VonSandra Katheschließen
Am heutigen Sonntagabend läuft in der ARD um letzten Mal der Polit-Talk mit Anne Will. Wie es danach für Moderatorin und Sendeplatz weitergeht.
Berlin – Mit Vizekanzler Robert Habeck, Schriftsteller Navid Kermani, Historiker Raphael Gross und Politikwissenschaftlerin Florence Gaub diskutiert Anne Will heute Abend, wie die Krisen, die derzeit die Welt beschäftigen, auch das Leben in Deutschland beeinflussen. Eigentlich ein Talk-Abend wie unzählige andere in den vergangenen 16 Jahren, eine weitere Sendung, über die am Montag an Frühstückstischen, in Büros und an Stammtischen weiter diskutiert werden dürfte. Und doch ist an diesem 3. Dezember alles anders.
Denn wie vor Monaten bereits angekündigt, endet an diesem Sonntag, nach der Ausstrahlung des neuen Tatort aus Köln, eine Ära. Anne Will lädt zum letzten Mal zum Talk-Format, das ihren Namen trägt und spricht damit auch letztmalig mit ihren Gästen über aktuelle politische Herausforderungen und – passend zum eigenen versprochenen Neubeginn für 2024 – über die Frage, wie Deutschland trotz aktueller Krisen und Kriege mit Zuversicht ins neue Jahr blicken kann.
Karriere von Anne Will: Über die „Tagesthemen“ zum eigenen Talk-Format
Mit Will verlässt nicht nur eine langjährige Größe des deutschen Polit-Talks, sondern auch eine langjährige Tagesthemen-Moderatorin vorerst ihre langjährige Senderheimat. Die in Köln geborene Journalistin hatte ihre Karriere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk begonnen und beim Sender Freies Berlin (SFB, später RBB) Volontariat und erste Berufserfahrungen im Radiobereich gesammelt und wechselte 2001 ins Moderationsteam der Tagesthemen. Schon 2007 übernahm sie von der Moderatorin Sabine Christiansen die ARD-Politik-Talkshow am Sonntagabend, die sie seither laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa 553 Mal moderiert hat und dabei mehr als 1300 Gäste empfing.
Dabei sorgte Will, die auch die für die Talkshow zuständige Produktionsfirma Will Media leitet, über die Jahre für hohe Einschaltquoten der Sendung. Laut NDR sahen 2022 im Schnitt mehr als 3,6 Millionen Menschen (Marktanteil 15,1 Prozent) den Polit-Talk. 2021 waren es 4,12 Millionen, 2010 laut Sender 4,18 Millionen Zuschauer. Einzige Ausnahme war die Zeit als die Sendung 2011 bis 2015 auf einen Sendeplatz am Mittwochabend umziehen musste, um Günther Jauchs kurzlebigem Polit-Talk Platz zu machen. Mittwochs schalteten Woche für Woche um die 1,5 Millionen Menschen ein.
Anne Will beendet Talk-Format im Ersten: „Schade, dass Sie gehen“
Politiker wussten um die Bedeutung der Sendung „Anne Will“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) etwa suchte sich gleich mehrmals die Journalistin für Einzelinterviews aus, um ihre Botschaften zu platzieren. Dass Will von Politikern geschätzt wird, machte diese Bemerkung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am vergangenen Sonntag auch in der Sendung deutlich: „Schade, dass Sie gehen.“
Während Will aus ihren neuen Projekten noch ein Geheimnis macht und etwa im Interview mit der FAZ ankündigt, neue Dinge wie Podcasts oder Dokumentationen ausprobieren zu wollen, steht die Nachfolge für den Sendeplatz im Ersten jedoch bereits fest. Hier soll es mit dem bewährten Talk-Format weitergehen, an Wills Stelle tritt die ehemalige „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga, nach der die Nachfolgesendung auch benannt werden soll. (saka mit dpa)
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