Argentinien

Zweifelhafter Ehrenmann: Korruptionsaffäre erschüttert Regierung von Javier Milei

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Ein Korruptionsskandal kratzt an dem Image von Argentiniens Präsidenten Javier Milei. Im Zentrum steht seine Schwester.

Fünf lange Tage hatte Argentiniens Präsident Javier Milei geschwiegen, während sich die Gerüchte, Berichte, Ermittlungen der Justiz und Hausdurchsuchungen immer mehr zu einem veritablen Skandal aufbauten. Eine Affäre, die sein Image eines Erneuerers beschädigt. Es geht um mutmaßliche Korruptionszahlungen in Millionenhöhe an Vertraute im engsten Zirkel des rechten argentinischen Staatschefs. Im Zentrum steht seine Schwester Karina, Mileis wichtigste politische und persönliche Bezugsperson. Respektvoll nennt er sie nur „La Jefa“, die Chefin.

Es geht um Skandale im Gesundheitssystem und der „Staatlichen Agentur für Behinderte“ (Andis). Durchgesickerten Audioaufnahmen zufolge sollen Drogerien und Labore Schmiergelder in Höhe von acht Prozent des Auftragsvolumens zahlen, um an staatliche Aufträge zu gelangen. Neben Karina Milei werden Eduardo Menem, ihr engster Berater, und der Leiter der Andis, Diego Spagnuolo, in den Mitschnitten belastet. Der Jurist Spagnuolo ist ein alter Freund und politischer Wegbegleiter Mileis. 

Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas

Javier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik.
Javier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik. Er steht Elon Musk ideologisch nahe. Mileis „Kettensägen-Politik“ in Argentinien dient als Experimentierfeld für einen radikalisierten Anarchokapitalismus, der internationale Aufmerksamkeit von rechtslibertären Bewegungen erhält und als Teil einer neuen „internationalen Allianz“ zur Verteidigung des freien Marktes verstanden wird. © DIEGO LIMA/afp
Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas und führt das Erbe von Hugo Chávez fort.
Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas und führt das Erbe von Hugo Chávez fort. Aus dem ursprünglich linkspopulistischen Reformvorhaben seines Vorgängers ist unter Maduro ein autoritäres Projekt geworden. Er regiert heute als Diktator und setzt offen Wahlfälschung ein. Er verfolgt eine antiimperialistische Ideologie gegen die USA und erhält internationale Unterstützung durch China und Russland. © Pedro Mattey/afp
Kämpferisch: Venezueles Präsident Hugo Chavez.
Kämpferisch: Venezuelas verstorbener Präsident Hugo Chavez inszenierte sich als Retter Lateinamerikas gegen imperialistische Interessen aus den USA und wird in ganz Lateinamerika verehrt. © dpa
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2023 Präsident Brasiliens und wird als rechtsgerichteter Nationalist und Populist charakterisiert.
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2023 Präsident Brasiliens und wird als rechtsgerichteter Nationalist und Populist charakterisiert. Er äußerte etwa wiederholt Bewunderung für die brasilianische Militärdiktatur (1964 bis 1985), spricht sich gegen gleichgeschlechtliche Ehe aus und hält den menschengemachten Klimawandel für eine Lüge. © SERGIO LIMA/afp
Lula da Silva regierte Brasilien zwischen 2003-2011.
Während Bolsonaro die brasilianische Diktatur feiert, hat Luiz Inácio Lula da Silva unter den Militärs Verfolgung und Haft erlebt. Er regierte Brasilien von 2003 bis 2011. Das politische Projekt von Lula da Silva lässt sich als sozialdemokratische Synthese beschreiben, die eine Kombination aus Sozialpolitik zur Armutsbekämpfung, entwicklungsorientierter Wirtschaftspolitik und Umweltschutz mit dem Ziel verfolgt, Brasilien als gerechteren, ökologisch nachhaltigen und international respektierten Akteur zu positionieren. © EVARISTO SA/afp
Boliviens Ex-Präsident und Gewerkschaftsführer Evo Morales.
Boliviens Ex-Präsident Evo Morales, Regierungszeit 2006 bis 2019, war die Symbolfigur der einfachen Leute und positionierte sich gegen internationale Eliten. Er war der erste indigene Präsident Boliviens, kam aus ärmsten Verhältnissen und war Gewerkschaftsführer. © Jorge Saenz/AP/dpa
Ecuadors Präsidenten Rafael Corea (l.) und Cubas Fidel Castro.
Ecuadors Präsident Rafael Correa (links) war von 2007 bis 2017 im Amt und Teil der linkspopulistischen Welle zusammen mit Hugo Chávez und Evo Morales. In die Bild von 2009 ist er mit Fidel Castro, dem damaligen Máximo Líder von Kuba.  © dpa
Uruguays verstorbener Präsident José „Pepe“ Mujica
Uruguays im Mai 2025 verstorbener Präsident José „Pepe“ Mujica wurde oft als bescheidenster Präsident der Welt bezeichnet. Er saß als Guerilla-Kämpfer gegen die Militärdiktatur lange in Haft und verfolgte später als Präsident eher eine gemäßigt linke Politik. © Matilde Campodonico/dpa
Argentiniens Ex-Präsident Juan Domingo Perón.
Der Peronismus in Argentinien ist eine populistische Strömung, benannt nach Juan Domingo Perón, der zwischen 1946 und 1955 sowie 1973 und 1974 regierte. Zusammen mit seiner Frau Eva „Evita“ Perón war er prägend für den Peronismus. Bekannt war er für seine autoritäre Führung und seine Sozialpolitik. © imago
Eva Perón, liebevoll „Evita“ genannt
Seine Ehefrau Eva Perón, liebevoll „Evita“ genannt, hat heute in ganz Lateinamerika Kultstatus und steht für Grundrechte wie Wohnen, Bildung und öffentliche Gesundheitsversorgung für die Ärmsten. Doch während die einen sie als Heldin der Armen bewundern, kritisieren andere sie als „Populistin“, die das Land auf Irrwege geführt habe. Ihr Leben lieferte den Stoff für das Musical „Evita“ von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice, das mit Madonna verfilmt wurde. Evita Perón starb mit 33 Jahren an Krebs. © imago
Wahlkampf in Argentinien
Argentiniens linkspopulistischer Präsident Néstor Kirchner (im Amt von 2003 bis 2007) steht für Sojaboom und Aufschwung. Nach seinem Tod übernahm Cristina Kirchner (2007 bis 2015) das Amt der Präsidentin. Heute ist sie die populärste Kontrahentin des rechtspopulistischen Präsidenten Javier Milei. © Cezaro De Luca/dpa
Cristina Fernandez Kirchner
Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner setzte die linkspopulistische Politik ihres verstorbenen Mannes Néstor Kirchner fort. Das Ehepaar prägte die argentinische Politik so stark, dass der moderne Peronismus in Anlehnung an ihren Namen Kirchnerismus genannt wird. Heute sitzt sie wegen Korruption verurteilt in Hausarrest. © Victor R. Caivano/dpa
Carlos Menem, ehemaliger Präsident Argentiniens
Carlos Menem, ehemaliger Präsident von Argentinien. Regierungszeit: 1989 bis 1999. Peronist, der neoliberale Reformen durchdrückte. Beispiel für den „Neopopulismus“ der 1990er Jahre und aus heutiger Sicht widersprüchlich, da seine Politik dem Kettensägen-Kurs Javier Mileis ähnelt – doch die Parteien als Gegner gelten. © Natacha Pisarenko
In seiner Amtszeit ließ Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen.
Perus Präsident Alberto Fujimori (Regierungszeit: 1990 bis 2000) kombinierte populistische Rhetorik mit neoliberaler Wirtschaftspolitik. Er führte 1992 einen „Selbstputsch“ durch und wurde später wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen verurteilt. In seiner Amtszeit ließ Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen.  © Martin Mejia/ap
Getúlio Vargas Präsident Brasiliens 1930-1945 und 1951-1954.
Getúlio Vargas (Brasilien). Regierungszeit: 1930-1945 und 1951-1954 Gilt als einer der Begründer des klassischen lateinamerikanischen Populismus und führte eine starke staatliche Industrialisierungspolitik ein. © imago
José María Velasco Ibarra (Ecuador), fünfmaliger Staatspräsident Ecuadors.
José María Velasco Ibarra (Ecuador), fünfmaliger Staatspräsident Ecuadors, gilt als einer der klassischen populistischen Staatschefs. Bis zu seinem Tod 1979 war er der wichtigste Politiker des Landes. © imago
Bild von Salvador Allende, Präsident von Chile.
Salvator Allende regierte Chile zwischen 1970 und 1973 als erster demokratisch gewählter sozialistischer Präsident der Welt mit populistischen Elementen. Die Erinnerung an ihn besteht fort – auch während eines Marsches zum 50. Jahrestag des Militärputsches unter der Führung von Augusto Pinochet, der Allende in Santiago gestürzt hatte.  © IMAGO/Matias Basualdo
José Antonio Kast, ultrakonservativer chilenischer Anwalt und Gründer der Republikanischen Partei
José Antonio Kast gründete 2019 die Republikanische Partei Chiles. Der ultrakonservative Anwalt wird als rechtspopulistisch, rechtsextrem und neofaschistisch beschrieben. 2021 unterlag er in der Stichwahl um das Präsidentenamt seinem Kontrahenten Gabriel Boric. © ANDRES PINA/ATONCHILE/imago
Kolumbiens aktueller Präsident Gustavo Petro
Kolumbiens aktueller Präsident Gustavo Petro ist ein ehemaliger Guerillakämpfer und Ex-Bürgermeister von Bogotá, der als linkspopulistisch beschrieben wird. Er wurde 2022 als erster linker Politiker in der Geschichte Kolumbiens zum Präsidenten gewählt. © STRINGER/afp
Rodolfo Hernández, kolumbianischer Bauunternehmer und Multimillionär.
Rodolfo Hernández, ein parteiloser Bauunternehmer und Multimillionär, kam bei den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien 2022 als rechtspopulistischer „TikTok-Opa“ überraschend in die Stichwahl gegen Gustavo Petro. Er erreichte mit einfachen Anti-Korruptions-Botschaften und Kampagnen auf den sozialen Medien fast 47 Prozent der Stimmen. © EVA MARIE UZCATEGUI
Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega
Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega (M.) während einer Kundgebung mit Sympathisanten in Managua 2018. Er ist seit 2007 amtierender, inzwischen diktatorisch regierender Präsident Nicaraguas und Vorsitzender der Frente Sandinista de Liberación Nacional, die früher selbst die Diktatur der Somoza-Dynastie stürzten. © Jorge Torres/imago
El Salvadors Präsident Nayib Bukele
Präsident Nayib Bukele regiert das kleinste mittelamerikanische Land E Salvador seit 2019 mit harter Hand und ist vor allem durch seine Megagefängnisse, seine ultraliberale Bitcoin-Politik und seine Beziehung zu Donald Trump in den Schlagzeilen gelandet. © Salvador Melendez/AP/dpa
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo stellt sich aktiv der imperialistischen Politik Donald Trumps entgegen.
Claudia Sheinbaum Pardo ist seit dem 1. Oktober 2024 Präsidentin Mexikos. Die Physikerin, die in Energietechnik promovierte, beteiligte sich an zwei Berichten des Weltklimarats, der 2007 für seine Bemühungen gegen den Klimawandel den Friedensnobelpreis erhielt. Sheinbaum stellt sich aktiv der imperialistischen Politik Donald Trumps entgegen. © IMAGO/Luis Barron
Lázaro Cárdenas, mexikanischer Militärführer und Präsident
Der mexikanische Militärführer Lázaro Cárdenas war von 1934 bis 1940 Präsident des Landes. Er gilt als einer der klassischen populistischen Staatschefs Lateinamerikas und ist bekannt für Nationalisierungen und Umverteilungspolitik. Hier ist er bei einem Treffen mit Gewerkschaftsführern der Ölindustrie in Tamaulipas im Jahr 1938 zu sehen. © IMAGO
Fidel Castros führte die kubanische Revolution.
Fidel Castro (1926 bis 2016) war ein kubanischer Revolutionär und Politiker, der nach dem Sturz der Batista-Diktatur 1959 fast fünf Jahrzehnte lang als autoritärer Staatschef den ersten kommunistischen Staat in der westlichen Hemisphäre regierte und Kuba aus der Abhängigkeit von den USA führte. © dpa
Che Guevara
Ernesto „Che“ Guevara (1928 bis 1967) war ein argentinischer Arzt und marxistischer Revolutionär, der als Guerillaführer und Anführer der Rebellenarmee maßgeblich an der Kubanischen Revolution (1953 bis 1959) beteiligt war. Später wurde er bei dem Versuch, eine Revolution in Bolivien zu entfachen, im Alter von 39 Jahren getötet. © dpa
Paraguayo Cubas ist der bekannteste rechtspopulistische Politiker Paraguays.
Paraguayo Cubas ist der bekannteste rechtspopulistische Politiker Paraguays. Cubas wird als „populistischer Anti-Establishment-Kandidat“ mit „extremen antidemokratischen Ansichten“ beschrieben. Er bezeichnete sich selbst als „romantischen, republikanischen und nationalistischen Anarchisten“. Nach der Wahl 2023 behauptete er Wahlbetrug und organisierte Proteste, was zu seiner Festnahme führte. © NORBERTO DUARTE/afp

Die Affäre trifft das in der Öffentlichkeit aufgebaute Bild des Sanierers und Saubermanns. Schließlich wurde der Wirtschaftsexperte Ende 2023 gewählt, weil er versprach, die Inflation unter anderem mit drastischen Kürzungen im Staatssektor zu bekämpfen und die „Kaste“ zu beseitigen. So bezeichnet er korrupte Politiker:innen, privilegierte Geschäftsleute und angeblich bestechliche Medien. Im Westen, auch in Deutschland, wird der argentinische Staatschef in liberal-konservativen Kreisen und der Finanzwelt für seine Erfolge bei der Inflationsbekämpfung und der Reduzierung des Staatsdefizits teils wie ein Heiland gefeiert. 

Schwere Vorwürfe gegen Milei – Argentiniens Präsident geht Vorgängerregierung an

Milei reagiert auf die Korruptionsvorwürfe mit Gegenattacken. Ohne den Skandal mit einem Wort explizit zu erwähnen, warf er bei einer Wahlveranstaltung in der Stadt Junín in der Provinz Buenos Aires seiner linken Vorgängerin Cristina Kirchner vor, ihn und seine Regierung beschädigen zu wollen. „Der Kirchnerismus sät offen und unverhohlen Chaos und Instabilität“, behauptete er. Die Kirchners hätten das Land in den Ruin gewirtschaftet. An seine Schwester gewandt rief er nur: „Danke Chefin“.  

Hochrangige argentinische Regierungsbeamt:innen verfolgen eine ähnliche Linie. Die einem TV-Kanal durchgesteckten Gesprächsmitschnitte seien „eine plumpe politische Operation des Kirchnerismus“, die darauf abziele, Mileis Partei „La Libertad Avanza“ im Wahlkampf für die Parlamentswahlen Ende Oktober zu schaden. Da stehen für den Ultraliberalen viele Gesetzesprojekte auf dem Spiel. Bisher verfügt Mileis Partei im Kongress nur über eine Minderheit der Sitze. Umfragen vor dem Skandal sagten für „La Libertad Avanza“ eine deutliche Zunahme voraus; die könnte nun dahin sein.

Die Affäre um Schmiergeldzahlungen trifft Mileis Regierung in einem kritischen Moment.

Am Dienstag bewarfen Unbekannte den Staatschef bei einer Wahlkampfveranstaltung im Großraum von Buenos Aires mit Steinen und anderen Gegenständen. Er blieb unverletzt. Die Regierung macht Anhänger des „Kirchnerismus“ für den Angriff in der Stadt Lomas de Zamora verantwortlich. Vor der Attacke hatte sich Milei erstmals ausdrücklich auf den Skandal bezogen und Andis-Direktor Spagnuolo der Falschaussage bezichtigt. „Alles, was er sagt, ist Lüge. Wir werden ihn vor Gericht bringen“, sagte Milei dem TV-Sender C5N.

Peso verliert wieder stark an Wert – Milei scheitert an Wirtschaftsstabilisierung

Die Affäre um die Schmiergeldzahlungen trifft die Regierung in einem Moment, in dem es erste Anzeichen für ein Ende der Milei-Festspiele gibt. Nachdem es ihm gelungen war, in seinen 21 Monaten im Amt die Teuerung drastisch zu drücken und den Peso zu stabilisieren, sackte die argentinische Währung in den vergangenen Wochen wieder ab; gegenüber dem US-Dollar verlor sie fast ein Drittel an Wert. Dazu kommen wirtschaftliche Turbulenzen mit Zinsschwankungen und stagnierendem Wachstum. Die Korruptionsermittlungen erschüttern laut Marktbeobachter:innen die wirtschaftliche Stabilität weiter.

Mileis Regierung hat Argentinien makrowirtschaftlich stabilisiert, aber die Kosten sind hoch: Pensionen von Rentnerinnen und Rentnern wurden eingefroren, Millionen armen Menschen hat der Staat Leistungen gestrichen. „Das Milei-Modell ist sozial und wirtschaftlich langfristig unhaltbar und unsozial“, kritisiert Edgardo Buscaglia, Berater für Korruptionsbekämpfung und Lehrbeauftragter an der Columbia University, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es ist ein explosiver Cocktail.“ Der Präsident komme nicht umhin, schon bald umzusteuern.  

Zudem frönt die argentinische Regierung dem Kulturkampf und Geschichtsrevisionismus ultrarechter Prägung. Milei baut Förderungen für Kunst und Kultur ab, schließt Einrichtungen, nimmt öffentlichen Universitäten die Gelder. Er beschneidet das staatliche Gesundheitssystem, für das Argentinien über Lateinamerika hinaus gelobt wurde. „Meine Verachtung für den Staat ist grenzenlos“ ist einer von Mileis zentralen Leitsätzen. Zudem versucht er, die Militärdiktatur (1976 bis 1983) umzudeuten, indem er die Militärs zu Opfern und Rettern des Landes stilisiert, die Argentinien vor dem Untergang und dem Kommunismus gerettet hätten. Auch hier streicht er Gelder für Erinnerungsstätten zusammen. Das Übrige leistet sein Diskurs eines Hasspredigers. 

Die Korruptionsaffäre sei in gewisser Weise ein typisch argentinischer Skandal, sagt Experte Buscaglia. „Bestechung bei öffentlichen Aufträgen hat es unter allen Regierungen gegeben.“ Aber gerade wegen seines verbalen Kampfes gegen die Korruption seien viele Anhänger:innen enttäuscht, was sich auf die Wahlen auswirken werde, betont er. „Vor allem wenn die Inflation wieder anzieht, wird seine Unterstützung sinken“. Bleibe die Wirtschaft auf Aufschwungskurs, werde der Skandal hingegen verpuffen.

Rubriklistenbild: © J. Mabromata/afp

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