen haben sie fünf Kinder, die zwischen 2007 und 2014 geboren wurden.  © John Angelillo/dpa
Parteitag der Republikaner in Milwaukee: Donald Trump Jr. und seine Tochter Kai Madison Trump
Das älteste Kind von Vanessa Haydon und Donald Trump Jr. ist Kai Madison Trump (im Bild), die im Mai 2007 geboren wurde. Haydon und Trump ließen sich Ende 2018 scheiden. © Jasper Colt/Imago
Donald Trump Jr. und seine neue Freundin Kimberly Guilfoyle.
Von 2018 bis 2024 stand diese Frau an der Seite von Donald Trump Jr.: Kimberly Guilfoyle, Juristin und ehemalige Moderatorin des US-Nachrichtensender Fox News. Sie ist neun Jahre älter als er und war vor der Beziehung zu Trump Jr. bereits zweimal verheiratet.  © Peter Foley/Imago
Ivanka Trump und Jared Kushner mit ihren drei Kindern.
Auch Donald Trumps älteste Tochter Ivanka Trump hat ihre eigene Familie gegründet: Verheiratet ist sie mit dem Unternehmer Jared Kushner.  © Imago
Ivanka Trump bei einem Spiel der New York Mets im August 2023 in New York
Ivanka gilt als heimliches Lieblingskind Trumps. Der nahm seine Tochter und ihren Ehemann mit nach Washington, DC. Im Weißen Haus waren beide in Trumps erster Amtszeit als Beraterin und Berater des US-Präsidenten tätig. Das Ehepaar nahm so Schlüsselrollen im Stab des US-Präsidenten ein.  © Imago
Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner bei einer Zeremomnie in Prag am 28. Oktober 2022
Ivanka Trump und Jared Kushner haben zusammen drei Kinder: Arabella Rose, Joseph Frederick und Theodore James. © Imago
Mittlerer Sohn von Donald Trump: Eric Trump mit seiner Frau Lara.
Und dann wäre da noch Eric Trump: Seit 2014 ist der zweite Sohn von Donald Trump mit seiner Frau Lara verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. © Mark Hertzberg/Imago
Eric Trump und Donald Trump beim Parteitag der Republikaner im Juli 2024 in Milwaukee, Wisconsin
Wie seine älteren Geschwister stieg auch Eric in die Familienfirma ein. Im Februar 2024 wurde er – ebenso wie sein Bruder Donald Jr. – in einem Betrugsprozess in New York dazu verurteilt, rund vier Millionen Dollar Strafe zu zahlen. Zudem darf er zwei Jahre lang kein Unternehmen im Bundesstaat New York leiten. © Imago
CPAC-Konferenz in Washington: Lara Trump
Eric Trumps Ehefrau Lara Trump wiederum soll Gerüchten zufolge den Fußstapfen ihres Schwiegervaters folgen wollen und eine politische Karriere anstreben. © Niyi Fote/dpa
Donald Trump und Marla Maples im Jahr 1991
Auf Ivana folgte an der Seite Donald Trumps Marla Maples. Die US-amerikanische Schauspielerin war von 1993 bis 1999 mit Trump verheiratet.  © Adam Scull/Imago
Marla Maples, Tiffany Trump und Donald Trump (v.l.) am 29. März 1994 in New York
1993 kam Tiffany, die Tochter von Marla Maples und Donald Trump, zur Welt.  © Imago
Ex-Frau von Donald Trump und Mutter von Tiffany Trump Marla Maples.
Berichten zufolge könnte die Trennung von Trump im Zusammenhang mit einer Affäre von Maples stehen. Ein Polizist griff Maples und einen Bodyguard Trumps im April 1996 auf. Nachdem Trump den Bodyguard gefeuert hatte, plauderte dieser von einer Liaison. © Vincenzo Landi/Imago
Tiffany Trump, Tochter von Donald Trump und Marla Maples.
Tiffany Trump wurde nach dem Unternehmen Tiffany & Co. benannt, dessen Hauptgeschäft neben dem Trump Tower in New York lag. Nach der Scheidung der Eltern 1999 wurde Tiffany von ihrer Mutter in Kalifornien großgezogen, wo sie bis zu ihrem Highschool-Abschluss lebte. Sie galt lange als schwarzes Schaf der Dynastie.  © Andrew Dolph/Imago
Tiffany Trump (l.) streichelt an Thanksgiving 2017 im Rosengarten des Weißen Hauses einen Truthahn, nehmen ihr Ivanka Trump mit ihrer Tochter Arabella
Anders als Ivanka, Eric und Don Jr. erhielt sie bisher keine wichtige Funktion im millionenschweren Familienunternehmen. Auch im Wahlkampf war sie selten zu sehen. Im November heiratete sie in Mar-a-Lago den libanesisch-amerikanischen Geschäftsmann Michael Boulos. © Imago
Tiffany Trump Boulos
Am 15. Mai 2025 gab Tiffany Trump (hier mit ihrem Ehemann bei der Amtseinführung ihres Vaters) auf Instagram die Geburt ihres ersten Kindes bekannt, eines Sohnes namens Alexander Trump Boulos. © Jack Gruber/Imago
Donald Trump mit seiner aktuellen Ehefrau Melania Trump.
Melania Trump ist die aktuelle Ehefrau Donald Trumps. Das Model ist seit 2005 mit dem ehemaligen Präsidenten verheiratet. Die beliebteste First Lady ist Melania Trump nicht.  © Imago
Melania Trump am Rednerpult einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner im Oktober 2024 in New York
Die First Lady wurde als Melanija Knavs in Slowenien geboren. Damiot ist sie nach Louisa Adams in den Jahren 1825 bis 1829 erst die zweite Präsidentengattin, die nicht in den USA zur Welt kam. © Imago
Trump and Vance Swearing-In at the US Capitol
2006 bekamen Melanie und Donald Trump einen Sohn. Barron Trumps öffentliche Auftritte sind allerdings rar. Hier ist er während der Amtseinführung seines Vaters am 20. Januar 2025 zu sehen. Zum Erstaunen der Öffentlichkeit: Der jüngste Sohn von Donald Trump ist mittlerweile über zwei Meter groß. © Kevin Lamarque/Imago

Merz-Besuch in Washington, DC: Trumps „Hassliebe“ zu Deutschland birgt Risiken

Auf den ersten Blick scheint das Treffen zwischen Trump und Merz in Washington reibungslos verlaufen zu können. Doch wenn es um Deutschland geht, ist Trump unberechenbar. Analysten sprechen von einer „Hassliebe“, einem „ambivalenten Verhältnis“ und einer „Deutschland-Obsession“. Trump schwanke zwischen Stolz auf seine deutschen Wurzeln und Verachtung für alles Deutsche. I

Während seiner ersten Amtszeit sprach Trump im Oktober 2019 von einem unzerstörbaren Band zwischen den USA und Deutschland. Der Fall der Berliner Mauer sei ein „Triumph der Freiheit“ gewesen. Dieses historische Ereignis unterstreiche das gemeinsame Engagement der USA und Deutschlands für Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte.

Der Republikaner fügte hinzu: „Unsere gemeinsamen Werte und historischen und kulturellen Bindungen stärken den ewigen Bund zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland. Diese Partnerschaft bildet das Fundament einer großen und hoffnungsvollen Zukunft für die Welt.“

Merz-Treffen mit Trump in Washington, DC: US-Präsident fühlte sich von Deutschen „nicht geliebt“

Viele Deutschen haben Trump offenbar nie besonders gemocht, was ihn kränkte: „Die Deutschen haben Obama geliebt, mich nicht“, sagte er Anfang November 2024, kurz vor der Präsidentschaftswahl. „Dabei habe ich deutsche Wurzeln. Sie haben mich nicht geliebt, weil ich ihnen gesagt habe, ihr müsst zahlen.“ Barack Obama war von 2009 bis 2017 der 44. Präsident der USA.

Es gab Zeiten, in denen Trump die ehemalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel bewunderte. „Deutschland sitzt still da, sammelt Geld ein und verdient ein Vermögen mit der wahrscheinlich größten Führungskraft der Welt, Merkel.“ So äußerte sich Trump 2015 gegenüber dem Time Magazine. Er bezeichnete Merkel als „fantastisch“ und „sehr angesehen“.

Vor Merz-Treffen in Washington, DC: Trump fühlt sich von Deutschland übervorteilt

Doch nur wenige Monate später schwand Trumps Wertschätzung für Merkel. Im Herbst 2015 kürte das Time Magazine Merkel zur Person des Jahres, als Anerkennung für ihre Flüchtlingspolitik. Trump beklagte damals die Wahl Merkels, „obwohl ich der große Favorit war“.

Die Jury habe mit Merkel „eine Person gewählt, die Deutschland ruiniert“, wetterte er. Im Wahlkampf 2024 rief Trump bei einer Veranstaltung seinem Publikum zu: „Erinnert ihr euch an Angela?“, und spottete: „Niemand erinnert sich mehr an sie.“

Trump fühlt sich seit Jahren von den Europäern übervorteilt – besonders von den Deutschen, sei es bei den Nato-Verpflichtungen oder den Auto-Exporten. Er ist überzeugt, dass die USA ausgenutzt werden – vor allem von Deutschland, dem Land seiner Vorfahren.

Trump-Treffen in Washington, DC: Merz will auch an deutsche Herkunft des US-Präsidenten erinnern

Friedrich Trump, der Großvater des heutigen US-Präsidenten, wanderte 1885 aus Kallstadt in Rheinland-Pfalz nach New York aus. Noch im April 2019 sagte Trump bei einem Empfang im Weißen Haus: „Mein Vater ist Deutscher, war Deutscher. Und er wurde in einem wunderbaren Ort in Deutschland geboren. Deshalb habe ich großartige Gefühle für Deutschland.“ Merz nutzte bereits sein erstes Telefonat, um Trump nach Kallstadt in Deutschland einzuladen, was bei diesem offenbar Anklang fand.

Es bleibt abzuwarten, auf welchen Trump Kanzler Merz am Donnerstag im Weißen Haus treffen wird: den Deutschland-Bewunderer oder den Deutschland-Skeptiker. Laut durchgesickerten Informationen hat sich Merz auch auf einen möglichen Eklat vorbereitet und nimmt einige Top-Leute als Begleitung mit ins Oval Office.

Der CDU-Kanzler plant, Trump bei seinem Besuch an dessen deutsche Vorfahren zu erinnern: Er bringt ihm ein Buch mit, das eine Sammlung von Briefen deutscher Einwanderer in die USA enthält. Das Werk wurde 1988 von Walter Kamphoefner unter dem Titel „News from the Land of Freedom. German Immigrants write home“ veröffentlicht. Merz bringt dieses Geschenk mit, da er als besondere Ehre im Gästehaus des US-Präsidenten, dem Blair House, übernachten darf. Das Treffen zwischen Trump und Merz kann live im Fernsehen und per Livestream verfolgt werden. (Jan-Frederik Wendt)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

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