Wüst wird Kandidat in der K-Frage

Nach Söders Absage an eine Kanzlerkandidatur: Bekommt Merz Konkurrenz aus NRW?

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NRW-Ministerpräsident Wüst wird im Rennen um eine Kanzlerkandidatur immer präsenter. Dabei stellt er den Gegenentwurf zur konservativen Parteispitze dar.

Düsseldorf – In der Union scheint sich ein neuer Kandidat im Rennen um die Kanzlerfrage mit einzumischen. Nachdem sich der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur bislang eher verhalten zeigen, rückt nun ein Mann in den Fokus: Hendrik Wüst. Der Ministerpräsident aus Nordrhein-Westfalen wird von vielen als ernstzunehmende Konkurrenz gehandelt.

NRW-Regierungschef Wüst lässt Frage von Kanzlerkandidatur offen

Steigende Flüchtlingszahlen, überlastete Kommunen, zu wenig Initiativen der Bundesinnenministerin: Mit seiner Kritik an der Bundesregierung schärft Merz das konservative Profil der Union. Als unangefochtener Parteichef hat der Oppositionsführer seine Fraktion hinter sich. Für viele gilt Merz deshalb als auch gesetzter Kanzlerkandidat der Union. CDU-Vize Carsten Linnemann bezeichnete Merz beim Spiegel als „den besten Kandidaten“ und auch Unions-Geschäftsführer Thorsten Frei stellte sich hinter eine Kanzlerkandidatur des Fraktionsvorsitzenden.

Doch nun tritt Konkurrenz aus den eigenen Reihen hervor und die Angst vor einer Wiederholung des K-Fragen-Chaos wie unter Armin Laschet wächst. NRW-Ministerpräsident Wüst hält sich aktuell noch bedeckt, wenn es um die Kanzlerkandidatur geht. Für ihn gebe es „klarere Aufgaben“ in Nordrhein-Westfalen, beispielsweise „die Transformation hin zur klimaneutralen Industrie“, sagte Wüst im Gespräch mit der Welt am Sonntag. Trotzdem gibt es Indizien, die Wüst ins Rennen um die Kanzlerkandidatur bringen.

Hendrik Wüst (l, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Friedrich Merz, CDU-Bundesvorsitzender und Unionsfraktionsvorsitzender. (Archivbild)

Kanzlerfrage in der Union: Wüst als Gegenmodell zu Merz

Für viele wirkt Wüst wie der Gegenentwurf zum konservativen Parteivorsitzenden: Während die CDU in NRW mit den Grünen in einer harmonischen Koalition von modernen Familienmodellen und offener Gesellschaft spricht, hält Merz den Klimaschutz für überbewertet und spricht in puncto Migration von „Sozialtourismus.“ Nachdem Merz Schüler mit Migrationshintergrund als „kleine Paschas“ bezeichnet hatte, sprach Wüst von der wichtigen Zukunft „unseren Kindern“, unabhängig von „diesem oder jenem Hintergrund.“

Seinen öffentlichen Auftritt weiß der NRW-Ministerpräsident für sich zu nutzen. Auf sozialen Plattformen wie Twitter zeigt sich Wüst weltoffen beim Fastenbrechen mit Muslimen, in einer Privataudienz beim Papst, beim Tennis mit Boris Pistorius (SPD) oder ganz leger im Hoodie mit Currywurst.

Wie der Spiegel berichtet, wird bei den Christdemokraten gelästert, Wüst würde vor allem auf Selbstinszenierung setzen. Merz verzichtete bisher weitgehend auf derartige Auftritte. Und wenn, dann gab es eher Hohn und Spott, beispielsweise nach einem Post auf Twitter, als sich der CDU-Chef im Krankenpfleger-Outfit fotografieren ließ: „In der Karwoche habe ich ein Versprechen eingelöst: eine Schicht auf der #Intensivstation des Klinikums Hochsauerland zu absolvieren“, schrieb Merz dazu.

Wüst hat mehr Regierungserfahrung als Merz

Auf Bundesebene punktet Wüst innerhalb der eigenen Partei. Zur anstehenden Bürgerschaftswahl in Bremen reiste der Ministerpräsident nach Bremen und Bremerhaven, um beim Wahlkampf zu unterstützen. „Dass du dir so viel Zeit nimmst“, zitierte der Spiegel die Schwärmerei beiden CDU-Spitzenkandidaten, Frank Imhoff und Wiebke Winter aus Bremen. Für Imhoff und Winter ist Wüst ein Vorbild, heißt es.

Nachdem Merz es versäumt hatte, Altkanzlerin Angela Merkel zur Verleihung des Großkreuzes zu gratulieren, überreichte Wüst ihr den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen und würdigte die Merkel auf Twitter als „herausragende Persönlichkeit“ und „prägende Politikerin.“

In der Union fährt Wüst einen klaren Kurs: Mit seiner modernen und offenen Linie, konterkariert er das sonst so konservative Auftreten seiner Partei – und damit auch Merz. Dazu kommt auch noch: Obwohl Wüst erst seit anderthalb Jahren Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist, hat der 47-Jährige auch schon mehr Regierungserfahrung als Merz. Wüst war schon Verkehrsminister in seinem Land, während Merz nur Oppositionsarbeit kennt.

Bremen-Wahl: Das Spitzenpersonal der Parteien im Überblick

Für die SPD geht bei der Bremen-Wahl der amtierende Bürgermeister Andreas Bovenschulte als Spitzenkandidat ins Rennen. Der Jurist wurde am 11. August 1965 in Hildesheim geboren.  Seit 1984 Mitglied der SPD, wurde er im Juni 2010 vom Parteitag zum Landesvorsitzenden der SPD Bremen gewählt. Er ist als Parteilinker bekannt, gilt parteiübergreifend aber auch als pragmatischer Politiker. So wurde er bei der Wahl zum Bürgermeister von Weyhe im Jahr 2014 auch von der CDU unterstützt.
Für die SPD geht bei der Bremen-Wahl der amtierende Bürgermeister Andreas Bovenschulte als Spitzenkandidat ins Rennen. Der Jurist wurde am 11. August 1965 in Hildesheim geboren. Seit 1984 Mitglied der SPD, wurde er im Juni 2010 vom Parteitag zum Landesvorsitzenden der SPD Bremen gewählt. Er ist als Parteilinker bekannt, gilt parteiübergreifend aber auch als pragmatischer Politiker. So wurde er bei der Wahl zum Bürgermeister von Weyhe im Jahr 2014 auch von der CDU unterstützt.  © Sina Schuldt/dpa
Während seines Studiums wohnte Bovenschulte in einer gemeinsamen WG mit Carsten Sieling, seinem Vorgänger im Amt des Bremer Bürgermeisters. Als Sieling auf eine weitere Amtszeit verzichtet, wurde Bovenschulte am 15. August 2019 zum Bremer Bürgermeister gewählt. Privat ist Bovenschulte ein begeisterter Fan von Werder Bremen, der als Dauerkartenbesitzer regelmäßig zu den Spielen ins Stadion geht.
Während seines Studiums wohnte Bovenschulte in einer gemeinsamen WG mit Carsten Sieling, seinem Vorgänger im Amt des Bremer Bürgermeisters. Als Sieling auf eine weitere Amtszeit verzichtet, wurde Bovenschulte am 15. August 2019 zum Bremer Bürgermeister gewählt. Privat ist Bovenschulte ein begeisterter Fan von Werder Bremen, der als Dauerkartenbesitzer regelmäßig zu den Spielen ins Stadion geht. © Imago
Als Herausforderer geht CDU-Spitzenkandidat Frank Imhoff in die Bremen-Wahl. Imhoff, am 23. Oktober 1968 in Bremen geboren, gehört schon seit Juni 1999 als Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft an. Nachdem die CDU aus der Bürgerschaftswahl in Bremen am 26. Mai 2019 erstmals in der Geschichte des Landes als stärkste Kraft hervorgegangen war, wurde Imhoff am 3. Juli 2019 zum Präsidenten der Bürgerschaft gewählt.
Als Herausforderer geht CDU-Spitzenkandidat Frank Imhoff in die Bremen-Wahl. Imhoff, am 23. Oktober 1968 in Bremen geboren, gehört schon seit Juni 1999 als Abgeordneter der Bermischen Bürgerschaft an. Nachdem die CDU aus der Bürgerschaftswahl in Bremen am 26. Mai 2019 erstmals in der Geschichte des Landes als stärkste Kraft hervorgegangen war, wurde Imhoff am 3. Juli 2019 zum Präsidenten der Bürgerschaft gewählt. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Imhoff absolvierte nach dem Abschluss der Realschule eine Ausbildung zum Landwirt. Von 1990 bis 1995 arbeitete er in einem landwirtschaftlichen Betrieb und absolvierte parallel eine Ausbildung zum Landschaftspfleger. 1996 übernahm er den elterlichen Hof mit Milchviehhaltung im Bremer Ortsteil Strom, den er seitdem als selbständiger Landwirt gemeinsam mit seiner Familie in fünfter Generation führt. Imhoff ist verheiratet und hat drei Kinder.
Imhoff absolvierte nach dem Abschluss der Realschule eine Ausbildung zum Landwirt. Von 1990 bis 1995 arbeitete er in einem landwirtschaftlichen Betrieb und absolvierte parallel eine Ausbildung zum Landschaftspfleger. 1996 übernahm er den elterlichen Hof mit Milchviehhaltung im Bremer Ortsteil Strom, den er seitdem als selbständiger Landwirt gemeinsam mit seiner Familie in fünfter Generation führt. Imhoff ist verheiratet und hat drei Kinder. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Für die Grünen ist Maike Schaefer bei der Bremen-Wahl wie schon 2019 erneut als Spitzenkandidatin am Start. Die Biologin, die am 2. Juni 1971 in Schwalmstadt geboren wurde, ist seit Januar 2002 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen Bremen. Von Juni 2015 bis August 2019 war sie Fraktionsvorsitzende ihrer Partei in der Bremischen Bürgerschaft, der sie als Abgeordnete von 2007 bis 2019 angehörte.
Für die Grünen ist Maike Schaefer bei der Bremen-Wahl wie schon 2019 erneut als Spitzenkandidatin am Start. Die Biologin, die am 2. Juni 1971 in Schwalmstadt geboren wurde, ist seit Januar 2002 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen Bremen. Von Juni 2015 bis August 2019 war sie Fraktionsvorsitzende ihrer Partei in der Bremischen Bürgerschaft, der sie als Abgeordnete von 2007 bis 2019 angehörte.  © Focke Strangmann/dpa
Bis 2019 war Schaefer umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Seit August 2019 ist sie Stellvertreterin des Präsidenten des Senats und Bürgermeisterin von Bremen sowie Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. In dieser Funktion verantwortet Schaefer die Umgestaltung des Innenstadtverkehrs in Bremen mit Präferenz für ÖPNV und Fahrrad.
Bis 2019 war Schaefer umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Seit August 2019 ist sie Stellvertreterin des Präsidenten des Senats und Bürgermeisterin von Bremen sowie Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. In dieser Funktion verantwortet Schaefer die Umgestaltung des Innenstadtverkehrs in Bremen mit Präferenz für ÖPNV und Fahrrad. © Eckhard Stengel/Imago
Kristina Vogt tritt erneut als Spitzenkandidatin der Linken bei der Bremen-Wahl an – so wie auch schon 2011, 2015 und 2019. Vogt ist seit 2008 Mitglied der Linken und war von 2010 bis 2011 Mitglied im Landesvorstand ihrer Partei. Seit 2011 saß sie als Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft. Im August 2019 übernahm sie den Posten als Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Damit schied sie aus der Bürgerschaft aus.
Kristina Vogt tritt erneut als Spitzenkandidatin der Linken bei der Bremen-Wahl an – so wie auch schon 2011, 2015 und 2019. Vogt ist seit 2008 Mitglied der Linken und war von 2010 bis 2011 Mitglied im Landesvorstand ihrer Partei. Seit 2011 saß sie als Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft. Von 2011 bis 2019 war sie Vorsitzende und Sprecherin ihrer Fraktion für Bildung und Inneres.  © Karsten Klama/dpa
Im August 2019 übernahm Vogt den Posten als Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Damit schied sie aus der Bürgerschaft aus. Vogt wurde am 3. Juni 1965 in Münster geboren und hat ein Kind. Bevor sie in die Politik einstieg, absolvierte sie eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten.
Im August 2019 übernahm Vogt den Posten als Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Damit schied sie aus der Bürgerschaft aus. Vogt wurde am 3. Juni 1965 in Münster geboren und hat ein Kind. Bevor sie in die Politik einstieg, absolvierte sie eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Für die FDP tritt Thore Schäck als Spitzenkandidat bei der Bremen-Wahl an. Zu Beginn seiner politischen Laufbahn engagierte er sich kurzzeitig für die SPD Bremen, ehe er zur FDP wechselte. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte er erfolglos für die FDP auf Platz 5 der Landesliste. Im Mai 2019 wurde er Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. Er ist bau-, verkehrs- und finanzpolitischer Sprecher der FDP.
Für die FDP tritt Thore Schäck als Spitzenkandidat bei der Bremen-Wahl an. Zu Beginn seiner politischen Laufbahn engagierte er sich kurzzeitig für die SPD Bremen, ehe er zur FDP wechselte. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte er erfolglos für die FDP auf Platz 5 der Landesliste. Im Mai 2019 wurde er Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. Er ist bau-, verkehrs- und finanzpolitischer Sprecher der FDP.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Im Oktober 2020 wurde Schäck zum Landesvorsitzenden der FDP Bremen gewählt. Die Wahl zum Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl fiel mit 91,6 Prozent deutlich aus. Jetzt gilt es noch, die Wahlberechtigten zu überzeugen. Mit der Botschaft „Who the heck is Thore Schäck?“ (Wer zum Teufel ist Thore Schäck) will die FDP ihren Kandidaten populär machen. Überall ist seine Telefonnummer zu finden, per QR-Code kann man auch seine Homepage aufrufen.
Im Oktober 2020 wurde Schäck zum Landesvorsitzenden der FDP Bremen gewählt. Die Wahl zum Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl fiel mit 91,6 Prozent deutlich aus. Jetzt gilt es noch, die Wahlberechtigten zu überzeugen. Mit der Botschaft „Who the heck is Thore Schäck?“ (Wer zum Teufel ist Thore Schäck) will die FDP ihren Kandidaten populär machen. Überall ist seine Telefonnummer zu finden, per QR-Code kann man auch seine Homepage aufrufen. © Sina Schuldt/dpa

Söder schließt Kanzlerkandidatur aus

Währenddessen kommt aus Bayern kaum etwas zur K-Frage. Der CSU-Vorsitzende Markus Söder hatte am Mittwoch (3. März) in der ZDF-Sendung Markus Lanz eine mögliche Kandidatur seinerseits definitiv ausgeschlossen. „Für mich ist das Thema erledigt. Das ist total erledigt“, sagte Söder auf die Frage, ob er noch einmal kandidieren würde. Er habe einmal ein Angebot gemacht, dann hätten sich „Mehrheiten anders ergeben, das habe ich zu respektieren“, sagte Söder mit Blick auf die Kanzlerkandidatenentscheidung bei der CDU/CSU vor zwei Jahren. „Meine Lebensaufgabe ist Bayern.“

Wie der Spiegel aus CSU-Kreisen erfahren haben will, soll für Söder das Thema Kanzlerkandidatur jedoch alles andere als ad acta gelegt worden sein. Diese hänge, ebenso wie Söders politische Zukunft, von den Ergebnissen der Landtagswahl im Oktober ab. (aa/dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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