Hunderte Millionen

„Muss lückenlos aufgeklärt werden“: Söder stellt Habecks Rolle bei Northvolt-Pleite an den Pranger

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Die Northvolt-Insolvenz gefährdet den Bau der Gigafactory in Deutschland. Nun fordert Markus Söder Aufklärung – auch betreffend Habecks Millionen-Kredit.

Berlin/Heide – Unlängst kündigte der schwedische Batteriezellenhersteller Northvolt an, die Produktion an seinem zentralen Standort in Skellefteå bis Ende Juni vollständig einzustellen. Bis zuletzt sei die Produktion von Batteriezellen laut Insolvenzverwalter Mikael Kubu noch mit begrenztem Personal und Unterstützung des einzigen verbliebenen Kunden, dem Konzern Scania, fortgeführt worden. Langfristig sei das jedoch nicht haltbar. Zwar werde weiter nach Kaufinteressenten gesucht, doch das Potenzial für eine zeitnahe Übernahme lässt sich nur schwer abschätzen.

Fraglich bleibt damit nun, wie es mit der im Bau befindlichen Gigafactory nahe Heide in Schleswig-Holstein weiter geht. Als Herzstück der Energiewende war das Projekt von Ex-Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorangetrieben worden: Ende 2023 hatte sich Habeck für einen Staatskredit von über 600 Millionen Euro zugunsten Northvolts eingesetzt, der über die staatseigene KfW-Bank abgewickelt wurde. Weil den deutschen Steuerzahlern damit ein hiesiger Verlust des an den Werksbau gekoppelten Staatskredits droht, werden jetzt markante Vorwürfe gegenüber Habeck laut – mitunter von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Söder fordert Klarheit betreffend Northvolt-Insolvenz und millionenschwerer KfW-Förderung

Als Northvolt den Bau der Batteriefabrik nahe Heide im Januar 2024 bekannt gab, stellten der Bund und das Land Schleswig-Holstein dem Bau der Gigafactory insgesamt 1,3 Milliarden Euro in Aussicht: 600 Millionen Euro in Form des KfW-Kredits sowie weitere 700 Millionen Euro als Förderung. Abgewickelt wurde der staatliche Kredit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) zufolge als sogenanntes Zuweisungsgeschäft, in dessen Rahmen die staatliche KfW-Bank keine weitere Prüfung durchführt, sondern die Kreditmittel allein auf Anweisung der Bundesregierung zur Verfügung stellt.

Fotomontage aus Northvolt-Fabrikbau sowie Robert Habeck (Grüne, l.) und Markus Söder (CSU, r.)

Nach Bekanntwerden der finanziellen Schwierigkeiten Northvolts, mussten der Bund und das Land Schleswig-Holstein für den KfW-Kredit aufkommen und die 600 Millionen Euro aus Steuermitteln begleichen. Das veranlasste zuletzt den Bund der Steuerzahler dazu, die geringe Haftbarkeit von Verantwortlichen derartiger Milliardenverluste zu kritisieren. Und nun schaltete sich auch Bayerns Ministerpräsident Söder ein: Er will den Fortgang des Falls genau prüfen und dabei insbesondere die Rolle von Ex-Bundeswirtschaftsminister Habeck aufgeklärt sehen.

Northvolt-Pleite und Gigafactory-Bau – Söder will Untersuchungsausschuss im Bundestag

Bayerns Ministerpräsident fordert, die Northvolt-Insolvenz im Zusammenspiel mit dem Staatskredit in Höhe von 600 Millionen Euro für das neue Batteriewerk in Schleswig-Holstein durch den Bundestag genau zu überprüfen. „Die Northvolt-Pleite muss lückenlos aufgeklärt werden – und zwar rasch“, sagte Söder der Bild-Zeitung laut einem Vorabbericht. In jenem Gefüge komme es besonders auf die Rolle Habecks an, die einer genauen Prüfung unterzogen werden müsse.

Die Steuerzahler dürften nicht auf einem Schaden von Hunderten Millionen Euro sitzenbleiben, sagte Söder demnach. „Deshalb braucht es möglicherweise einen Untersuchungsausschuss im Bundestag, in dem alle Fragen beantwortet werden“, betonte der CSU-Politiker.

Vor Kurzem war bereits vom Bund der Steuerzahler (BdSt) Kritik an der grundlegend geringen Verantwortbarkeit politischer Entscheidungsträger bei derartigen Milliardenverlusten laut geworden: „Das Bundesrecht sieht bisher keine klare Haftung vor“, erklärte BdSt-Verbandschef Rainer Holznagel am Montag der Bild-Zeitung. Der Verband fordert, Politiker bei fahrlässiger Verschwendung von Steuergeld künftig haftbarer dafür zu machen. „Wenn Minister durch Fehlentscheidungen Milliardenverluste verursachen, darf das nicht folgenlos bleiben“, so Holznagel weiter.

Habeck betont, finanzielle Probleme Northvolts seien nicht absehbar gewesen

Geprüft wurden die finanziellen Grundlagen für die Unterstützung des Gigafactory-Baus nahe Heide im Vorjahr durch das externe Beratungsunternehmen PwC, das hierfür von der Bundesregierung beauftragt worden war. NDR-Recherchen zufolge wurde das Ausfallrisiko für den KfW-Kredit von PwC mit lediglich einem Prozent bewertet. Auf die Frage, ob Northvolt zum damaligen Zeitpunkt möglicherweise wichtige Informationen zu seiner finanziellen Situation zurückgehalten habe, sagte Habeck in einem NDR-Interview im Februar (9. Februar): „Die Probleme bei Northvolt wurden uns erst bekannt, weit, nachdem die Verträge geschlossen wurden.“ Ob die ökonomische Schieflage Northvolts vom Unternehmen verheimlicht worden sei, wisse er nicht. 

Diese bekannten Politiker sitzen jetzt nicht mehr im Bundestag

Christian Lindner
Die FDP ist an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und scheidet damit aus dem Bundestag aus. Noch 2017 hatte Parteichef Christian Lindner sie mit neuem Image und einem zweistelligen Ergebnis nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder ins Parlament geführt – doch die Rechnung ging dieses Mal nach Ampel-Bruch und Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler mit der Partei nicht auf.  © imago
Johannes Vogel, Fraktionsgeschäftsführer der FDP
Dem Wahlergebnis fiel damit auch Johannes Vogel zum Opfer. Er war zuletzt Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Bundestag sowie stellvertretender Bundesvorsitzender. Durch das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde zieht auch er nicht wieder in den Bundestag ein.  © Rabea Gruber/dpa
FDP-Politikerin und frühere JuLi-Chefin Ria Schröder
Ria Schröder gilt als eine der personellen Hoffnungen der Freien Demokraten. Die Juristin war Vorsitzende der Jugendbewegung Junge Liberale und ist Mitglied des FDP-Bundesvorstands.  © Hannes P. Albert/dpa
Früherer FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai
Bijan Djir-Sarai saß ebenfalls für die FDP im Bundestag und war bis November 2024 ihr Generalsekretär. Nach dem Ampel-Bruch trat er von der Position zurück.  © Sebastian Gollnow/dpa
Linda Teuteberg, FDP-Spitzenkandidatin in Brandenburg
Linda Teuteberg hatte viel vor mit der FDP, als sie 2019 Generalsekretärin wurde. Von diesem Amt entfernte Christian Lindner sie jedoch zugunsten Volker Wissings schon vor dem Ende ihrer Amtszeit wegen Streitigkeiten. Auch sie ist durch das schlechte Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr im Bundestag vertreten. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Wolfgang Kubicki (FDP)
Auch den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki werden wir in dieser Legislaturperiode wegen des Scheiterns an der Fünf-Prozent-Hürde nicht im Deutschen Bundestag sehen.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Bundestag
Christian Dürr ist Mitglied im Bundesvorstand der FDP und war zuletzt Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Bundestag. Auch er scheidet mit seiner Partei wegen ihres schlechten Wahlergebnisses aus dem Bundestag aus.  © imago
Marco Buschmann, FDP
Marco Buschmann war in der Ampel-Koalition als Bundesjustizminister tätig. Mit dem Bruch der Ampel gab er das Amt jedoch an Volker Wissing ab, der nach dem Zerwürfnis der Koalition aus der Partei austrat.  © Michael Kappeler/dpa
Volker Wissing, ehemals FDP und mittlerweile parteilos
Volker Wissing, in der Ampel-Koalition Verkehrsminister und später zusätzlich Justizminister, ließ zwar nach dem Scheitern der Ampel seine Partei hinter sich. In den neuen Bundestag zieht der jetzt parteilose Rechtsanwalt aber trotzdem nicht ein. Er möchte sich aus der Politik zurückziehen und in seiner Kanzlei arbeiten. © Hannes P Albert/dpa
Jens Teutrine, früherer Chef der Jungen Liberalen
Jens Teutrine war wie Ria Schröder auch Chef der Jungen Liberalen, bevor er in den Bundestag einzog. Mit dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag endet auch sein Mandat. © Serhat Kocak/dpa
Bettina Stark-Watzinger, ehemalige FDP-Bundesbildungsministerin
Ein weiteres prominentes Gesicht der Ampel-Koalition verlässt den Bundestag: Bettina Stark-Watzinger, die während der letzten Legislaturperiode Bundesbildungsministerin war.  © Christine Schultze/dpa
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin und frühere Linken-Chefin
Politisch eklatant unterschiedlich, eint sie doch dasselbe Schicksal: Wie die FDP scheiterte auch das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde – und zwar äußerst knapp. Einst Linken-Chefin, gründete Sahra Wagenknecht Anfang 2024 das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Trotz des aus dem Stand starken Abschneidens bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg zieht das Bündnis nach der Bundestagswahl knapp nicht ins Parlament ein.  © Frank Ossenbrink/imago
Amira Mohamed Ali, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Amira Mohamed Ali war einst Abgeordnete der Linken, gründete jedoch zusammen mit Sahra Wagenknecht das BSW. Sie ist Parteivorsitzende – und nicht mehr im Bundestag. © Christoph Hardt/imago
Sevim Dagdelen, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Auch Sevim Dagdelen entschied sich zum Parteiaustritt aus der Linken und zum Eintritt ins BSW, das bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und somit nicht im Bundestag vertreten ist.  © imago
Grünen-Politiker Cem Özdemir
Die Grünen verlieren nach der Bundestagswahl 2025 sogar ein Ministergesicht: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wird nicht mehr im Parlament vertreten sein. Jedoch entschied er das bereits selbst lange vor der Wahl. Er will der Bundespolitik den Rücken kehren und strebt in seiner Heimat Baden-Württemberg das Amt des Ministerpräsidenten an. © Hannes P Albert/dpa
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar dürfte über die Grenzen Berlins hinaus nicht besonders bekannt gewesen sein – bis Ende 2024 Vorwürfe der Belästigung gegen ihn laut wurden. Eigentlich wollte er in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow wieder zur Bundestagswahl antreten, jedoch entschied sich der Kreisverband bei einer erneuten Abstimmung stattdessen für Julia Schneider, die nun in den Bundestag einzieht. Die Vorwürfe hatten sich im Übrigen als falsch erwiesen.  © imago
Grünen-Politikerin Tessa Ganserer
Tessa Ganserer ist eine der bekanntesten Trans*-Politikerinnen Deutschlands. Im Bundestag setzte sich die Grüne vor allem für die Rechte queerer Menschen ein. Dass sie in der 21. Wahlperiode nicht mehr im Parlament sitzt, war ihre eigene Entscheidung. Sie trat nicht mehr als Kandidatin an. Wegen des „menschenverachtenden Hasses“, der ihrer Person entgegengebracht worden sei, wolle sie ihrem Leben noch einmal eine andere Richtung geben. © Dwi Anoraganingrum/imago
Grünen-Politikerin Renate Künast
Auch die prominente Grünen-Politikerin Renate Künast wird nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein – ebenfalls aus freien Stücken. Sie wollte nicht mehr antreten, „um Platz für Jüngere zu machen“, hatte Künast im Sommer 2024 erklärt. Vorher war sie bereits Landwirtschaftsministerin, Grünen-Fraktionschefin und Parteivorsitzende gewesen.  © Christoph Soeder/dpa
SPD-Politikerin Michelle Müntefering
Auch bei der SPD verlassen bekannte Gesichter den Bundestag. Michelle Müntefering (SPD), Ehefrau von Franz Müntefering, sitzt ebenfalls nicht mehr im Parlament. Das war jedoch schon vor der Bundestagswahl klar: Die SPD hatte nicht mehr sie, sondern Hendrik Bollmann für ihren Wahlkreis Herne - Bochum II nominiert. © M. Popow/imago
SPD-Politiker und ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, Michael Müller
Michael Müller (SPD) war einst Regierender Bürgermeister von Berlin und zog 2021 in den Bundestag ein. Damals hatte er in seinem Wahlkreis Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf die meisten Stimmen bekommen, diesmal landete er hinter Lukas Krieger (CDU) und Lisa Paus (Grüne) nur auf dem dritten Platz und verpasste damit sein Ticket ins Parlament.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert
SPD-Promi Kevin Kühnert hatte eine steile politische Karriere hingelegt. Er war Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und seit 2021 Generalsekretär. Von dem Amt trat er 2024 zurück und kündigte an, sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückzuziehen und nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen.  © Michael Kappeler/dpa
SPD-Politiker Michael Roth
Der hessische SPD-Politiker Michael Roth entschied sich ebenfalls weit vor der Wahl, nicht mehr für den Bundestag anzutreten. In seinem Fall spielte auch sein Einsatz für die Ukraine eine Rolle, der nicht allen in der Partei gefallen habe, und er habe sich mit der Zeit von den Sozialdemokraten und dem Politikbetrieb entfremdet. © imago
CDU-Politiker Helge Braun
Trotz ihres Wahlsiegs verliert auch die Union ein bekanntes Gesicht: Helge Braun war unter Angela Merkel Kanzleramtschef. Ende 2024 kündigte der Arzt aus Gießen an, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen.  © Kay Nietfeld/dpa
CSU-Politiker Peter Ramsauer
Auch aus der Schwesterpartei CSU verschwindet eine bekannte Persönlichkeit: Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer scheidet aus dem Bundestag aus – auf eigenen Wunsch war er nicht mehr angetreten. © Michael Kappeler/dpa
Susanne Hennig-Wellsow, Die Linke
Auch die Linke verbüßt trotz überraschend starkem Wahlergebnis Abgänge: unter anderem Susanne Hennig-Wellsow. Die frühere Bundesparteivorsitzende ist nicht mehr zur Bundestagswahl angetreten. Sie wollte sich beruflich etwas Neuem widmen. © Frederic Kern/imago

In gleicher Weise äußert sich auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU): „Viele Umstände rund um Northvolt, die wir heute kennen, waren damals eben nicht bekannt“, zitiert die Welt den CDU-Politiker. Maßgeblich für die Entscheidung von Bund und Land seien damals die Resultate des PwC-Gutachtens gewesen. 

Wie es mit dem Bau der Northvolt-Gigafctory in Schleswig-Holstein nun weiter geht, lässt sich nicht sicher sagen. Die Pläne sahen vor, auf einem rund 110 Hektar großen Areal einen Produktionsstandort für 3000 Beschäftigte zu errichten. Wie die Welt ausgehend von Angaben der Sprecherin der deutschen Northvolt-Tochtergesellschaft berichtet, laufen die Bauarbeiten am Werk aktuell jedoch vorerst weiter. Zudem befände man sich weiterhin in Gesprächen mit potenziellen Kaufinteressenten. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Chris Emil Janßen und IMAGO / Sven Simon

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