Luiz Inácio Lula da Silva wurde am Sonntag zum neuen Präsidenten Brasiliens gewählt.
Brasília in Brasilien - Die Wahlbehörden erklärten Lula nach Auszählung von 99 Prozent der Wahllokale mit rund 51 Prozent der Stimmen in der Stichwahl zum Sieger der Präsidentschaftswahl. Der rechtsradikale Amtsinhaber Jair Bolsonaro bekam 49 Prozent der Stimmen. Es ist der knappste Abstand zwischen zwei Finalisten einer Präsidentschaftswahl in Brasilien seit der Rückkehr zur Demokratie nach der Militärdiktatur (1964- 1985).
Anhänger Lulas brachen in Städten überall im Land in Jubel aus. In Rio de Janeiro feierten sie mit buntem Feuerwerk. Im Onlinedienst Twitter veröffentlichte Lula ein einziges Wort: „Demokratie“, zusammen mit einer brasilianischen Flagge.
Mit einem Grinsen im Gesicht begrüßte Lula seine euphorischen Anhänger in der Wirtschaftsmetropole São Paulo. Brasilien brauche nun „Frieden und Einheit“, erklärte er. Das Land sei „zurück“ auf der internationalen Bühne.
„Brasilien fängt an, nach vier Jahren der Dunkelheit wieder aufrecht zu stehen“, sagte die 34-jährige Lula-Anhängerin Larissa Meneses der Nachrichtenagentur AFP. „Wir hatten so viele Probleme, so viel Angst.“
Anhänger Bolsonaros hingegen fielen nach dem Ergebnis mit Tränen in den Augen auf die Knie und beteten für eine Umkehr des Ergebnisses. Sie sammelten sich vor dem Regierungssitz in der Hauptstadt Brasília.
Kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses trudelten die ersten Glückwünsche für den Wahlsieger Lula ein. „Ich gratuliere Luiz Inácio Lula da Silva zu seiner Wahl zum nächsten Präsidenten nach freien, fairen und glaubwürdigen Wahlen“, erklärte US-Präsident Joe Biden. Er freue sich auf die Zusammenarbeit zwischen den USA und Brasilien.
Der französische Staatschef Emmanuel Macron beglückwünschte Lula zu seiner Wahl, die „eine neue Seite in der Geschichte Brasiliens aufschlägt“. „Zusammen werden wir unsere Kräfte bündeln, um die vielen gemeinsamen Herausforderungen anzugehen und das Band der Freundschaft zwischen unseren Ländern zu erneuern“, schrieb Macron bei Twitter.
Alle Augen richten sich nun auf Bolsonaro - viele Brasilianer befürchten, dass Bolsonaro ähnlich wie der abgewählte US-Präsident Trump eine Wahlniederlage nicht akzeptieren wird. Regelmäßig zieht er die Zuverlässigkeit von Brasiliens elektronischen Wahlmaschinen in Zweifel, ohne dafür Beweise vorzulegen.
Am Freitag hatte Bolsonaro noch gesagt, „wer die meisten Stimmen hat, gewinnt. Das ist Demokratie“. Kritiker bezweifeln jedoch die Ernsthaftigkeit solcher Aussagen.
Am Wahlsonntag hatten von der Verkehrspolizei eingerichtete Kontrollpunkte für Unruhe gesorgt, welche die Anreise zu Wahllokalen erschwerten. Die verschärften Verkehrskontrollen fanden im Nordosten des Landes statt, wo Lula besonders starken Rückhalt hat.
Zu der Wahl waren mehr als 150 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer aufgerufen gewesen. Bei einer ersten Wahlrunde am 2. Oktober hatte Lula, der bereits in den Jahren 2003 bis 2010 Präsident war, 48 Prozent der Stimmen erzielt, Bolsonaro kam auf 43 Prozent. Der Wahlkampf war in einer extrem polarisierten Atmosphäre und mit äußerst harten Bandagen geführt worden. oer/