US-ZÖLLE

Mexiko und der Norden

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Protest gegen Abschiebungen nach Mexiko – auch um Migration geht es bei den Zöllen – in Detroit.
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Mit Aufschlägen auf alle Exporte in die USA steht das mexikanische Wirtschaftssystem komplett auf der Kippe. Auch viele deutsche Unternehmen sind betroffen.

Für Mexiko tritt mit den US-Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent das Worst-Case-Szenario ein, das Regierung und Unternehmen befürchtet haben. Mit diesen allgemeinen Aufschlägen auf alle Exporte des Landes steht das ganze mexikanische Wirtschaftsmodell auf der Kippe und die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas vor der Rezession, wie Fachleute fürchten. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum reagierte am Samstag verärgert, kündigte „tarifäre und nichttarifäre“ Vergeltung an und bezichtigte Trump der „Verleumdung“ Mexikos und seiner Regierung. „Probleme werden nicht durch die Verhängung von Zöllen gelöst, sondern durch Dialog, wie wir es in den letzten Wochen getan haben“, sagte sie.

Auch für viele der 2100 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung sind die Sonderabgaben „ein harter Schlag und schädigen die Attraktivität des Produktionsstandortes Mexiko“, wie die Deutsch-mexikanische Industrie- und Handelskammer erklärte. Die Auswirkungen der Strafzölle seien aber noch nicht absehbar. Die Mehrzahl der deutschen Firmen beliefert von Mexiko aus den US-Markt, allem voran die Automobilindustrie. Mexiko ist der wichtigste Investitionsstandort der deutschen Wirtschaft in Lateinamerika.

Streitpunkt Fentanyl

Mexikos Wirtschaft ist komplett auf den Norden ausgerichtet, 80 Prozent der Exporte des Landes gehen in die USA. Für beide Seiten ist der jeweils andere Nachbar der wichtigste und größte Handelspartner. Beide Ökonomien sind eng verzahnt, vor allem im Automobilsektor.

Trump rechtfertigte die harten Strafen gegen seinen wichtigsten Handelspartner mit der Behauptung, Mexiko habe im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und die Migrationskrise nachlässig gehandelt. Zudem gingen der Staat und die Drogenkartelle eine „unerträgliche Allianz“ ein. Besonders dieser Vorwurf erzürnte Mexiko. „Wir weisen die Verleumdung durch das Weiße Haus kategorisch zurück,“ fügte Sheinbaum hinzu. „Wenn die US-Regierung und ihre Behörden etwas gegen den hohen Fentanyl-Konsum in ihrem Land unternehmen wollten, sollen sie den Verkauf von Betäubungsmitteln auf den Straßen ihrer Großstädte bekämpfen, was sie aber nicht tun“, unterstrich Sheinbaum.

Die Präsidentin wies Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard an, als Reaktion auf die US-Entscheidungen einen „Plan B“ zu verabschieden, der auch Sonderabgaben auf US-Importe beinhalten dürfte. Sie nannte aber weder konkrete Sätze noch welche Waren davon betroffen sein werden. Ebrard hatte die Entscheidung Trumps zuvor als „Fehler“ bezeichnet, unter dem vor allem die US-Konsument:innen leiden würden. Mexiko ist auf dem US-Markt Hauptlieferant für Autos, Autoteile, Computer, Bildschirme und Kühlschränke.

Zudem gehen 57 Prozent der mexikanischen Ölexporte in die Vereinigten Staaten. Insgesamt erwirtschaftet Mexiko mit den Ausfuhren in die USA jährlich Gewinne in Höhe von 490 Milliarden Dollar. Das jedes Jahr steigende US-Handelsbilanzdefizit mit Mexiko beläuft sich inzwischen auf 157 Milliarden Dollar und ist laut Trump – neben der Droge Fentanyl und dem Thema Migration – Hauptgrund für die Zölle.

Die US-Bank JP Morgan schätzt, dass die mexikanische Währung in Folge der Strafzölle bis zu zwölf Prozent nachgeben könnte.

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