Russischer Soldat offenbart Details

Putin zwingt Rekruten offenbar mit gefälschten Anklagen zum Militärdienst

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Putin greift zu drastischeren Methoden, um Rekruten zum Militärdienst zu zwingen. (Archivbild)
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Putin braucht für den Ukraine-Krieg loyale Soldaten aus Russland. Für die Rekrutierung muss der Kreml zu immer drastischeren Maßnahmen greifen.

Moskau – Ein kürzlich veröffentlichtes Video gibt möglicherweise Hinweise auf sonderbare Rekrutierungspraktiken des Kremls. Laut Berichten von Newsweek soll darin ein russischer Soldat, der von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen wurde, pikante Details offenbaren. Wehrdienstoffiziere hätten im Auftrag von Präsident Wladimir Putin Menschen angeblich zur Teilnahme am Krieg genötigt, indem sie sie mit falschen Strafanzeigen bedrohten.

Putin zwingt offenbar Rekruten zum Militärdienst im Ukraine-Krieg: Russischer Soldat packt aus

Bei dem Soldaten soll es sich demnach um einen 32-Jährigen handeln. Konkret soll ihm angedroht worden sein, den Streitkräften zu dienen, andernfalls würden ihm der Besitz von Drogen untergeschoben werden und er müsse ins Gefängnis. Außerdem wäre ihm eine Zahlung von 200.000 Rubel, von der er nur einen Bruchteil erhalten haben soll, und eine Streichung seines Strafregisters versprochen worden sein.

Der Soldat soll laut Newsweek auch angegeben haben, dass eine solche Drohung von Rekrutierungsoffizieren in Russland üblich ist. Das Video sei am Montag von Generaloberst Oleksandr Syrsky, dem Kommandeur der Kiewer Bodentruppen, auf Telegram gepostet worden, so Newsweek.

Russlands Kämpfer im Ukraine-Krieg: Putin lässt Soldaten Treue schwören

Oppressive Rekrutierungsstrategien scheinen nicht Putins einziges Instrument zu sein, um sich die Loyalität seiner Streitkräfte zu sichern. Mitglieder russischer paramilitärischer Organisationen wie der Söldner-Truppe Wagner müssen künftig einen Treueeid auf den russischen Staat ablegen. Ein entsprechendes Dekret unterzeichnete Präsident Wladimir Putin zwei Tage nach dem mutmaßlichen Tod des Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz.

Prigoschin stirbt bei Flugzeug-Katastrophe – Bilder vom Unglücksort

Söldnerführer Prigoschin offenbar bei Flugzeugabsturz getötet
Flüge unternahm Jewgeni Prigoschin mit seinem Privatjet. Jetzt ist er bei einem Absturz seiner Embraer Legacy 600 getötet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte dessen Tod. © picture alliance/dpa/Luba Ostrovskaya/AP
Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahe steht, und soll Prigoschins Privatjet zeigen, der vom Himmel fällt.
Am Mittwochabend (23. August) fiel die Maschine auf dem Weg von Moskau nach Sankt Petersburg vom Himmel. Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahesteht. © IMAGO/Gray_Zone
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt.
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt. © picture alliance/dpa/Ostorozhno Novosti/AP
Offenbar ist der Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Es wird über einen Doppelgänger spekuliert.
Noch am Abend meldete die russische Luftfahrtbehörde, dass Prigoschin im Unglücksflieger saß. Sein Tod wurde einen Tag später bestätigt.  © Lev Borodin/IMAGO
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. Die Identifizierung der Leichen ist schwierig.
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. © picture alliance/dpa/Investigative Committee of Russia/XinHua | Uncredited
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld.
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet.
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet. © IMAGO/SNA
Ein Trümmerteil liegt auf dem Boden.
Dass es sich einmal um ein Flugzeug handelte, ist kaum zu erkennen. © IMAGO/Vitaliy Shustrov
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.  © picture alliance/dpa/AP | Alexander Zemlianichenko
Die Toten werden zur Untersuchung in eine Halle nach Twer gebracht.
Die Toten werden abtransportiert. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin der Region Twer wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.  © IMAGO/Petrov Sergey
Ein Mann legt Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder.
Noch am Abend des Absturzes werden in einigen Städten Russlands Gedenkstätten eingerichtet. Hier legt ein Mann Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder. © IMAGO/Alexander Galperin
Prigoschin und Kreml-Chef Putin
Prigoschin galt lange als Vertrauter Putins (r.). Bevor er den Kremlchef kennenlernte, war er ein Krimineller und verbüßte eine langjährige Haftstrafe. © Alexei Druzhinin/dpa
Prigoschin und Putin
Nach seiner Entlassung eröffnete er Restaurants in Sankt Petersburg und lernte Putin kennen, der ebenfalls aus der Stadt kommt. © Alexey Druzhinin/AFP
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf.
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf. © IMAGO / ITAR-TASS
Die berüchtigten Wagner-Söldnertruppen haben, im Kommando von Jewgeni Prigoschin und im Namen Russlands, sich am Ukraine-Krieg beteiligt. Den sehr wahrscheinlichen Tod von Putins Wagner-Chef nehmen in der Ukraine viele Menschen mit Freude wahr.
Ab 2013 begann Prigoschin, das private Sicherheits- und Militärunternehmen Gruppe Wagner zu formen. Die Söldnertruppe war im Auftrag der Regierung weltweit tätig und setzte russische Interessen durch. © Uncredited/Prigozhin Press Service/AP/dpa/Archiv
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützen russische Truppen auch im Ukraine-Krieg.
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützten russische Truppen auch im Ukraine-Krieg. Doch spätestens am 23. Juni 2023 war das Tischtuch zwischen Putin und Prigoschin zerschnitten.  © IMAGO/RIA Novosti
Wagner-Söldner in Rostow am Don.
Nachdem er zuvor im Ukraine-Krieg die russische Militärführung bereits mehrfach scharf kritisiert hatte, befahl Prigoschin an jenem Tag einen Aufstand gegen die russische Regierung. Wagner-Söldner marschierten Richtung Moskau. © IMAGO/Vladimir Konstantinov
Kämpfer der Wagner-Gruppe verlassen Rostow am Don.
Nur einen Tag später brach Prigoschin nach Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko den Aufstand wenige Hundert Kilometer vor Moskau ab. © IMAGO/Sergey Pivovarov
Prigoschin
Der Wagner-Boss ging ins Exil nach Weißrussland. Jetzt starb er im Alter von 62 Jahren. Nicht wenige vermuten, dass sich Putin für Prigoschins Illoyalität rächte. © -/AP/dpa

Laut dem auf der Website des Präsidialamts veröffentlichten Dekret müssen alle „freiwilligen Kämpfer“ und Mitglieder privater militärischer Organisationen - wie bisher schon reguläre Soldaten - Russland „Treue“ und „Loyalität“ schwören und zudem geloben, „die Befehle der Kommandeure und Vorgesetzten strikt zu befolgen“. Ziel der Maßnahme sei es, „die geistigen und moralischen Grundlagen für die Verteidigung der Russischen Föderation zu legen“, hieß es.

Ukraine-Krieg: Russische Armee wirbt um Rekruten

231.000 Russen sollen sich seit Januar freiwillig für den Dienst im Ukraine-Krieg gemeldet und einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium unterschrieben haben, berichtete Der Spiegel noch Anfang August. Die Zahl soll von Dmtri Medwedew gennant haben, der stellvertretenden Leiter des Sicherheitsrates der Russischen Föderation. Im Mai habe er noch von 117.000 Freiwilligen und Zeitsoldaten, also gerade einmal halb so vielen gesprochen. Grund für den Anstieg seien Maßnahmen, um mehr Freiwillige anzuwerben. Kriegsdienstleistende und ihre Familien würden jetzt zum Beispiel besser sozial abgesichert. (Judith Goetsch/AFP).

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