Interview mit Söder und Merz

Einigkeit bei CDU und CSU: Merz will frühere Kür des Kanzlerkandidaten

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Ungewohnte Einigkeit: Söder und Merz zeihen an einem Strang. (Archivbild)
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Der Streit um die letzte Kanzlerkandidatur hat CDU und CSU lange beschäftigt. Beim nächsten Mal soll alles anders werden – vor allem harmonischer. Im Doppel-Interview mit dem Münchner Merkur stellt Markus Söder (CSU) klar, dass diesmal Friedrich Merz das Erstzugriffsrecht hat.

München – Der CSU-Vorsitzende Markus Söder will Friedrich Merz (CDU) bei der Frage der nächsten Kanzlerkandidatur den Vorrang lassen. „Aus meiner Sicht ist die Sache klar: Der Parteivorsitzende der CDU hat innerhalb der CDU den klaren Führungsanspruch.

Die CDU wiederum hat im Normalfall den Vorrang gegenüber der CSU“, sagte Söder in einem Doppelinterview, das er gemeinsam mit Merz dem Münchner Merkur (erscheint am Donnerstag, 5. Januar) gab. „Ich persönlich habe definitiv keine Ambitionen mehr. Das Thema Kanzlerkandidatur ist für mich erledigt“, sagte Söder. „Im Leben eines CSUlers kommt dies auch höchstens einmal auf einen zu – so war es bei Strauß, Stoiber und auch mir –, aber kein zweites Mal.“ Seine Aufgabe sei Ministerpräsident in Bayern, dafür brenne er.

Merz will frühere Kür des Kanzlerkandidaten

Die endgültige Entscheidung über die Kandidatur soll beim nächsten Mal frühzeitig fallen. „Sie brauchen für die gute Vorbereitung einer Bundestagswahl ein Jahr“, sagte Friedrich Merz in dem Gespräch. „Unterstellen wir mal, die Wahl findet regulär im Herbst 2025 statt – was bei dieser Ampel ungewisser denn je ist –, dann hieße das: Spätestens im Frühherbst 2024 müssen wir eine Entscheidung treffen“, so der CDU-Chef weiter. Wegen des Zeitplans sei er auch „im Herbst 2020 innerhalb der CDU ja auch etwas unfreundlich geworden“.

Wichtig sei, dass die beiden Parteivorsitzenden von CDU und CSU an einem Strang zögen, betonte Söder. „Wenn sich die Vorsitzenden nicht einigen, ist die Sache von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Das war schon in den 70ern bei der Kampfkandidatur Franz Josef Strauß gegen Ernst Albrecht so“, sagte der bayerische Ministerpräsident. „Das heißt: Wir müssen uns verständigen. Nur Einigkeit führt zum Erfolg.“

Söder über Merz als Parteispitze: „Die Zusammenarbeit mit ihm ist mit Abstand die beste“

Anfang 2021 hatte es zwischen CDU und CSU heftige Auseinandersetzungen um die Kanzlerkandidatur gegeben, die schließlich gegen Söders Willen Armin Laschet übernahm. Nach dessen Wahlniederlage übernahm Merz den CDU-Vorsitz. Söder wie Merz betonten im Merkur-Interview ihr gutes Verhältnis. . „Friedrich ist jetzt schon mein dritter Parteivorsitzender der CDU– und die Zusammenarbeit mit ihm ist mit Abstand die beste“, sagte Söder. „Der grundlegende Vorteil ist, dass es in der politischen Substanz einfach eine viel höhere Gemeinsamkeit gibt. Wir sind beide sehr bürgerliche Politiker. Das hat geholfen als wir beide nach dem schwierigen Jahr 2021 zusammengefunden haben.“

Merz betonte die regelmäßige Absprache: „Da sind wir beide ähnlich: SMS schreiben wir uns relativ kurz und ohne Schnörkel. Wenn es nötig ist, telefonieren wir am Sonntagabend. So oder so gibt es jeden Montagmorgen um 8 Uhr eine sogenannte Unionslage, in der wir in kleinem Kreis die kommende Woche abstimmen.“ Beide lobten den Berliner CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

Das komplette Interview gibt es ab 20 Uhr im E-Paper des Münchner Merkur.

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