VonMike Schierschließen
Am Freitag finden in München nicht nur die Demonstrationen von Fridays for Future, sondern auch ein Warnstreik im ÖPNV statt. Ein Kommentar.
München – Es ist schon eine seltsame Allianz, die sich da zusammentut: Verdi kündigt an, München mit einem „Warnstreik“ bei U-Bahn, Tram und Bus zwei Tage lang ins Verkehrschaos zu stürzen. Und verkündet dies gemeinsam mit den Klima-Aktivisten von „Fridays for Future“, die sich jetzt darüber freuen dürfen, wenn die Pendler bei Minusgraden eher aufs Auto statt aufs Fahrrad umsteigen. Getroffen werden mit der Aktion ausgerechnet all jene, die in der deutschen Stauhauptstadt schon jetzt täglich ihren kleinen Beitrag zur Verkehrswende leisten.
Warnstreick im ÖPNV: Ton in den Tarifverhandlungen spitzt sich zu
Die Episode zeigt, dass sich der Ton in den Tarifverhandlungen in den nächsten Monaten generell zuspitzen dürfte. Auch bei der Deutschen Bahn kündigt sich der nächste Arbeitskampf an, die Urabstimmung bei der Post läuft. Hier die Arbeitnehmer, die in Zeiten der Inflation auf deutlich höhere Abschlüsse pochen – in einer teuren Region wie Oberbayern hatten es Trambahnfahrer oder Erzieherinnen mit ihren Einkommen schon bislang schwer. Dort die Arbeitgeber, die natürlich selbst unter den hohen Preisen leiden. Die Kommunen jedenfalls können nicht einfach an der Steuerschraube drehen. Und endlos steigende Preise im ÖPNV, in Hallenbädern oder bei Gebühren will eigentlich auch niemand.
Die Fronten sind also verhärtet. Verständlicherweise. Und doch steckt in diesen Tarifauseinandersetzungen immer viel Ritual. Nicht zuletzt bei den Gewerkschaften, für die der Arbeitskampf eine Existenzberechtigung bedeutet. Am Ende wird man sich – wie immer – irgendwo in der Mitte treffen. Wäre schön, wenn sich auch der Klimawandel so leicht bereinigen ließe. In diesem Bereich sind Streiks eher Ausdruck von Verzweiflung.
Ein Kommentar von Mike Schier
